Ritter Sport hat drei neue Schokoladentafeln vorgestellt - Verbraucherschützer sehen eine freche Mogelpackung. Jetzt wendet sich das Unternehmen an seine Kunden.
Große Neuerung: Die quadratischen Schokoladentafeln von Ritter Sport stehen seit Jahrzehnten für 100 Gramm Inhalt. Nun hat der Hersteller aus dem schwäbischen Waldenbuch drei neue Sorten mit einem Gewicht von 75 Gramm auf den Markt gebracht. Konkret geht es um Produkte mit besonders hohem Kakaoanteil. Die neue Edelkakao-Klasse ist seit Ende April im Handel erhältlich, wie ein Unternehmenssprecher auf Anfrage bestätigte. Die bisherige Kakao-Klasse werde nicht mehr produziert.
Die Verbraucherzentrale Hamburg wittert darin eine versteckte Preiserhöhung. Das Phänomen - weniger Inhalt zum gleichen oder sogar höheren Preis - wird auch als "Shrinkflation" bezeichnet. Shrink ist Englisch und heißt übersetzt schrumpfen. "Aus unserer Sicht spricht vieles dafür", heißt es in einem Beitrag auf der Internetseite der Verbraucherschützer. Ritter Sport versuche aber, den Eindruck zu erwecken, dass es sich um eine neue Produktlinie handele. Jetzt reagiert das Unternehmen öffentlich.
Update vom 20.05.2026: "Sensible Themen" - Ritter Sport begründet neue Tafeln mit Geschmack
In den sozialen Medien schlägt Ritter Sport wegen den neuen Tafeln viel Kritik entgegen. Unter einem Beitrag von ZDF-heute lassen die Nutzer ihrem Ärger freien Lauf. "Dann boykottieren wir auch Ritter Sport. Wenn sie diesen Kampf wollen, bekommen sie ihn und werden verlieren", schreibt ein User in Hinblick auf die Probleme, die andere Hersteller mittlerweile haben. "Nach Milka, Lindt, Kinder die nächste Marke auf meiner Liste, die ich nicht mehr kaufen werde...", kommentiert ein Mann. "Einfach vorbei laufen und schön in den Regalen stehen lassen", erklärt eine Nutzerin. Bei Ritter Sport will man eine solche Entwicklung offensichtlich von Beginn an stoppen. Deshalb hat sich der Schoko-Gigant nun in einem Instagram-Post direkt an seine Kunden gewandt.
"Wir müssen reden. Wir wissen, dass vor allem zur jetzigen Zeit Preis und Gewicht sensible Themen sind", heißt es darin. 100 Gramm Gewicht "ist und bleibt unser Standard", verspricht das Unternehmen und postet dazu ein Pinguinbild mit der Aufschrift "Ich schwöre". Dass die neuen drei Sorten 75 Gramm wiegen, stehe "dreimal drauf", sei also "wirklich nicht versteckt". Diese enthielten "besonders hochwertigen Kakao, der weltweit nur etwa fünf bis zehn Prozent der gesamten Kakaomenge ausmacht". Dies sei auf Beschwerden vieler Kunden zu den bisherigen Kakaoklassen zurückzuführen, die als "zu hart", "zu bitter" und mit "zu wenig Schmelz" bewertet worden seien.
Auch die Verkaufszahlen hätten dies gespiegelt. Die neuen Sorten seien wegen des Schmelzes dünner und mit neuen Rezepturen entwickelt worden, so die Begründung abschließend. Zumindest unter dem eigenen Post sind die Reaktionen der Fans vorwiegend positiv. "Klingt sehr gut, würde ich gerne ausprobieren", "transparent und gut erklärt", "Wer immer auch diesen Post geplant hat, sollte einen Bonus bekommen, ich find ihn genial", heißt es unter anderem. Ob sich das auch im Absatz spiegelt, bleibt abzuwarten.
Erstmeldung vom 18.05.2026: Ritter Sport schrumpft bestimmte Tafeln - Verbraucherschützer alarmiert
Zuvor hatte das Unternehmen demnach bereits zwei Sorten Proteinschokolade mit diesem Gewicht im Angebot. Die Produkte der neuen Linie seien äußerlich so groß wie die Standardtafeln mit 100 Gramm, aber dünner. Konkret geht es um die Sorten "Die Vollmundige" mit einem Kakaoanteil von 55 Prozent, "Die Aromatische" (74 Prozent) und "Die Intensive" (81 Prozent). Die Gestaltung unterscheide sich deutlich. Die Verbraucherschützer erkennen aber dennoch Parallelen zu den früheren Produkten der Kakao-Klasse. Zwei der neuen Sorten hätten beispielsweise denselben Kakaoanteil. Der Preis liege trotz der geringeren Füllmenge meist weiterhin bei 2,29 Euro je Tafel.
"Unter der Annahme, dass die bisherigen Produkte faktisch ersetzt werden, entspricht das einer versteckten Preiserhöhung von mehr als 33 Prozent." Ritter Sport widerspricht der Darstellung der Hamburger Verbraucherschützer. Es handelt sich dem Sprecher zufolge um eine vollkommen neue Produktgruppe mit neuen Rezepturen sowie einem neuen Tafelformat. Die bisherige Kakao-Klasse sei dafür nicht angepasst oder verändert worden. Die neuen Produkte basierten vielmehr auf einer langfristig angelegten Entwicklung rund um die firmeneigene Kakao-Plantage in Nicaragua. Diese liefere inzwischen ausreichend Edelkakao für eine eigene Produktlinie.