Das Geschäftsmodell von Motatos ist die "Rettung" von fast abgelaufenen oder aus anderen Gründen schwer verkäuflichen Waren. Nun zieht sich das Unternehmen aus Deutschland zurück.
Nach sechs Jahren auf dem deutschen Markt zieht der schwedische Online-Discounter die Reißleine. Stattdessen will sich das Unternehmen auf seinen nordeuropäischen Heimatmarkt konzentrieren. Das teilte das Mutter-Unternehmen Matsmart-Motatos Ende vergangener Woche mit. Übrigens verschwindet bald eine bekannte Supermarktkette für immer.
Seit 2020 ist in Deutschland präsent. Das Konzept: Lebensmittel nahe des Verfallsdatums, mit fehlerhafter Verpackung oder Saisonware sollen von den Kunden zu deutlich reduzierten Preisen "gerettet" werden. Laut eigener Aussage hat sich das Unternehmen in Deutschland eine "bedeutende Präsenz aufgebaut" mit rund 300.000 aktiven Kunden und zuletzt einem Jahresumsatz von 35 Millionen Euro. Insgesamt sollen 40.000 Tonnen Konsumgüter und Lebensmittel in den vergangenen sechs Jahren gerettet worden sein.
Zu viele Investitionen nötig - Motatos zieht sich aus Deutschland zurück
Jedoch scheint sich das Deutschland-Geschäft in der Gesamtbetrachtung nicht gelohnt zu haben. Das Unternehmen geht laut eigenen Angaben davon aus, dass der Weg zur Profitabilität in Deutschland noch mehrere Jahre dauern und erhebliche Investitionen erfordern würde. "Wir haben in Deutschland ein solides Fundament geschaffen, aber angesichts der aktuellen Marktbedingungen und des Kapitalbedarfs entscheiden wir uns dafür, unsere Ressourcen in den nordischen Ländern zu bündeln", so Matsmart-Motatos-CEO Sofie Zettergren.
Durch einen verbesserten Cashflow und einen absehbar profitables Wachstum habe das Geschäft in Schweden, Dänemark und Finnland hingegen eine "positive Dynamik". Nach eigenen Angaben erreichte das Unternehmen 2025 einen Umsatz von umgerechnet deutlich über 74 Millionen Euro. "Die nordischen Länder sind unser Heimatmarkt, der von einem treuen Kundenstamm getragen wird. Indem wir diesen Märkten Priorität einräumen, sind wir besser für langfristiges Wachstum und Wertschöpfung aufgestellt", betont Sofie Zettergren. Der Fokus auf die nordischen Länder sei demnach ein strategischer Schritt "zum Aufbau eines fokussierteren und finanziell soliden Unternehmens".
Das Unternehmen wurde 2014 als Matsmart in Stockholm gegründet. Abgesehen von den nordischen Ländern und Deutschland ist der Online-Discounter noch in Österreich und der Schweiz aktiv. Ob sich das Unternehmen im Zuge seiner Nordeuropa-Offensive ebenfalls aus den beiden anderen mitteleuropäischen Ländern zurückzieht, ist bisher nicht bekannt.