Massive Schieflage: Kann Galeria jetzt doch aufatmen?

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Wie schlecht geht es Galeria wirklich? Experten mit düsterer Prognose
Wie schlecht geht es Galeria wirklich? Experten mit düsterer Prognose
Rolf Vennenbernd/dpa

Ausbleibende Mietzahlungen, Einbrüche beim Umsatz, schlechte Geschäftsaussichten - eine Hiobsbotschaft reiht sich bei Galerie derzeit an die andere. Nun könnte die Schieflage etwas abgefedert werden. Doch die Frage bleibt: Wie nachhaltig ist die Lösung?

Update vom 22.4.2026: Frisches Geld für Galeria - Mieten sollen wieder gezahlt werden

Ist das der Ausweg aus der Krise? Die Warenhauskette erhält einen neuen Kredit von ihrem Minderheitsgesellschafter Bain Capital, wie das Unternehmen der Deutschen Presse-Agentur bestätigte. Die Zwischenfinanzierung soll dabei helfen, die angespannte finanzielle Situation zu überbrücken. Zuvor hatte das Handelsblatt berichtet. Galeria erhält nach eigenen Angaben 10 Millionen Euro. Bereits im vergangenen Jahr hatte der Investor Bain Capital einen Kredit gewährt. "Die Liquiditätslage zeigt harte Schwankungen", sagte Geschäftsführer Tilo Hellenbock. Er zeigte sich jedoch zuversichtlich, dass sich die Lage wieder stabilisieren werde.

Mehrere Vermieter von Galeria beklagten kürzlich, dass die Mietzahlungen für April ausgeblieben seien. Betroffen ist unter anderem die Filiale am Berliner Alexanderplatz, deren Immobilie Commerz Real gehört. Berichten zufolge soll Galeria zudem gebeten haben, die Mieten zu stunden. Das war auf Nachfrage zunächst nicht kommentiert worden. Das Warenhausunternehmen räumte nun aber ein, die Vermieter aller 83 Filialen um eine Stundung gebeten zu haben. Die Mietzahlungen, die eigentlich im März und April fällig gewesen wären, sollten in den Herbst verschoben werden. Dies sei jedoch nicht von allen Vermietern akzeptiert worden. Laut Galeria wurden die Mietzahlungen in den Verhandlungen in einigen Fällen zunächst gestoppt, sollen nun aber nachgeholt werden. Einige Vermieter, die eine Stundung akzeptiert haben, erhalten die Miete demnach im Herbst, zuzüglich Zinsen.

Rund um Galeria gab es in den vergangenen Monaten bereits mehrfach Unruhe. Im Januar wurde Finanzchef Christian Sailer abberufen. Eine Begründung wurde nicht genannt. Im März gab das Unternehmen bekannt, die mittelfristig auslaufenden Mietverträge von acht Standorten neu zu verhandeln. Galeria räumte dabei ein, dass weitere Filialschließungen möglich sind. "Sollte es nicht gelingen, eine für beide Seiten tragfähige Lösung zu erreichen, die allen Parteien eine langfristige Zukunft eröffnet, besteht auch die Möglichkeit von Schließungen", teilte das Unternehmen mit.

Für diesen Fall sollten vorsorglich schon Verhandlungen über einen Interessenausgleich und einen Sozialplan für die betroffenen Filialen aufgenommen werden. Betroffen sind die Warenhäuser in München (Rotkreuzplatz), Berlin (Kurfürstendamm, Hermannplatz), Köln (Hohe Straße, Breite Straße), Mannheim, Braunschweig und Aschaffenburg. Galeria betreibt derzeit 83 Filialen und beschäftigt rund 12.000 Menschen. Anfang 2024 hatte die Kette erneut Insolvenz anmelden müssen. Daraufhin wurden neun Häuser geschlossen. Anschließend wurde Galeria von der US-Investmentgesellschaft NRDC und dem Unternehmer Bernd Beetz übernommen. Beide verfügen zusammen über mehr als 90 Prozent der Anteile, sechs Prozent entfallen laut "Handelsblatt" auf Bain Capital.

Ursprungsmeldung: Wie schlecht geht es Galeria wirklich? Experten mit düsterer Prognose

Viele Kunden dürften es schon bemerkt haben: 10 Euro Rabatt ab einem Einkaufswert von 60 Euro, 40 Euro ab 200 Euro: Damit wirbt die Warenhauskette Galeria auf ihrer Internetseite. "Die Deals laufen - du auch?", heißt es da. Verdächtig ist das zunächst nicht. Schließlich sind viele Verbraucher derzeit nicht in Kauflaune und besonders empfänglich für Sonderangebote. Steckt womöglich mehr dahinter?

So verdichten sich in diesen Tagen die Anzeichen, dass Galeria wieder in der Krise steckt. Laut einem Bericht der "Immobilien Zeitung" beklagen mehrere Vermieter, dass Mietzahlungen für April ausgeblieben sind. Betroffen ist unter anderem die Filiale am Berliner Alexanderplatz, deren Immobilie Commerz Real gehört. Die April-Miete sei bislang nicht gezahlt worden, sagte ein Unternehmenssprecher der Deutschen Presse-Agentur. "Wir beobachten das mit Sorge. Bisherige Kontaktversuche sind ins Leere gelaufen. Es ist niemand erreichbar, sodass wir uns fragen, wie es jetzt weitergeht", sagte er. Ein weiteres Unternehmen bestätigte, dass die Miete für April bislang nicht pünktlich und vollständig eingegangen sei. In einigen Fällen soll Galeria Berichten zufolge auch um eine Stundung gebeten haben.
Handelsexperte: vierte Insolvenz "eine reale Gefahr"

Finanzielle Schieflage bei Galeria - sind Mitzahlungen ausgeblieben?

Das Unternehmen teilte auf Nachfrage lediglich mit: "Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir Fragen zu internen Vertragsdetails sowie zu laufenden Gesprächen und Verhandlungen nicht kommentieren."
Johannes Berentzen von der Handelsberatung BBE sieht seit der letzten Insolvenz durchaus positive Entwicklungen. Als Beispiele nennt er gesunkene Mieten, Partnerschaften mit Lidl oder Decathlon sowie eine stärkere lokale Ausrichtung. "Doch ohne ausreichend Investitionskapital lässt sich ein Kaufhaus nicht transformieren – das rächt sich jetzt", sagte der Handelsexperte. Galeria sei ein überdimensioniertes Modell ohne klares Profil. Solange dieses Problem nicht gelöst sei, bleibe eine vierte Insolvenz "eine reale Gefahr". Übrigens ist in eine ehemalige Filiale in Nürnberg neues Leben eingekehrt.

Laut einem aktuellen Bericht des Branchenmagazins Textilwirtschaft befindet sich Galeria in einer dramatischen finanziellen Schieflage: Im ersten Geschäftshalbjahr 2025/26 (Oktober 2025 bis März 2026) soll der stationäre Umsatz der Warenhauskette um rund 110 Mio. Euro unter dem Vorjahreswert gelegen haben – bei einem Gesamtjahresumsatz von zuletzt rund 2 Milliarden Euro. Auch der Rohertrag soll um etwa 60 Mio. Euro eingebrochen sein, während die Liquidität monatlich konstant schrumpfte. Besonders das Ostergeschäft enttäuschte laut Textilwirtschaft – ein Unternehmenskenner sprach dem Bericht zufolge von einem "Volldesaster" – und auch die anhaltende Konsumzurückhaltung infolge des Iran-Kriegs belastet das Unternehmen spürbar. 

Ein Blick zurück: Anfang 2024 hatte die Kette zum dritten Mal innerhalb von vier Jahren Insolvenz anmelden müssen. Gründe dafür waren unter anderem die finanzielle Schieflage des Mutterkonzerns Signa und hohe Mietkosten. Am Ende des Verfahrens wurden neun der 92 Standorte geschlossen – weit weniger als Branchenexperten erwartet hatten. Bei der Suche nach einem neuen Eigentümer stand eine Frage im Mittelpunkt: Wer hat die Finanzkraft, um Galeria zu stabilisieren und zukunftsfähig zu machen?

Bereits drei Insolvenzen - weitere Filialschließungen könnten drohen

Seit Sommer 2024 gehört die Kette der US-Investmentgesellschaft NRDC und einer Beteiligungsfirma des Unternehmers Bernd Beetz. Sie riefen den Neustart aus und kündigten Investitionen an. Von bis zu 100 Millionen Euro in den nächsten zwei bis drei Jahren war die Rede. Experten hatten damals bereits Zweifel, dass dies genügt. Galeria tauschte die riesige Unternehmenszentrale in Essen gegen eine deutlich kleinere in Düsseldorf ein. Die Namen Kaufhof und Karstadt verschwanden aus dem Firmennamen.

Im Herbst 2025 zeigte sich die Führung zufrieden mit dem ersten Jahr nach der Insolvenz. Erstmals seit mehr als zehn Jahren sei wieder ein Geschäftsjahr operativ profitabel abgeschlossen worden, teilte das Unternehmen mit. Alle Standorte schrieben demnach schwarze Zahlen. "Das unterstreicht die Stabilität unseres neuen Geschäftsmodells und zeigt: Galeria funktioniert wieder aus eigener Kraft", sagte Geschäftsführer Christian Sailer. Zum Jahresende berichtete die Zeitschrift "Textilwirtschaft", dass sich die Geschäftslage bei Galeria verschlechtert habe. Umsatz und Gewinn seien eingebrochen, hieß es. Das Unternehmen wollte dazu nicht Stellung nehmen. Der Start in das neue Geschäftsjahr liege im Rahmen der Erwartungen, sagte eine Sprecherin. Das Unternehmen sei solide finanziert, der Gesamttrend positiv.

Im März 2026 geriet Galeria erneut in die Schlagzeilen, weil weitere Filialschließungen drohen. Die Mietverträge von acht Standorten sollen neu verhandelt werden, teilte der Einzelhändler mit. "Sollte es nicht gelingen, eine für beide Seiten tragfähige Lösung zu erreichen, die allen Parteien eine langfristige Zukunft eröffnet, besteht auch die Möglichkeit von Schließungen." Betroffen sind Filialen in München (Rotkreuzplatz), Berlin (Kurfürstendamm, Hermannplatz), Köln (Hohe Straße, Breite Straße), Mannheim, Braunschweig und Aschaffenburg. Und nun folgt das nächste Problem – die ausbleibenden Mietzahlungen.

Ernst der Lage noch nicht absehbar - von Krediten wird abgeraten

Wie ernst ist die Lage? Das Unternehmen antwortet nicht auf solche Fragen. Handelsexperte Jörg Funder von der Hochschule Worms sagt: "Das war doch absehbar." Am Konzept von Galeria habe sich kaum etwas verändert. Aus den gescheiterten Sanierungen sei offenbar wenig gelernt worden. "Schlechtes Management trifft hier auf ein schwieriges Konsumklima." Der Professor für Unternehmensführung sieht im deutschen Markt dennoch weiterhin Potenzial für 45 bis 50 Filialen eines zentralisierten Warenhauses.

Die Wirtschaftsauskunftei Creditreform rät weiter von Krediten für Galeria ab. Das teilte ein Sprecher auf Nachfrage mit. Auch nach Aufhebung des letzten Insolvenzverfahrens 2024 gilt eine Geschäftsverbindung demnach als riskant. Der Bonitätsindex, der dem Schulnotensystem ähnelt, liegt bei Galeria bei 500. Der schlechteste Wert ist 600. Creditreform sammelt Unternehmensdaten, etwa zur Zahlungsfähigkeit und Kreditwürdigkeit. Die Gewerkschaft Verdi kritisiert die Galeria-Führung. "Seit mehr als zehn Jahren kämpfen die Beschäftigten nunmehr um ihre Arbeitsplätze und faire Löhne bei Galeria", sagte Vorstandsmitglied Silke Zimmer. Gemeinsam mit den Beschäftigten müsse ein tragfähiges Zukunftskonzept erarbeitet werden. Nur so könnten Perspektiven und neue Glaubwürdigkeit entstehen.

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