• Neuerungen bei Aldi: Die Discounterkette hat einen deutlichen Imagewandel erlebt
  • Digitalisierung und zu viele Markenprodukte: Hier hat Aldi heute Schwierigkeiten
  • In Zukunft will Aldi wieder mehr auf Eigenmarke setzen
  • Einen ersten Vorstoß gab es bereits: Ab dem 12. Mai gibt es bei Aldi eine neue Zier- und Nutzpflanzenlinie

Noble Holzkisten statt Pappkartons, moderne Gebäude und eine eigene Feinschmecker-Linie: Die Discounterkette Aldi hat in den vergangenen Jahren einen enormen Imagewandel hingelegt. Der Einzelhändler wollte seinen Ruf als Billig-Laden loswerden und passte darum sein Konzept an das der höherpreisigen Supermärkte an.

Für diese Entwicklung erhielt die Einzelhandelskette nicht nur Lob. Expert*innen kritisierten, dass Aldi bei seiner Neuerfindung die Discounter-Mentalität verloren habe. Dass an der Kritik etwas dran sein könnte und auch den Kund*innen der Imagewandel nicht nur positiv aufgefallen ist, zeigt auch ein vergleichender Blick auf das Wachstum der Konkurrenz. So hat Lidl laut einem Bericht des Business Insiders Aldi im Geschäftsjahr 2020/21 in Sachen Wachstum überholt.

Schleppende Digitalisierung wirft Aldi zurück

Und sogar aus den eigenen Reihen gibt es Kritik an der Entwicklung von Aldi. Gegenüber dem Spiegel sagte der frühere Aldi-Nord-Manager Dieter Brandes: "Aldi hat sich dramatisch verändert. Das ist der Weg vom einstmals exzellenten zu einem gewöhnlichen Unternehmen, einem Unternehmen auf dem Weg zum Supermarkt.“

Der Imagewandel allein ist aber nicht das einzige Problem. In den vergangenen Jahren hat Aldi auch viele Markenprodukte ins Sortiment aufgenommen, Kund*innen außerdem mit Sonderangeboten gelockt. Ein wichtiger Vorteil der Aldi-Märkte ist damit teilweise aufgegeben worden: ein überschaubares Warenangebot und damit weniger Entscheidungshürden sowie leichtere Orientierung für Kund*innen zu bieten.

Mit der voranschreitenden Digitalisierung tat sich für die Discounter-Kette eine weitere Fehlerfalle auf. Digital konnte Aldi mit der Konkurrenz einfach nicht Schritt halten. Mit einem Projekt namens "Ahead" wollte Aldi sein Digitalisierungsproblem schließlich im Jahr 2015 angehen. Doch der Plan scheiterte: "Ahead hat sich zu einem gigantischen Zeit-, Kosten- und Ressourcenfresser entwickelt", sagte ein ehemaliger Beteiligter gegenüber dem Spiegel. Die Kosten des Projektes stiegen von geplanten 650 Millionen Euro auf ganze 1,6 Milliarden.

Aldi will in Zukunft wieder mehr auf Eigenmarke setzen

Als 2017 schließlich Aldis erster Onlineshop "Aldi liefert" an den Start ging, erzielte das Unternehmen 100 Millionen Euro Umsatz damit. Auch hier wurde die Discounter-Kette von der Konkurrenz Lidl, die bereits einen Milliardenumsatz verzeichnet, in den Schatten gestellt. 

Trotz aller Schwierigkeiten: Von seinem Modernisierungskurs will sich Aldi nicht abbringen lassen. Vor allem in Sachen Digitalisierung will Aldi in den nächsten Jahren weiter aufholen. Daneben plant das Einzelhandelsunternehmen aber auch einige Schritte, die gewissermaßen "back to the roots" führen: So will Aldi wieder vermehrt Produkte der Aldi-Eigenmarke anbieten und sich von einigen Markenprodukten verabschieden. Ob dieser Kompromiss aus Alt und Neu aufgeht, bleibt abzuwarten.

Einen ersten Vorstoß in Richtung "mehr Eigenmarke" hat Aldi bereits gemacht. Einem Bericht der Lebensmittelzeitung zufolge will Aldi Süd künftig unter der Marke "Gärtners Schätze" Zier- und Nutzpflanzen anbieten. Es handelt sich dabei um eine Premium-Alternative zu der bereits bestehenden Pflanzenmarke "Gardenline". Ab 12. Mai werden die Produkte der neuen Marke im Angebot sein. Laut Aldi Süd werden vornehmlich Pflanzen angeboten, die aus der Region stammen. Allerdings umfasst die Produktpalette auch einige exotische Pflanzen - Zitrusstämmchen zum Beispiel.

Zum Weiterlesen: