Experten aus der Tech-Branche mahnen zur Vorsicht. Cybersecurity-Experte Adrianus Warmenhoven vom Sicherheitsdienstleister "NordVPN" erklärt in einem Statement gegenüber der Redaktion: "Wann immer eine Ende-zu-Ende-verschlüsselte Plattform für die KI-Verarbeitung auf externe Server angewiesen ist, stellt dies unweigerlich ein zusätzliches Risiko dar."
Denn WhatsApp nutzt bei Anfragen an die Meta AI zwar das eigens entwickelte "Private Processing", bei dem keine Daten gespeichert werden, dies sei aber trotzdem ein "Kompromiss". "Angreifer haben es nicht auf Ihr Telefon, sondern auf das Datenzentrum abgesehen", so Warmenhoven. Doch letztendlich schicke man seine privaten Daten immer noch an eine Maschine - und verliere damit die Kontrolle. Laut Warmenhoven habe WhatsApp zwar eindeutig daran gearbeitet, die Risiken zu reduzieren, ein risikofreies KI-System, dass private Nachrichten verarbeitet gebe es aber nicht.
Verbraucherschützer sehen Metas KI-Projekt ebenfalls kritisch. Seit Mai 2025 will Meta auch in Europa Nutzerdaten von Facebook und Instagram nutzen, um sein KI-Modell zu trainieren. Laut Meta betrifft das folgende Daten:
- Name
- Facebook- und Instagram-Benutzername
- Profilbild
- Alle Inhalte (Beiträge, Fotos und deren Beschreibungen, Videos und deren Beschreibungen), die im Profil, in Stories oder Reels öffentlich sichtbar gepostet wurden
- Aktivitäten in öffentlichen Gruppen, Facebook-Seiten und Kanälen
- Aktivitäten mit Inhalten, die öffentlich sind – beispielsweise Kommentare, Bewertungen oder Rezensionen auf Marketplace oder auf einem öffentlichen Instagram-Konto
- Avatare
WhatsApp-Daten können nicht genutzt werden, da sie Ende-zu-Ende verschlüsselt sind - das gilt natürlich nicht für Informationen, die du mit Meta AI teilst. Alle Anfragen, die du an die KI stellst, ob im direkten Chat oder in einer Gruppe, werden also ebenfalls für die Weiterentwicklung des Modells genutzt.
Meta AI beruft sich dabei auf sein berechtiges Interesse an den Daten seiner Nutzer. Diese seien unerlässlich, um das KI-Modell zu verbessern und den Kunden damit ein besseres Produkt zu bieten. Die Verbraucherzentrale NRW sah das jedoch anders und wollte den Konzern per einstweiliger Verfügung stoppen. Das Oberlandesgericht Köln hat jedoch im Sinne von Meta entschieden. Wie geplant startet daher ab sofort das Trainig von Meta AI mit Nutzerdaten aus Facebook und Instagram. Nutzer können nachträglich noch Widerspruch einlegen.
Trotz des Erfolgs vor Gericht für Meta sieht sich WhatsApp offenbar in Erklärungsnot. Mehrere Nutzer berichten von einer Nachricht, die der Messenger-Dienst an seine Kunden geschickt hat. Diese lautet: "Nachrichten bleiben zwischen dir und der empfangenden Person. Nicht einmal WhatsApp hat Einsicht in deine persönlichen Nachrichten. Das betrifft Textnachrichten, Sprachnachrichten, Fotos, Videos, Anrufe und mehr. Sie sind durch Ende-zu-Ende-Verschlüsselung geschützt, da wir stets darauf bedacht sind, deine Privatsphäre zu schützen."
Angesichts der Umstände sind diese - eigentlich weitgehend bekannten und selbstverständlichen - Informationen beunruhigend. Man könnte meinen, WhatsApp will nach dem ganzen Wirbel um Meta AI Schadensbegrenzung betreiben. Die Nachricht wurde über den offiziellen WhatsApp-Chat versendet, für viele war es sogar die erste Nachricht, die sie direkt von WhatsApp erhalten haben. Dieser neue Kommunikationsweg wurde in Europa schrittweise ausgerollt, deswegen erschien er nicht gleich bei allen Nutzern.
Die KI von Meta ist ein generativer Chatbot, der Inhalte basierend auf Nutzeranfragen erstellen kann. Um Meta AI zu nutzen, klickt man einfach auf den lila Kreis. Dadurch öffnet sich ein Chatfenster, in dem man mit der KI interagieren und ihr Anweisungen geben kann. Der Chatverlauf mit Meta AI wird anschließend in der eigenen Chat-Liste angezeigt.
Die KI kann unter anderem für folgende Zwecke eingesetzt werden:
- Beantworten von Fragen
- Ideen sammeln für Aktivitäten, Rezepte, Geschenke usw.
- Internetrecherche
- Nachrichten zusammenfassen oder umformulieren lassen
- Bilder und Videos erstellen
KI-Anfragen in WhatsApp-Gruppen: So funktioniert es
Meta AI lässt sich auch in Gruppenchats aktivieren. So können direkt im Chat Debatten gelöst, oder Aktivitäten für die Gruppe gesammelt werden. Das heißt aber nicht, dass der KI-Bot auf euren gesamten Chat zugreifen kann, da diese Ende-zu-Ende-verschlüsselt sind. Wie auch im direkten Chat mit Meta AI musst du hier eine Anfrage stellen. Das funktioniert so:
- Markiere Meta AI, wie einen anderen Chat-Teilnehmer, indem du "@Meta AI" eintippst
- Schreibe dahinter deine Anfrage an den Chatbot
- Die Antwort von Meta AI erscheint wie die, anderer Chat-Teilnehmer in der Gruppe
Die Funktionen des Chatbots sollen in der Zukunft noch erweitert werden. Laut Meta handelt es sich bisher nur um "die ersten Schritte". Um den KI-Bot zu "trainieren" und zu verbessern, sollen künftig auch die Daten europäischer WhatsApp-User benutzt werden. Die größten Bedenken haben die Anwender beim Thema Datenschutz. So wird befürchtet, dass die KI alle Nachrichten beim Tippen mitliest und an Meta übermittelt. Verbraucherschützer warnen, dass noch nicht klar sei, wie die KI-Funktionen mit der bestehenden Verschlüsselung interagieren.
Sind meine Daten in WhatsApp noch sicher? Verbraucherschützer warnen vor KI-Chat
Denn: Während alle Chats in WhatsApp Ende-zu-Ende-verschlüsselt sind, gelten für die Chats mit Meta AI lediglich die Datenschutzbestimmungen von Meta und WhatsApp. Diesen zufolge können alle Anfragen an die KI auch an Meta gesendet werden. "Üblicherweise ist es so, dass in dem Messenger WhatsApp Nachrichten Ende zu Ende verschlüsselt sind. Das bedeutet, dass nur der Absender - also in dem Fall der Nutzer und der Empfänger, also wer die Nachricht bekommen soll - die Inhalte lesen kann. Und hier ist es so, dass alles, was ich schreibe, der Anbieter mitlesen kann", erklärt Christine Steffen von der Verbraucherzentrale NRW im Gespräch mit der ARD.
Im direkten Chat mit dem KI-Assistenten gilt die Verschlüsselung somit grundsätzlich nicht. Kompliziert wird es, wenn Meta AI im Gruppenchat aktiviert wird, da diese eigentlich verschlüsselt sind, die Nachrichten an die KI innerhalb des Chats jedoch nicht. Laut Meta werden alle Datenschutzvorgaben eingehalten.
Verbraucherschützen raten Nutzern, keine persönlichen und sensiblen Daten mit der KI zu teilen - oder sie schlichtweg gar nicht zu benutzen. Der Konzern steht immer wieder wegen fraglichen Umgangs mit den Daten seiner Nutzer in der Kritik. So werden schon länger Nutzerdaten von Facebook und Instagram genutzt, um Meta AI zu trainieren. Für die Umsetzung in Europa musste Meta zunächst seine Datenschutzrichtlinien anpassen.
Das EU-Datenschutzrecht verzögerte die Einführung von Meta AI bereits deutlich, wie sogar der Konzern einräumte. "Es hat länger gedauert, als uns lieb war, unsere KI-Technologie in die Hände der Menschen in Europa zu bringen, da wir weiterhin durch das komplexe Regulierungssystem navigieren müssen - aber wir sind froh, dass wir endlich hier sind", heißt es in einer Stellungnahme.
Auch andere Meta-Apps wie Facebook und Instagram erhalten die in Europa neue Meta AI. In den USA gibt es den KI-Assistenten bereits seit 2023 und auch in einigen Ländern Südamerikas können Nutzer die Funktion schon länger nutzen. Meta AI habe monatlich rund 700 Millionen Personen aktive Nutzer, wie der Konzern mitteilt.
In der EU wurde zunächst nur eine abgespeckte Version von Meta AI eingeführt. Mittlerweile kann das KI-Modell aber nicht nur textbasierte Anfragen verarbeiten, sondern auch Bilder und Videos erstellen und bearbeiten.
Angesichts der Datenschutz-Fragen durch Meta AI sollten sich Nutzer umso mehr ihren Rechten bewusst sein. Meta unterliegt in der EU Datenschutzgesetzen wie der DSGVO (Datenschutz-Grundverordnung). Diese garantieren:
- Recht auf Auskunft: Du kannst anfordern, welche Daten Meta über dich gespeichert hat.
- Recht auf Löschung: Du kannst verlangen, dass deine Daten gelöscht werden.
- Recht auf Widerspruch: Du kannst der Nutzung deiner Daten für bestimmte Zwecke (z. B. Werbung) widersprechen.
So beantragst du die Auskunft oder Löschung deiner Daten:
- Facebook: Gehe im Menü zu "Einstellungen" und "Deine Informationen". Dort findest du die Tools, um deine Daten herunterzuladen oder zu löschen.
- WhatsApp: Schreibe an den Support, um deine Daten anzufordern oder löschen zu lassen.
Vorschaubild: © gguy/Adobe Stock
Meta garantiert eine Verschlüsselung zwischen Absender und Empfänger, wer seine persönlichen Geheimnisse nicht daheim an die Hauswand schreibt, kann auch KI mit dem blauen Kreis nutzen!
Viele haben es noch nicht erkannt: Die Menschen sind nicht die Kunden der Internetgiganten, sondern deren Produkt. Diese Realität lässt sich nicht mehr durch Verbote regulieren. Deshalb plädiere ich dafür, sämtliche Beschränkungen aufzuheben – denn wenn das Produkt seinen Wert verliert, gewinnt der Mensch seine Eigenverantwortung zurück.
Eigenverantwortung ist die Grundlage einer Superdemokratie, in der mündige Bürger aktiv ihre Gesellschaft mitgestalten. Sie fördert Innovationen und Entwicklungen, die allen Menschen zugutekommen, da Entscheidungen auf individueller Einsicht statt auf Fremdsteuerung basieren. Durch echte Selbstbestimmung entstehen nachhaltige Fortschritte, die nicht von wenigen Konzernen oder Institutionen kontrolliert werden, sondern von der kollektiven Intelligenz der Gesellschaft getragen werden.