Deutschland
Faktencheck

"Totaler Shutdown ab 12. April": Was ist dran am angeblichen Regierungsbeschluss?

In den sozialen Netzwerken macht derzeit ein Screenshot von einem angeblichen Medienbericht die Rund: Ab 12. April plane die Regierung den totalen Shutdown. Wir haben diesen Bericht auf seine Glaubwürdigkeit geprüft.
 
"Totaler Shutdown ab 12. April" - Falschmeldung macht die Runde
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU, M), Michael Müller (SPD, l), Regierender Bürgermeister von Berlin, und Markus Söder (CSU), Ministerpräsident von Bayern sollen angeblich einen "totalen Shutdown ab dem 12. April" beschlossen haben. Doch dabei handelt es sich um eine Falschmeldung. Foto: Odd Andersen/AFP/POOL/dpa Foto: Odd Andersen/AFP/POOL/dpa
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Seit dem Osterwochenende verbreitet sich in den sozialen Netzwerken und Messengern wie „Whatsapp“ und „Telegram“ ein Screenshot. Auf diesem wird der Beschluss skizziert, es gebe ab dem 12. April einen „totalen Shutdown“. Belege oder Stimmen dazu gibt es nicht. Lediglich ein angebliches Zitat der Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und einen Verweis auf eine Pressekonferenz am vergangenen Dienstag (6. April 2021), die nie stattgefunden hat.

Auch die visuelle Aufmachung des Screenshots hält einer genauen Betrachtungsweise auf einen Wahrheitsgehalt nicht statt. Der Banner „Breaking News“ ist beispielsweise eines der ersten Suchergebnisse bei einer Google-Bildersuche nach „Breaking News“. Das Recherchezentrum „Correctiv“ hat darüber hinaus herausgefunden, dass auch das Bild, das auf dem Screenshot verwendet wird, nicht aktuell ist. Es handele sich vielmehr um ein Foto aus einer Bilddatenbank vom 16. November 2020.

Corona-Gipfel mit angeblichem Shutdown-Beschluss

Der „totale Shutdown“ sei das Resultat eines Corona-Gipfels. Sowohl Wirtschaft als auch Universitäten und andere Einrichtungen wie Schulen und der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) sollen „komplett heruntergefahren“ werden. Außerdem solle es eine „ganztägige Ausgangssperre“ geben, Menschen sollen die Wohnung/ihr Haus nur noch einmal die Woche verlassen dürfen. Angeblich würde in der Zeit auch weder geimpft noch getestet werden. Das ganze soll von Polizei und dem Militär kontrolliert werden. Diese Behauptungen lassen jedoch jegliche Belege vermissen. 

Fakt ist: Am 22. März fand der bislang letzte Corona-Gipfel statt. Dabei diskutierten die Ministerpräsidenten und die Bundeskanzlerin über das weitere Vorgehen in der Pandemie und Möglichkeiten, die Verbreitung des Virus zu verlangsamen und idealerweise zu stoppen. In dem Beschluss der Bund-Länder-Beratungen steht kein Wort von einem „totalen Shutdown“, „sechs Wochen“ oder anderen aufgestellten Behauptungen. Stattdessen handelt es sich lediglich um die Einigung darauf, die aktuellen Beschlüsse weiter aufrechtzuerhalten. Indes, sollten auch die Länder ihre Landesverordnungen verlängern, vorerst bis zum 18. April.

Einen weiteren Corona-Gipfel hat es seither nicht gegeben. Jedoch wurde die geplante „Osterruhe“ von der Bundeskanzlerin wieder verworfen. Das erklärte Merkel am 24. März. Der nächste Corona-Gipfel ist für den 12. April angedacht. CDU-Fraktionsvorsitzender und Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen Armin Laschet plädierte zuletzt allerdings für einen vorgezogenen Termin noch in dieser Woche.

Bei geteiltem Beitrag handelt es sich um eine Falschmeldung

Abschließend ist auch die Syntax des angeblichen Artikels wenig glaubwürdig. Die gesamte Formulierung des Textes weist keine Merkmale des journalistischen Handwerks auf, lässt sämtliche Belege vermissen und enthält keinen Hinweis darauf wo dieser Text publiziert worden sei. Insofern bleibt nur der Schluss, zu dem auch das Recherchekollektiv „Correktiv“ sowie „Mimikama“ gekommen sind. Hierbei handelt es sich um Falschinformationen.

Obwohl es von Entscheidungsträgern Überlegungen zu einem Shutdown gibt und auch ein möglicher bundesweiter Lockdown durch die Medien geistern bleibt festzuhalten, dass die Falschmeldung im Indikativ Präsens verfasst worden ist. Ergo: Alles sei bereits fest beschlossen und festgelegt. Das ist jedoch nicht der Fall. 

Zum Zeitpunkt des Erscheinens des Pseudo-Artikels, steht keine Entscheidung fest, die auch nur entfernt an das beschriebene Szenario erinnert. Die verfasste Meldung erinnert eher an die Hebel, die in einem autoritären Regime in Bewegung gesetzt werden können. Das ist in Deutschland jedoch nicht der Fall.