"Telekom sabotiert": Schwere Vorwürfe gegen Marktführer wegen langsamen Internet

Verbraucherschützer und Kunden werfen der Telekom vor, gesetzeswidrig das Internet zu drosseln. Eine Gruppe scheint davon besonders betroffen zu sein.

Wer bei der Deutschen Telekom einen Internetvertrag hat, erwartet eine stabile und schnelle Verbindung. Doch zahlreiche Kunden berichten seit Jahren von massiven Problemen: Webseiten würden quälend langsam laden, Streaming ruckeln und Downloads mit wenigen Kilobyte pro Sekunde vor sich hin kriechen. Besonders in den Abendstunden zwischen 18 und 23 Uhr scheint das Internet bei vielen Telekom-Nutzern regelrecht zusammenzubrechen, wie auf der Kampagnenseite netzbremse.de dokumentierte Erfahrungsberichte aus dem Telekom-Forum zeigen.

Ein breites Bündnis aus Verbraucherschützern und Bürgerrechtsorganisationen erhebt nun schwere Vorwürfe gegen Deutschlands größten Internetanbieter. Die Telekom schaffe künstliche Engpässe an den Zugängen zu ihrem Netz - und verdiene damit sogar Geld. Der Konzern weist die Anschuldigungen zurück.

Beschwerde bei der Bundesnetzagentur: Telekom soll Netzneutralität verletzen

Die Organisation Epicenter.works, die Gesellschaft für Freiheitsrechte (GFF), der Verbraucherzentrale Bundesverband und Stanford-Professorin Barbara van Schewick haben eine offizielle Beschwerde bei der Bundesnetzagentur eingereicht. Der Vorwurf: Die Telekom verstoße gegen die Netzneutralität, wie die GFF in einer Pressemitteilung erklärt. Finanzstarke Dienste, die die Telekom bezahlten, kämen schnell durch das Netz. Dienste, die sich das nicht leisten könnten, würden dagegen ausgebremst.

Das Problem liegt nach Darstellung der Beschwerdeführer beim sogenannten Peering - also der Zusammenschaltung des Telekom-Netzes mit anderen Netzen. Die Telekom halte die Kapazitäten an diesen Übergabepunkten bewusst knapp, heißt es auf der Kampagnenseite netzbremse.de. Dadurch entstünden Engpässe, die dazu führten, dass viele Webseiten und Dienste für Telekom-Kunden nur langsam oder gar nicht erreichbar seien. Die GFF sieht darin einen klaren Verstoß gegen EU-Recht. Die europäische Netzneutralitätsverordnung schreibe vor, dass Internetanbieter den gesamten Datenverkehr gleich behandeln müssten, so die Organisation in ihrer Pressemitteilung.

Auf der eigens eingerichteten Webseite netzbremse.de sammeln die Organisationen Erfahrungsberichte und Messdaten von betroffenen Kunden. Jeder Telekom-Kunde, der ähnliche Probleme erlebt, könne sich der Beschwerde anschließen, heißt es dort. Auch Medien wie die Tagesschau, der Spiegel, Heise, Golem und der Tagesspiegel haben über die Vorwürfe berichtet, wie netzbremse.de in einer Übersicht auflistet. 

Kunden berichten von kaum nutzbarem Internet trotz teurer Verträge

Die Erfahrungsberichte betroffener Kunden zeichnen ein drastisches Bild. Auf netzbremse.de sind zahlreiche Schilderungen aus dem Telekom-Forum dokumentiert. Ein Nutzer berichtet dort, dass er als Telekom-Kunde keinen Zugriff mehr auf für seine Arbeit relevante Forschungsdaten habe. Downloads von Universitätsservern liefen mit gerade einmal 30 Kilobyte pro Sekunde. "Die Telekom sabotiert mit ihrem Verhalten die gesamte deutsche Forschungs- und Universitätslandschaft", schreibt er laut netzbremse.de. Ein anderer mockiert dort: "Ich zahle 110€ für meinen Vertrag und bin wirklich unzufrieden."

In diesem Video fasst netzbremse.de ihre Vorwürfe zusammen:

Andere Kunden schildern auf der Kampagnenseite, dass beliebte Dienste wie Discord, Reddit, Youtube oder ChatGPT in den Abendstunden kaum noch nutzbar seien. Ein Nutzer zahle nach eigenen Angaben 80 Euro im Monat und könne abends nicht einmal Github aufrufen, wie netzbremse.de dokumentiert.

Mehrere Betroffene berichten dort, dass sie sich einen zusätzlichen VPN-Dienst kaufen mussten, um ihr Internet überhaupt normal nutzen zu können. Sobald der Datenverkehr über einen VPN umgeleitet werde, funktionierten alle Seiten einwandfrei - ein starkes Indiz dafür, dass das Problem bei der Telekom selbst liegt.

Telekom widerspricht vehement den Vorwürfen

Besonders brisant: Auch beruflich auf das Internet angewiesene Kunden sind laut den auf netzbremse.de gesammelten Berichten betroffen. Ein Business-Kunde der Telekom beklagt dort, dass er trotz seines teuren Vertrags seit Monaten Probleme mit Cloudflare-Diensten habe und nicht vernünftig arbeiten könne. Das Problem ist dabei keineswegs neu - bereits seit mindestens 2020 häufen sich die Beschwerden in den Telekom-Foren, wie die auf netzbremse.de dokumentierten Beiträge zeigen.

Die Telekom selbst weist die Anschuldigungen zurück, wie BR24 berichtet. Demnach bestreite das Unternehmen vor allem, gegen die Netzneutralität zu verstoßen: "Die Telekom blockiert keine Inhalte oder bremst Dienste aus. (…) Zugänge zu unserem Netz stehen in ausreichender Kapazität bereit. Inhalteanbieter entscheiden selbst, über welchen Weg sie ihre Daten in unser Netz übertragen", wird deren Sprecher in einem Statement zitiert.

Wer schlechtes Netz nachweisen und Geld zurückfordern will, kann das mittlerweile mit einer App der Bundesnetzagentur tun.

Wie wir künstliche Intelligenz einsetzen 
Vorschaubild: © Adobe Stock/1780436813/Lightspruch