Rätselhafte Frühwarnzeichen im Körper? KI entdeckt jetzt Risiko für Herz-Erkrankung

2 Min

Die ersten Warnsignale einer Herzschwäche könnten Jahre verborgen bleiben – im Fett rund ums Herz. Wie KI bei der Erkennung helfen kann.

Herzinsuffizienz entwickelt sich oft schleichend – und bleibt lange unentdeckt. Eine große Studie zeigt nun, dass sich das Risiko Jahre vorher in einem unerwarteten Bereich erkennen lässt: im Fettgewebe rund um das Herz. Mithilfe künstlicher Intelligenz könnten solche Veränderungen künftig frühzeitig sichtbar werden.

Fettgewebe als Spiegel der Herzgesundheit

Was lange als reines "Polster" galt, ist in Wirklichkeit hochaktiv: das Fettgewebe rund um das Herz, das sogenannte epikardiale Fett. Es steht in direktem Austausch mit dem Herzmuskel und reagiert auf dessen Signale – etwa auf Entzündungen oder erste krankhafte Veränderungen.

Dieses Fettgewebe verändert dabei seine Zusammensetzung. Unter dem Einfluss von Stress oder Entzündungen im Herzmuskel verschiebt sich das Verhältnis von Fett- zu Wasseranteilen, zudem entstehen neue Blutgefäße und bindegewebige Strukturen. Diese Prozesse spiegeln gewissermaßen wider, was im Inneren des Herzens geschieht.

Genau hier setzt die aktuelle Forschung an: Wenn sich diese feinen Veränderungen sichtbar machen lassen, könnten sie als Frühwarnsystem dienen – lange bevor typische Beschwerden einer Herzschwäche auftreten.

Künstliche Intelligenz erkennt verborgene Muster

Um diese Veränderungen zu erfassen, nutzten die Forscher moderne Bildanalyseverfahren. Grundlage waren CT-Aufnahmen der Herzkranzgefäße, wie sie ohnehin häufig zur Abklärung von Brustschmerzen eingesetzt werden.

Eine speziell entwickelte KI analysierte dabei nicht nur die Größe des Fettgewebes, sondern mehr als 1600 unterschiedliche Merkmale. Dazu zählen unter anderem Struktur, Dichte und räumliche Anordnung des Gewebes – Details, die für das menschliche Auge kaum erkennbar sind.

Aus diesen Informationen entstand ein individuelles Risikoprofil. Dieses sogenannte radiomische Muster soll anzeigen, ob sich das Fettgewebe bereits in einer Weise verändert hat, die auf ein erhöhtes Risiko für eine spätere Herzinsuffizienz hindeutet.

Große Studie mit klaren Ergebnissen

Die Untersuchung basiert auf Daten von mehr als 72.000 Erwachsenen aus Großbritannien, die über mehrere Jahre hinweg beobachtet wurden. Zu Beginn hatte keine der teilnehmenden Personen eine bekannte Herzschwäche oder einen Herzinfarkt.

Im Verlauf von rund vier bis fünf Jahren entwickelten mehrere tausend Teilnehmende eine Herzinsuffizienz. Die Analyse zeigte dabei deutliche Unterschiede: Je auffälliger die Struktur des Fettgewebes, desto höher das Risiko.

Besonders eindrücklich ist der Vergleich zwischen den Gruppen: Menschen mit den höchsten Risikowerten hatten ein nahezu 20-fach erhöhtes Risiko im Vergleich zu jenen mit den niedrigsten Werten. Schon kleinere Veränderungen gingen mit deutlich steigenden Wahrscheinlichkeiten einher.

Zusätzlicher Nutzen über klassische Risikofaktoren hinaus

Bekannte Risikofaktoren wie Alter, Bluthochdruck oder koronare Herzkrankheit bleiben wichtige Bausteine der Diagnose. Doch sie erklären nicht vollständig, wer tatsächlich eine Herzschwäche entwickelt.

Die neue Methode liefert zusätzliche Informationen. Sie erfasst biologische Veränderungen, die mit herkömmlichen Messgrößen wie dem Body-Mass-Index oder der reinen Fettmenge nicht sichtbar werden. Entscheidend ist offenbar nicht nur, wie viel Fett vorhanden ist – sondern wie es aufgebaut ist.

In der Studie verbesserte die Einbeziehung dieser neuen Bilddaten die Vorhersagegenauigkeit deutlich. Das spricht dafür, dass die Analyse des Fettgewebes eine sinnvolle Ergänzung bestehender Risikomodelle sein könnte.

Potenzial für die Früherkennung im Alltag

Ein großer Vorteil der Methode liegt darin, dass sie auf bereits vorhandene Bilddaten zurückgreift. Viele Menschen erhalten im Laufe ihres Lebens eine CT-Untersuchung des Brustkorbs – etwa zur Abklärung von Herzproblemen.

Diese Aufnahmen könnten künftig doppelt genutzt werden: Neben der aktuellen Diagnose ließe sich auch das Risiko für eine spätere Herzschwäche abschätzen. Zusätzliche Untersuchungen wären dafür nicht zwingend nötig.

Die Forscher sehen darin einen möglichen Weg zu einer früheren und präziseren Prävention. Noch ist die Methode vor allem ein Forschungsansatz – doch sie zeigt, wie sich moderne Bildgebung und künstliche Intelligenz verbinden lassen, um Krankheiten früher zu erkennen und gezielter zu verhindern.

Vorschaubild: © DawDunia/AdobeStock