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Internet & Daten

Unterwegs auf Porno-Seiten: Das wissen Google, Facebook & Co. über dich

Viele tun es. Wenige reden darüber: Pornos im Internet schauen. Doch was wissen Google, Facebook & Co. über dich, wenn du diese Webseiten besuchst?
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Wer schaut dir zu, wenn du im Internet Pornos schaust? So sammeln Pornoseiten deine Daten und geben sie weiter.
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  • Wie sicher sind Porno-Seiten?
  • Wer beobachtet dich?
  • Welche Daten werden gesammelt?
  • Kannst du das verhindern?

Es gibt zig-Seite mit pornografischen Angeboten im Internet. Auch wenn der Zugang in den letzten Jahren erschwert wurde, so ist es doch immer noch relativ einfach möglich, auf diese Seiten zuzugreifen. Doch auch Google, Facebook & Co. haben dies erkannt und nutzen es für ihre Zwecke. Aber was machen sie mit den Daten? Und wo lauern die Gefahren für Zuschauer*innen?

Porno gucken: Wer sieht dir zu?

Rund 155 Millionen Webseiten weltweit präsentieren pornografische Angebote. Nach Schätzungen verzeichnen die Top-drei-Sexvideo-Webseiten pro Monat 1,5 Milliarden Besucher. Die Online-Pornoindustrie soll dabei einen Umsatz von etwa 5 Milliarden Dollar pro Jahr erwirtschaften. Diese Zahlen sind natürlich auch für die Internet-Giganten Google, Facebook & Co. verlockend, da sie von diesem großen Kuchen ein Stück abbekommen möchten - von kriminellen Elementen, die sich mittels Malware oder anderer Schadprogramme einen Vorteil verschaffen wollen, ganz zu schweigen.

Dass diese Firmen jeden deiner Schritte im Internet protokollieren, ist mittlerweile kein Geheimnis mehr. Ob du ganz normale Nachrichtenseiten ansiehst, deine Bankgeschäfte erledigst oder nur einkaufst, alles ist für diese Unternehmen nachvollziehbar. Auch auf Porno-Seiten werden User*innen "getrackt", wie eine Untersuchung von über 22.000 Erotik-Seiten ergab. 93 Prozent der untersuchten Seiten sendeten Daten an durchschnittlich sieben weitere Domains und Drittparteien. In 74 Prozent war Google involviert, Facebook, das auf seiner Plattform keinerlei Nacktheit akzeptiert, war mit zehn Prozent dabei. Oracle, einer der großen Datenhändler, kam auf rund 24 Prozent.

Was genau mit diesen Daten geschieht, ist unklar. Fakt ist, mit eben diesen Daten kann ein Muster deiner Internettätigkeiten erstellt werden. Und da Daten in der Online-Welt begehrt sind, kann niemand sagen, in welche Hände sie geraten und was dann damit geschieht. Im günstigsten Fall taucht personalisierte Werbung für Reizwäsche oder andere sexuelle Inhalte auf. Das ist nur für dich eventuell peinlich, wenn dir jemand über die Schulter schaut und du solche Werbung eingeblendet bekommst. Im Extremfall, wenn diese Daten durch ein Datenleck in die Hände von Cyberkriminellen fallen, können Erpressungsversuche folgen. Und, was noch schlimmer ist, sexuelle Minderheiten können gezielt verfolgt werden, vor allem in Ländern, wo es eine homophobe Regierung gibt oder Homosexualität verboten ist. 

Porno-Webseiten: Welche Daten werden erfasst?

Welche Daten werden nun genau erfasst?

  • Die IP-Adresse wird immer übermittelt
  • Die Stadt bzw. Ortschaft, wo du dich zum Zeitpunkt des Besuches einer Pornoseite befindest
  • Das Betriebssystem und im Falle der mobilen Nutzung eventuell auch der Akkustand
  • Die Daten über Browser und Browserversion
  • Die sexuelle Orientierung, also ob homosexuell, heterosexuell usw.
  • Sexuelle Vorlieben

Wenn du auf der besuchten Seite keinen Account hast und nicht eingeloggt bist, bleiben die Informationen im Regelfall nach deinem Besuch nicht gespeichert. Solltest du einen Account haben, speichert das Portal außerdem auch die E-Mail-Adresse, die du bei der Registrierung angegeben hast. Zusätzliche Infos werden gesammelt und gespeichert, falls du einen bezahlten Premium-Account nutzt. Je nach Portal und Zahlungsmethode kann es sein, dass du sogar deinen Namen und die Daten deiner Kreditkarte hinterlegen musst.

Wenn du jetzt denkst, dass du ja im "Inkognito-Modus" oder im "Privaten-Surf-Modus" deines Browsers sicher bist, irrst du dich leider. Die Tracker, die dort eingesetzt werden, sind anhand deiner IP-Adresse oder der Identifikationsnummer des verwendeten Gerätes in der Lage, dich genau zuzuordnen. 

Wozu werden die Daten verwendet?

Geld regiert bekanntlich die Welt. Auch wenn die Seiten dir kostenlose Inhalte anbieten, sie müssen, um weiter existieren zu können, Geld verdienen. Und das können sie, indem sie die gesammelten Daten verwenden. Zum Beispiel für:

  • Werbung: Werbekunden wollen, dass ihre Anzeigen gezielt ausgespielt werden. Das heißt, dass Informationen über deine sexuellen Vorlieben, über deinen Aufenthaltsort usw. genutzt werden, damit du bestimmte Werbeinhalte siehst.
  • Empfehlungen: Du siehst beispielsweise Videos in deutscher Sprache oder themenverwandte Videos. Je länger du auf der Seite bleibst und je mehr Seitenaufrufe du tätigst, desto mehr Werbung wird angezeigt. Und dadurch verdient das Portal mehr Geld.
  • Optimierte Inhalte: Anhand der gesammelten Informationen können die Betreiber von Pornoseiten feststellen, welche Themen beliebter sind, welche Länge die Videos idealerweise haben sollten und vieles mehr. Dadurch können sie ihr Angebot optimieren, was wieder zu mehr Seitenaufrufen führt.

Google und Facebook bestreiten, diese Daten zu verwenden. Kontrolliert werden kann dies kaum. Die Werbetreibenden, die auf den einschlägigen Seiten ebenfalls mit diesen Daten versorgt werden, behaupten, dass diese anonym seien. Doch, wie bereits erwähnt, ist dies nicht der Fall.

Wie kannst du dich schützen?

Doch was kannst du dagegen tun, dass deine Daten genutzt und weiterverkauft werden? Letztlich: Nicht viel. Es gibt einige Tricks, um die Gefahr zu minimieren. Ein kurzer Überblick:

  • Mithilfe von Tracking-Funktionen kann der Browser deine Aktivitäten, wie zum Beispiel Downloads, Suchbegriffe oder etwa besuchte Websites, nachverfolgen. Zudem können bereits aufgerufene Homepages und Schlagworte in Suchmaschinen künftig als Vorschläge auf deinem Rechner gesammelt werden. Nutze deshalb den Inkognito-Modus. Im Inkognito-Modus kannst du während deiner Sitzung auf Pornoseiten anonym bleiben, gesammelte Daten werden dann nicht auf deinem Computer oder etwa Laptop gespeichert. Aber: Wie bereits geschrieben, ist es auch hier möglich, dich zu identifizieren.
  • Zum Aktivieren dieses Modus drücke Strg-Umschalt-N im Chrome-Browser, wähle die Kürzel Strg-Shift-P für ein InPrivate-Fenster in Microsoft-Edge beziehungsweise Strg-Umschalt-P für den privaten Modus in Firefox.
  • Deine Spuren kannst du im Inkognito-Modus nicht gänzlich verwischen, weil Daten deiner Webaktivitäten, etwa von besuchten Websites oder deinem Internetanbieter, nach wie vor erhoben werden. Dennoch kannst du mithilfe eines VPNs für mehr Cybersicherheit beim Surfen sorgen.
  • Deine Anonymität kannst du darüber hinaus ausweiten, indem du deine IP-Adresse verschleierst. Dies wird über das sogenannte Virtual Private Network möglich. Dabei kannst du im Übrigen auf verschiedene VPN-Anbieter zurückgreifen.

Fazit: Du musst dir immer bewusst sein, dass jeder deiner Schritte im Netz durchaus nachverfolgbar ist. Wenn du sichergehen willst, dass du nicht beim Anschauen sexueller Inhalte ausspioniert wirst, bleibt dir nur der Gang in die Fachgeschäfte, um dort gegen Barzahlung die entsprechenden Filme zu erwerben. 

Übrigens: Auch, um Flüge zu buchen, ist das Aktivieren des Inkognito-Modus sinnvoll.