PV-Anlagen ohne Einspeisevergütung: Lohnt sich Solarstrom ab 2027 noch?

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Geht es nach Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU), dann ist mit der Einspeisevergütung ab 2027 für neue, kleine PV-Anlagen für den Hausgebrauch endgültig Schluss. Trotzdem ist es sinnvoll, auf Solarenergie zu setzen.

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche will die bisherige EEG-Einspeisevergütung für Ökostrom für neue PV-Anlagen abschaffen. Deshalb fragen sich viele Hauseigentümer: Ist eine PV-Anlage unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten noch sinnvoll? Damit sich eine PV-Anlage auch ohne EEG-Einspeisevergütung rentiert, ist es entscheidend, den Eigenverbrauch zu steigern. Denn je mehr du den erzeugten Solarstrom selbst nutzt und nicht verkaufst, umso größer sind die Einsparungen.

Die Ausgangsbasis: Wie hoch ist die aktuelle Einspeisevergütung?

Noch gibt es sie: die Einspeisevergütung für kleine Neuanlagen. Das ist die staatlich garantierte Förderung von Strom, der aus deiner PV-Anlage ins öffentliche Netz fließt. Geregelt ist das im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Seit dem 1. Februar 2026 beträgt die gesetzliche Einspeisevergütung 7,78 Cent je Kilowattstunde (kurz: ct/kWh) für eine Teileinspeisung für eine neue PV-Anlage bis 10 Kilowattpeak (kWp) installierter Leistung. Und 12,34 ct/kWh für die Volleinspeisung von Solarstrom.

Bei neuen PV-Anlagen mit 10 bis 40 kWp Leistung sind es nur 6,73 ct/kWh bei Teileinspeisung und 10,35 ct/kWh bei Volleinspeisung. Ist dein Antrag genehmigt, gilt der jeweilige Betrag 20 Jahre lang. Beispiel: Wenn du in diesem Jahr noch eine PV-Anlage anmeldest, bekommst du 20 Jahre lang die zugesicherte Einspeisevergütung von deinem Netzbetreiber. 

Mit dem Gebäudemodernisierungsgesetz (GMG), das voraussichtlich zum 1.1.2027 in Kraft treten soll, ist der ersatzlose Wegfall der Einspeisevergütung für Anlagen unter 25 kWp geplant. Offizielle Begründung von Energieministerin Katherina Reiche: "Kleine PV-Anlagen rechnen sich vielfach bereits heute aufgrund hoher Eigenverbrauchsanteile, zum Beispiel für Wärmepumpen, Wallboxen, etc.", heißt es in der Begründung zum Entwurf des GMG. Aber stimmt das auch?

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Der Speicher als Chance: Verbessert sich die Amortisationszeit?

Ein kurzer Blick auf die Strom­rechnung zeigt schon den Vorteil, den der Eigenverbrauch des erzeugten Stroms erwirtschaftet: Solar­strom selbst zu verbrauchen, anstatt ihn für weniger als 8 Cent pro kWh an den Netz­betreiber zu verkaufen, senkt deine Stromrechnung gewaltig. Denn, für den Haus­halts­strom vom Netzbetreiber zahlst du zwischen 30 oder gar 40 Cent pro kWh. Dein Solarstrom kostet dich weniger als 8 ct/kWh, hat die Stiftung Warentest ausgerechnet. Nach Berechnungen der Firma 1KOMMA5°, sind es sogar nur zwischen 5 und 6 ct/kWh. 

Experten sehen in einem zusätzlichen Speicher die Chance, den Eigenverbrauch nachhaltig zu steigern. Ein Batteriespeicher verkürzt zusätzlich die Zeit der Amortisation, weil du mehr Strom selbst nutzt. "Perspektivisch werden Speicher noch wichtiger, wenn sie flexibel sowohl PV-Strom als auch Netzstrom speichern und Ladepunkte von Elektroautos einbinden dürfen", so argumentiert die niedersächsische Energieagentur

Dazu musst du den erzeugten Strom deiner PV-Anlage zur Deckung deines eigenen Bedarfs nutzen und so den 'Autarkiegrad' steigern. Den Gedanken der Voll- oder Teileinspeisung ins öffentliche Stromnetz solltest du komplett aufgeben. Dann steht einer optimalen Nutzung deiner Solarpanels auf dem Dach nichts mehr im Wege. Vor allem dann nicht, wenn du mit einer Wärmepumpe im Winter heizt und im Sommer kühlst. Optimal ist es außerdem, wenn du ein E-Auto fährst, das du an deiner Wallbox lädst.

Wie steigerst du den Autarkiegrad?

Entscheidend für die Frage, ob sich die Anschaffung einer PV-Anlage lohnt, ist letztlich dein realisierter 'Autarkiegrad'. Das ist der Wert in Prozent, den du unabhängig bist vom Strom deines Netzbetreibers. Nach Berechnungen der Firma 1KOMMA5° sind folgende prozentualen 'Autarkiegrade' erreichbar:

  • ohne Speicher: 30 Prozent bis 40 Prozent
  • mit Speicher: 60 Prozent bis 80 Prozent
  • mit Speicher und Energiemanagementsystemen (EMS): 80 Prozent bis 85 Prozent. 

So wie viel Kilowatt-Peak (kWp) musst du typischerweise auf dein Dach montieren, um die folgenden vier Aufgaben zu erledigen:

  • Strom eingesetzt nur für Haushaltsstrom
    • Durchschnittliche Größe: 5 bis 8 kWp
    • Benötigte Dachfläche: ca. 25 bis 40 Quadratmeter
  • Strom eingesetzt für Haushalte plus E-Auto
    • Durchschnittliche Größe: 8 bis 12 kWp
    • Benötigte Dachfläche: ca. 40 bis 60 Quadratmeter
  • Strom eingesetzt für Haushalt, Wärmepumpe
    • Durchschnittliche Größe: 12 bis 15 kWp
    • Benötigte Dachfläche: ca. 60 bis 75 Quadratmeter
  • Strom eingesetzt für Wärmepumpe, E-Auto und Haushalt
    • Durchschnittliche Größe: 15 bis 25 kWp
    • Benötigte Dachfläche: größer als ca. 75 Quadratmeter

Tipp: Nutze den PV-Anbietervergleich von solaranlagen-portal.com*, um Angebote von geprüften Fachfirmen zu erhalten. 

Warum sind Smart Meter und iMSys notwendig?

Durch den Einsatz eines intelligenten Messsystems (iMSys) steigerst du die Ausbeute der PV-Anlage. So kannst du den Autarkiegrad auf bis zu 84 Prozent steigern. Neben dem IMSys brauchst du dafür einen Smart Meter.

Ein 100 Prozent 'Autarkiegrad' ist nicht zu erreichen. Die Sonne bleibt in unseren Breitengraden auch mal öfter hinter den Wolken verborgen. "Im tiefsten Winter, bei Regen oder stark bewölktem Himmel kann die Stromproduktion auf etwa 10 Prozent bis 25 Prozent der Maximalleistung sinken. Das kann dazu führen, dass du über längere Phasen doch wieder Strom aus dem Netz beziehst", informiert 1KOMMA5°.

Du musst über das ganze Jahr betrachtet, ungefähr rund ein Fünftel deines Stroms vom Netzbetreiber beziehen. Durch einen hohen Autarkiegrad wird die Berechnung der Wirtschaftlichkeit der PV-Anlage deutlich verbessert. Die HTW Berlin (Hochschule für Technik und Wirtschaft) hält einen "Unabhängigkeitsrechner" und weitere Studien zur Effizienz von Speichersystemen bereit. Aber lassen sich künftig nicht zusätzliche Erlöse durch die Teilnahme am Stromhandel erzielen? Damit rechnet zumindest 1KOMMA5° und legt zur 'Direktvermarktung' eine Modellrechnung vor.

Macht die Direktvermarktung wirklich die Verluste beim Wegfall der Einspeisevergütung wett?

'Direktvermarktung' ist das neue Zauberwort für PV-Besitzende. Angeblich ist die Direktvermarktung auch für diejenigen interessant, bei denen der Einspeisevertrag nach 20 Jahren ausläuft, die aber trotzdem weiterhin ihren überschüssigen Strom teilweise oder voll ins Netz abgeben wollen. Aber die Direktvermarktung hat Haken, auf die wir eingehen. Zunächst einmal der Punkt: Wie funktioniert die Direktvermarktung überhaupt?

Dabei verkaufst du deinen überschüssigen oder den komplett produzierten Strom direkt an der Strombörse. Da du das nicht direkt machen kannst, beauftragst du einen spezialisierten Direktvermarkter. Nachteil: Der verlangt eine Managementgebühr, und zwar zwischen 10 und 20 Euro pro Monat (ca. 120 Euro bis 240 Euro im Jahr). Du erhältst für deinen Strom den Börsenpreis plus eine staatliche Marktprämie.

Der durchschnittliche Marktwert für PV-Strom (Direktvermarktungspreis) im Jahr 2025 lag bei 4,508 Cent pro Kilowattstunde (ct/kWh) und damit deutlich unter der bislang staatlich garantierten Einspeisevergütung. 2022 lag der Preis allerdings bei 22,3 ct/kWh. Die Börse kennt keine garantierten Preise. Mit erheblichen Schwankungen musst du also rechnen. 

Warum brauchst du eine große PV-Anlage?

Die Direktvermarktung ist durchaus eine Alternative zur Einspeisevergütung. Aber sie lohnt sich bisher eher für neue PV-Anlagen mit großer Leistung und bei geringem Eigenverbrauch. Hinzu kommt, dass viele Direktvermarkter (wie Quadra Energy, EnBW Interconnector etc.) erst ab einer PV-Anlagengröße von 100 kWp aufwärts deine PV-Anlage an die Börse bringen. Eine Marktübersicht über die Direktvermarkter und ihre Bedingungen kannst du hier nachlesen.

1KOMMA5° beharrt auf seiner Einschätzung, dass in Kombination mit einer intelligenten Steuerung und Batteriespeicher die "Direktvermarktung das Potenzial für deutlich höhere Erlöse und Netzentlastung" hat. Und das funktioniert so: Durch den Smart Meter und IMSsy wird der Strom bei niedrigen Preisen zurückgehalten und in Hochpreisphasen gewinnbringend vermarktet. "Das maximiert die Erträge und entlastet gleichzeitig die Stromnetze in Spitzenzeiten", heißt es bei 1KOMMA5°.

Dazu liefert 1KOMMA5° eine Vergleichsrechnung: Bei der festen Teil-Einspeisevergütung (7,78 Cent/kWh) erhält der Haushalt für seinen Strom rund 685 Euro pro Jahr. An der Strombörse sind dafür in der Direktvermarktung (ohne Marktprämie) knapp 396 Euro zu erzielen. Davon gehen die Gebühren für den Direktvermarkter ab. Im Beispiel sind das 150 Euro pro Jahr – das kann aber auch deutlich höher ausfallen. Insgesamt bleiben damit noch 246 Euro – das sind rund 64 Prozent weniger als bei der Einspeisevergütung. Fazit: Die Direktvermarktung stellt den PV-Kunden schlechter als im Modell der Einspeisevergütung. 

10 bis 15 Jahre nahezu kostenlosen Strom

Deshalb lohnt sich bei kleineren PV-Anlagen bis zu 25 kWp nur der vollständige Eigenverbrauch des Stroms. Die Amortisationszeit einer PV-Anlage mit Speicher verkürzt sich. Im Durchschnitt liegt sie aktuell zwischen 10 und 15 Jahren. Aber: Seit 2026 gibt es automatisierte Plattformen, die Kleinstanlagen bündeln (Stichwort: 'Virtuelle Kraftwerke' beispielsweise bei der Firma Sonnen). 

Da die Lebensdauer moderner Solarpaneele bei 25 bis 30 Jahren liegt, profitierst du von der Entwicklung: Nach der Amortisationszeit erhältst du mit deiner PV-Anlage für mindestens 10 bis 15 Jahre nahezu kostenlosen Strom

Die Klimaschutz- und Energieagentur Niedersachsen hat also recht, wenn sie rät: "Ohne Einspeisevergütung lohnt es sich vor allem, Strom selbst zu verbrauchen. Wer mehr produziert, als er selbst benötigt, trägt das volle Marktrisiko oder verschenkt seinen Strom".

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