Später Neustart kann besonders belastend sein
Am ungünstigsten entwickelte sich die Situation für Menschen, die sich erst in der Lebensmitte ohne formelle Unternehmensgründung selbstständig machten. Sie verzeichneten den stärksten Rückgang ihres Wohlbefindens – ohne dass sich dies durch höhere Einnahmen ausglich.
Die Forscher vermuten, dass diese Gruppe unterschiedliche Motive für die Selbstständigkeit hat. Manche dürften bewusst eine neue berufliche Chance gesucht haben, andere könnten wegen schlechter Arbeitsmarktchancen oder beruflichen Drucks in die Selbstständigkeit gewechselt sein.
Aus Sicht der Autoren sollte Gründungsförderung deshalb genauer unterscheiden, ob Menschen aus einer aussichtsreichen Geschäftsidee heraus gründen oder eher aus Mangel an Alternativen. Beide Ausgangslagen könnten langfristig sehr unterschiedliche Folgen haben.
Die Familie prägt den späteren Berufsweg
Neben dem Alter untersuchte das Forschungsteam auch, welche Erfahrungen in der Kindheit den späteren Schritt in die Selbstständigkeit begünstigen. Dafür betrachteten sie unter anderem das Einkommen der Familie, den Zugang zu Büchern und Zeitungen sowie das familiäre Umfeld.
Den stärksten Einfluss hatte ein Elternteil oder anderes Familienmitglied, das bereits selbst ein Unternehmen führte. Wer mit einem Familienbetrieb aufwuchs, entschied sich später deutlich häufiger selbst für unternehmerische Tätigkeiten – unabhängig davon, welchem der vier Karrierewege die Person später folgte.
Überraschend gering fiel dagegen der Einfluss des Familieneinkommens aus. Deutlich wichtiger als finanzielle Ressourcen schien das Vorbild zu sein, das den Alltag eines selbstständig arbeitenden Familienmitglieds erlebbar machte. Ein bildungsnahes Umfeld mit vielen Büchern spielte vor allem dann eine Rolle, wenn Menschen langfristig ein formelles Unternehmen führten.
Ungleichheiten nehmen im Laufe der Karriere zu
Die Studie zeigt außerdem, dass nicht alle Bevölkerungsgruppen die gleichen Chancen auf eine erfolgreiche Unternehmerkarriere haben. Unterschiede, die zu Beginn noch vergleichsweise klein sind, können sich über viele Jahre deutlich vergrößern.
Frauen waren insbesondere unter den dauerhaft erfolgreichen Gründern mit formell eingetragenen Unternehmen deutlich seltener vertreten als Männer. Auch Schwarze und hispanische Teilnehmende stießen häufiger auf Hürden – vor allem beim Aufbau oder der langfristigen Führung formeller Unternehmen.
Nach Einschätzung der Forscher können bereits kleine Unterschiede beim Zugang zu Finanzierung, Netzwerken oder Mentoren langfristig erhebliche Auswirkungen haben. Ein kleiner Vorsprung oder Nachteil zu Beginn der beruflichen Laufbahn könne sich bis ins mittlere Lebensalter erheblich verstärken.
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