Die Politik unterschätzt laut Experten die Finanzprobleme im Gesundheitssystem.
Derzeit sind zahlreiche Versicherte überrascht von den Zusatzbeiträgen der Krankenkassen, die höher ausfallen, als von der Bundesregierung angegeben. Nicht aber für die, mit über 12 Millionen Versicherten größte deutsche gesetzliche Krankenversicherung, die Techniker Krankenkasse (TK). Hier hat man bereits im Jahr 2025 auf die Problematik hingewiesen.
Und auch für den Verband der Ersatzkassen (vdek) ist diese Entwicklung im Jahr 2026 keine besondere Neuigkeit. Auf Nachfrage von inFranken.de heißt es von Seiten der vdek-Landesvertretung Bayern: "In der Tat ist die Entwicklung der Zusatzbeiträge kein neues Thema. Bereits in den vergangenen Jahren haben wir als Ersatzkassengemeinschaft darauf hingewiesen, dass die politisch prognostizierte Veränderung des durchschnittlichen Zusatzbeitrags nicht zwingend mit den realen Entwicklungen der einzelnen Krankenkassen übereinstimmt."
Verband der Ersatzkassen hat Beitragsproblem schon 2025 angesprochen
Wie man beim vdek erklärt, "lag der tatsächlich erhobene durchschnittliche Zusatzbeitragssatz im Jahr 2025 bei 2,9 Prozent - und damit um 0,4 Prozentpunkte über der Prognose des GKV-Schätzerkreises".
In der Tat stellte sich im Oktober des vergangenen Jahres die Frage, ob sich der Staat mit seiner Prognose die Krise der Krankenkassen schönrechnet. Damals stellte Finanztip-Chefredakteur Hermann-Josef Tenhagen anhand einer Auswertung klar, dass bereits zu diesem Zeitpunkt mehr als die Hälfte der Krankenkassen mit ihrem Zusatzbeitrag über dem Durchschnitt lagen.
Tenhagen: "Ein Zusatzbeitrag von 3,3 oder 3,5 Prozent schon heute ist keine Ausnahme mehr."
Prognose für Zusatzbeitrag der Krankenkassen: Kritik am GKV-Schätzerkreis
Der Verband der Ersatzkassen verweist in seiner Antwort an unsere Redaktion auch auf eine offizielle Stellungnahme dazu aus dem Oktober 2025. Darin habe man "deutlich gemacht, dass die Festlegung eines durchschnittlichen Zusatzbeitragssatzes für 2026 auf 2,9 Prozent eine Beitragssatzstabilität suggeriert, die sich nicht mit der Realität deckt".
In der Prognose des GKV-Schätzerkreises wäre demnach unberücksichtigt geblieben, "dass ein großer Teil der Krankenkassen auch 2026 gezwungen ist, einen Teil des Zusatzbeitragssatzes zur Auffüllung der gesetzlich festgelegten Mindestrücklage (20 Prozent einer Monatsausgabe) zu verwenden".