Für viele kaum mehr zu bezahlen: So viel kostet dich ein Kind heutzutage wirklich

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Momente mit dem eigenen Kind sind für die meisten Eltern unbezahlbar. Doch immer mehr Deutsche können sich Kinder kaum mehr leisten. So hoch sind die Kosten.

Überlegst du, ein Kind zu bekommen, solltest du den finanziellen Aspekt nicht vollkommen außer Acht lassen. Mit einem Kind sind zahlreiche Kosten verbunden, die du in der Regel mindestens bis zur Volljährigkeit deines Kindes tragen musst. Ein Kind großzuziehen kann bis zum Studienabschluss rund 250.000 Euro kosten, teilt Raisin, eine Plattform für Spar- und Anlageprodukte, nun mit.

Die anfallenden Kosten für ein Kind

Der eigene Nachwuchs wird dir sicher eine Vielzahl an wunderschönen Momenten bescheren. Bevor du ein Kind bekommst, solltest du bedenken, dass mit ihm hohe Kosten verbunden sind. 

Im Jahr 2018 hat das Statistische Bundesamt in einer Studie ermittelt, dass dich ein Kind pro Monat durchschnittlich 950 Euro kostet. Die Daten wurden 2021 veröffentlicht. Je älter das Kind, desto höher sind auch die Kosten. Grund hierfür sind die oft höheren Ausgaben für Lebensmittel sowie für den Bereich Freizeit, Unterhaltung und Kultur. Für Jugendliche zwischen zwölf und 18 Jahren sei inflationsbereinigt von monatlichen Ausgaben von rund 1.180 Euro auszugehen. Hochgerechnet auf 18 Jahre sind es laut dem Statistischen Bundesamt mehr als 200.000 Euro.

Etwa die Hälfte der Ausgaben setzt sich aus der materiellen Grundversorgung zusammen. Damit gemeint sind die Ernährung, das Wohnen und die Bekleidung. Weitere Kosten kommen beispielsweise durch Ausgaben im Bereich Freizeit, Unterhaltung und Kultur oder die Kinderbetreuung dazu. Für viele stellt das eine massive finanzielle Belastung dar: In einer Insa-Umfrage für Bild am Sonntag gaben 55 Prozent der Befragten an, dass man sich in Deutschland keine Kinder mehr leisten könne.

Weitere zu bedenkende Kosten

Ein besonderer Kostenaufwand ist unter anderem mit den Erstanschaffungen für das Baby verbunden. So müssen beispielsweise ein Kinderwagen, ein Bettchen und erste Kleidung her. Laut einer Erhebung von Statista aus dem Jahr 2023 musst du im Schnitt in etwa mit Kosten von 3.350 Euro für die Erstausstattung rechnen. Die Höhe der Betreuungskosten hängt unter anderem davon ab, wie das Angebot an Kitas oder Kindergärten in deiner Stadt ist. Laut dem Statistischen Bundesamt kostet dich ein Kind im Alter von null bis sechs Jahren bereits 679 Euro monatlich - rechnerisch sind das also knapp 49.000 Euro bis zum ersten Schuljahr.

Auch bei oder nach der Volljährigkeit kann es noch einmal richtig teuer werden. Ein Führerschein kostet laut Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder im Schnitt etwa 3.400 Euro. Ein Studium könne Raisin zufolge inklusive Miete und Lebenshaltungskosten mit rund 50.000 Euro zu Buche schlagen. Die Kosten setzen sich unter anderem aus Semesterbeitrag, Transportkosten, Wohnen, Essen und Büchern zusammen. Insgesamt entstünden so für viele Familien leicht Kosten in einer Größenordnung von rund einer Viertelmillion Euro. 

Ab einem bestimmten Alter ist es dem Kind möglich, einen eigenen Nebenverdienst anzutreten. So könnte es sein, dass dein Kind einen Job neben dem Studium hat und somit einige Kosten selbst übernehmen kann. Findet dein Kind einen Studien- oder Ausbildungsplatz in der Nähe, könnte es mietfrei weiter bei dir wohnen.

Kosten für das Kind: So kannst du sie stemmen

Die hohen Kosten für dein Kind musst du keinesfalls alleine stemmen: In Form von Kindergeld, Elterngeld, Mutterschaftsgeld sowie Wohngeld für Familien und den Kinderzuschlag fördert der Staat dein Familienglück. Welche staatlichen Entlastungen und Zuschüsse du in Anspruch nehmen kannst, ist von deinem Einkommen abhängig. Für bayerische Familien jedoch ein Dämpfer: Das Familiengeld wurde abgeschafft, das als Ersatz geplante Kinderstartgeld wurde ebenfalls gekippt

Das Kindergeld wird für dein Kind in der Regel bis zu einem Alter von 21 Jahren ausgezahlt, wenn es arbeitslos ist. Befindet sich dein Kind in einer Ausbildung, einem Studium oder einer Schule, kannst du bis zum 25. Lebensjahr deines Kindes Kindergeld bekommen. Selbiges gilt, wenn dein Kind keinen Ausbildungsplatz findet oder einen anerkannten Freiwilligendienst leistet. Seit diesem Jahr beträgt das Kindergeld unabhängig vom Einkommen der Eltern aktuell 259 Euro pro Monat und Kind. Ab 2027 sollen zahlreiche Eltern in Deutschland es sogar ohne Antrag beziehen können. Erlauben deine finanziellen Mittel es nicht, die Kosten für dein Kind während des Studiums abzudecken, könntest du prüfen, ob eine Ausbildungsförderung (BAföG) eine Möglichkeit wäre. 

Achtest du zudem darauf, nicht immer alles neu zu kaufen, können sich die Kosten deutlich reduzieren. Möglicherweise hast du Verwandte oder Bekannte, die noch Bücher, Kleidung oder Ähnliches von ihren Kindern übrig haben und es gerne weitergeben würden? Darüber hinaus bieten Secondhand-Läden und diverse Online-Plattformen den günstigeren Kauf von gebrauchten, aber gut erhaltenen Waren an. Planst du, mehrere Kinder zu bekommen, solltest du die Anschaffungen für dein erstes Kind unbedingt für die nächsten zurücklegen. So vermeidest du, dieselben Dinge nochmal kaufen zu müssen.

Fazit

Bevor du und dein*e Partner*in euch für ein Kind entscheidet, ist es notwendig, auch über die damit verbundenen Kosten zu sprechen. Wie hoch diese in der Realität bei dir sind, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Dazu gehört beispielsweise, ob du alles neu kaufst oder günstigere, gebrauchte Dinge. Bei den Zahlen handelt es sich um Durchschnittswerte, was bedeutet, dass dein Kind dich selbstverständlich auch mehr oder weniger kosten könnte.

Eine finanzielle Unterstützung bietet dir der Staat. In Einzelfällen kann es sogar sein, dass die staatlichen Zuschüsse deine Kosten für den Nachwuchs vollständig abdecken. Zuletzt sind es nämlich nicht die gekauften Dinge, die deinem Kind eine schöne Kindheit bescheren, sondern die unvergesslichen gemeinsamen Momente.

Vorschaubild: © Peter Kneffel/dpa