Zahlreiche Unternehmen kritisieren die Entlastungsprämie allerdings auch. Man habe viel zu kurzfristig davon erfahren und habe dadurch einen hohen Bürokratieaufwand. Marie-Christine Ostermann, geschäftsführende Gesellschafterin des Lebensmittelgroßhändlers Rullko und Präsidentin des Verbands Die Familienunternehmer, sagte, die Prämie gehe „zulasten Dritter, nämlich der Unternehmen". Für Unternehmen selbst gebe es derzeit keine Unterstützungen.
Heftige Kritik: Unternehmer fordern langfristigen Wirtschaftsplan für Deutschland
Forderungen nach einem strategischen Plan für die kommenden Jahrzehnte für den Wirtschaftsstandort Deutschland wurden laut. Die Politik müsste langfristig planen und handeln – und sich nicht in kurzfristigen Maßnahmen verstricken.
Und: Wenn die Bundesregierung wolle, dass die Prämie wirkt und keinen Unmut schafft, so sollte sie die Möglichkeit schaffen, dass Unternehmen diese auch noch später auszahlen können. Grundsätzlich hält Konjunkturexperte Sebastian Dullien die geplante steuer- und abgabenfreie Entlastungsprämie jedoch für attraktiv. Diese ermögliche zugleich mehr Netto für die Beschäftigten und weniger Kosten für die Unternehmen.
Der DGB fordert daher: "Zudem wäre eine Verlängerung des Bezugszeitraums sinnvoll, um angesichts verschiedener Laufzeiten von Tarifverträgen möglichst vielen Beschäftigten Zugang zu ermöglichen." Auch die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) mahnt an, für eine solche Prämie brauche es ein ausreichend großes Zeitfenster, um Vereinbarungen im Rahmen von Tarifverträgen treffen zu können.
"Unrealistisch, davon auszugehen, dass alle Unternehmen die Prämie zahlen können"
BDA-Hauptgeschäftsführer Steffen Kampeter warnte jedoch: "Es ist unrealistisch, davon auszugehen, dass alle Unternehmen die Prämie zahlen können. Die Wirtschaftslage ist zu angespannt." Der Wirtschaftsweise Achim Truger sagte dem Magazin "Surplus": "Ob und wie stark die Energiepreisprämie genutzt wird, ist unklar, da kommt es sehr auf die Durchsetzungskraft der Gewerkschaften an."
Unternehmen leiden schon unter der Flaute. Der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, Jörg Dittrich, stellte infrage, ob viele Betriebe sich die Prämie angesichts der schwachen Wirtschaftslage überhaupt leisten können – zumal kurzfristige Entlastungsschritte für Betriebe und Unternehmen fehlten.
Grünen-Chefin Franziska Brantner sagte: "Ich würde sagen, es wird ein paar Unternehmen bestimmt geben, die das auch machen, die halt wirtschaftlich gerade so gut dastehen, dass sie sich das leisten können. Und dann wird es sehr, sehr viele andere Unternehmen geben, die das nicht können, wahrscheinlich eher die kleineren."
nw/mit dpa
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