Der Sachverständigenrat warnt, dass die Sozialbeiträge in Deutschland bis 2040 auf rund 50 Prozent steigen könnten. Die Wirtschaftsweisen fordern deshalb Reformen bei Krankenversicherung, Pflege und Rente.
Die sogenannten Wirtschaftsweisen warnen vor einem ungebremsten Anstieg der Sozialbeiträge auf nahezu 50 Prozent. "Gemäß den Simulationen werden die Beitragssätze bis zum Jahr 2040 in allen Sozialversicherungen steigen", heißt es im Frühjahrsgutachten des Sachverständigenrats Wirtschaft. Wenn die aktuelle Rechtslage fortgeschrieben wird, drohen bis dahin Beitragssätze von fast 50 Prozent der beitragspflichtigen Einnahmen die Wirtschaft zu belasten.
Die schwarz-rote Koalition plant umfassende Reformen in den Bereichen Krankenversicherung, Pflege und Rente. Die Zahlen der Wirtschaftsweisen dürften den Reformdruck erhöhen. Für das Jahr 2026 wird ein Gesamtsozialversicherungsbeitragssatz von 42,3 Prozent prognostiziert. Die Sachverständigen erwarten 45,4 Prozent im Jahr 2030 und 49,7 Prozent bis 2040.
Erschreckende Prognose für Sozialbeiträge: So hoch sollen sie künftig steigen
Dies umfasst die Summe der Beitragssätze für Rente (derzeit 18,6 Prozent), Pflege (3,6 Prozent), Arbeit (2,6 Prozent) und für die Krankenversicherung (14,6 Prozent) plus durchschnittlichem Zusatzbeitragssatz (2,9 Prozent). Die Sachverständigen prognostizieren durchweg steigende Beiträge, beispielsweise in der gesetzlichen Rentenversicherung von 18,6 auf 21,8 Prozent und in der Pflegeversicherung von 3,7 auf 5,2 Prozent.
"Diese Entwicklung ist stark auf die fortschreitende demografische Alterung und den dadurch bedingten Ausgabenanstieg der Sozialversicherungen zurückzuführen." Der erwartete Anstieg des Gesamtbeitragssatzes könnte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) bis 2035 um 0,5 bis 0,9 Prozent reduzieren. "Höhere Beitragssätze dämpfen das gesamtwirtschaftliche Wachstum."
Sie erhöhen die Arbeitskosten und verringern die Nettoeinkommen der Privathaushalte. Dabei belastet der Iran-Krieg die Wirtschaft laut dem Gutachten ohnehin schon erheblich, was sich in einer sinkenden Prognose für das BIP und einer geringen Wachstumserwartung widerspiegelt. Die Sachverständigen fordern daher dringend kostendämpfende Reformen.
Reformen sollen Abhilfe schaffen: Hauptsächlich allerdings Jüngere belastet
"Der absehbare Anstieg der Ausgaben in den Sozialversicherungen sollte verlangsamt werden", fordert Ratsvorsitzende Monika Schnitzer. Die Einnahmenbasis und die Leistungen sollten stabilisiert werden. Die Regierung hatte Reformen auf den Weg gebracht oder angekündigt.
Die Sachverständigen fordern beispielsweise in der Krankenversicherung mehr "Ausgabensteuerung" bei Krankenhäusern und Arzneimitteln. Die Ausgaben der GKV seien seit 2005 um knapp 64 Prozent gestiegen, die Einnahmen nur um etwa 31 Prozent. Der Rat spricht sich für eine Abschaffung der beitragsfreien Mitversicherung von nicht kindererziehenden Ehepartnerinnen und Ehepartnern aus.