Bargeld oder Karte? Was eine Schuldnerberaterin empfiehlt

Viele Menschen verlieren beim Bezahlen mit Karte oder Smartphone schnell den Überblick über ihre Ausgaben. Schuldnerberater empfehlen Bargeld und Haushaltsbuch, um die eigenen Finanzen besser kontrollieren zu können.

Beim Thema Bezahlen gehen die Meinungen zur Übersichtlichkeit auseinander. Laut Stefanie Buchner-Joppich von der Stabstelle Schuldner- und Insolvenzberatung beim Augsburger Caritasverband bietet Bargeld mehr Übersicht und Kontrolle. Sie empfiehlt zudem die Führung eines Haushaltsbuches, das heute auch digital möglich ist.

Umfrage zu digitalem Bezahlen: Drei Viertel sehen Kartenzahlung als dominierendes Zahlungsmittel

Der Griff zum Portemonnaie ist beim Einkaufen längst nicht mehr der einzige Moment, in dem Geld das Konto verlässt. Viele Ausgaben laufen heute unbemerkt über regelmäßige Lastschriften vom Konto, und Einkäufe per Smartphone sind oft in Sekunden bestätigt. Wer seine Finanzen im Blick behalten will, sollte deshalb nicht nur auf die Zahlungsart an der Kasse achten, sondern auf den gesamten Geldfluss.

Nach wie vor setzen viele auf Bargeld – oder sogar auf den Trend "Cash Stuffing". Hier wird das Geld für die monatliche Budgetplanung auch noch in unterschiedliche Umschläge verpackt. Verursacht ein Lebensbereich – wie zum Beispiel Restaurantbesuche – höhere Kosten, sieht man es sofort am leeren Umschlag.

Andere wiederum sagen: Bei Kartenzahlung habe ich alles noch besser im Blick. Schließlich stehen alle Posten hier fein säuberlich auf dem Kontoauszug oder in der Banking-App. Bei immer mehr Anbietern wird dies sogar durch das Firmenlogo ergänzt – so ist auf einen Blick ersichtlich, wie viel Geld man etwa bei McDonald’s, Edeka oder der Avia-Tankstelle gelassen hat. Dass digitales Bezahlen weiter an Bedeutung gewinnt, zeigt eine aktuelle Umfrage: Drei Viertel der Befragten gehen davon aus, dass Kartenzahlung 2030 das dominierende Zahlungsmittel bleibt.

Ausgabenkontrolle mit Bargeld: Mehr Übersicht und Kontrolle im Alltag

Aber was ist wirklich übersichtlicher? Stefanie Buchner-Joppich von der Stabstelle Schuldner- und Insolvenzberatung beim Caritasverband für die Diözese Augsburg hat auf Anfrage der Mediengruppe Bayern eine klare Antwort: "Wir raten dazu, weniger mit "virtuellem" Geld zu arbeiten und nur das auszugeben, was man tatsächlich im Geldbeutel hat", erklärt Buchner-Joppich. Sie fügt hinzu: "Mit Bargeld, das man im Geldbeutel hat, behält man seine Ausgaben besser im Blick und hat sie im Griff."

Außerdem empfehlen sie und ihre Kolleginnen und Kollegen den Ratsuchenden bei der Schuldnerberatung, sich einen Notgroschen anzulegen. Damit lassen sich unerwartete Ausgaben wie zum Beispiel ein kaputter Kühlschrank oder eine Auto-Reparatur bewältigen. Wie hoch der Notgroschen sein sollte, darüber haben wir hier berichtet.

Wer Bargeld abhebt, kann schnell unnötige Gebühren zahlen: Viele Banken verlangen für fremde Geldautomaten zwischen vier und acht Euro pro Vorgang. Ein Ratgeber zum Geldabheben ohne hohe Gebühren zeigt, wie sich solche Kosten vermeiden lassen, etwa durch Abhebungen an der Supermarktkasse.

Die Kontobewegungen spielen aber ebenfalls eine Rolle: "Gemeinsam mit den Ratsuchenden betrachten wir die Kontoauszüge der letzten Monate. Dabei stellen wir häufig unnötige Ausgaben fest, etwa Abos und Versicherungen, die nicht notwendig oder sogar überflüssig sind, und empfehlen deren Kündigung", so Buchner-Joppich. Die Online-Redaktion hat kürzlich durchgerechnet, wie viel Geld sich hier mit wenig Aufwand sparen lässt.

Digitale Zahlungsmethoden: Wenn nur Online-Bezahlung möglich ist

Heutzutage ist es in einigen Bereichen erforderlich, Zahlungen über PayPal oder ähnliche Anbieter (Klarna, Riverty usw.) zu tätigen. Gerade bei Secondhand-Käufen (z. B. eBay, Vinted) lässt sich das nicht immer umgehen.

Ab November 2026 gelten in Deutschland strengere Regeln für Verbraucherkredite, die künftig auch viele Ratenzahlungen und "Buy now, pay later"-Angebote erfassen. Ein einfacher Rechnungskauf fällt dagegen meist nicht darunter. Wer regelmäßig mit PayPal oder Klarna bezahlt, sollte zudem die 200-Euro-Regel für Kleinkredite kennen. Auch bei niedrigen Beträgen oder fehlenden Zinsen sollte ein solcher Kauf als finanzielle Verpflichtung betrachtet werden.

"Unsere klare Empfehlung lautet hier, Einkäufe nur mit dem vorhandenen Guthaben auf dem Konto nach Abzug der fixen Kosten zu bezahlen und nicht über angebotene Ratenzahlungen. Dabei kann man sehr schnell den Überblick verlieren", teilt die Schuldnerberaterin mit.

Buy now, pay later: Risiken und Vorsicht bei Ratenkäufen

Kreditkartenschulden und "Buy now, pay later"-Verbindlichkeiten sind laut Buchner-Joppich sehr häufig Bestandteil der offenen Forderungen bei Schuldnern. "Unsere Konsumgesellschaft birgt viele Verlockungen und Fallen", teilt sie auf Anfrage unserer Redaktion mit.

Manchmal geht der Überblick über die bestehenden Verbindlichkeiten verloren, gerade wenn häufig über Klarna oder PayPal eingekauft wird. "Jeder "Buy now, pay later"-Einkauf ist ein abgeschlossener Kreditvertrag mit sehr hoher Zinsbelastung, ähnlich hoch wie beim Dispositionskredit der Hausbank", so die Expertin.

Wie schnell Online-Shopping auf Raten in die Schuldenfalle führen kann, zeigt das Beispiel einer 25-Jährigen, die sich über Klarna-Ratenkäufe rund 22.000 Euro Schulden aufgebaut hat. Laut SCHUFA-Jugend-Finanzmonitor hat knapp die Hälfte der jungen Erwachsenen in Deutschland bereits "Buy now, pay later"-Angebote genutzt.

Haushaltsbuch führen: Digitale Apps schaffen Überblick über Ausgaben

Ein Tipp der Schuldnerberaterin klingt wie aus Omas Zeiten, ist mittlerweile aber auch einfach digital umsetzbar. "Wir empfehlen die Führung eines Haushaltsbuches. Mittlerweile gibt es dafür auch sehr gute Apps", so Buchner-Joppich.

Darin sollten die Ausgaben detailliert notiert werden, um zu prüfen, ob sie tatsächlich notwendig waren, und das eigene Konsumverhalten anschließend zu reflektieren und gegebenenfalls zu ändern. Als Beispiel nennt sie: Muss man jeden Tag einen Kaffee to go kaufen oder Pizza bestellen?

Wer den Einstieg erleichtern möchte, findet bei der Verbraucherzentrale NRW 52 Wochen- und 12-Monatsübersichten sowie eine Jahresbilanz, mit denen sich erfassen lässt, wo das Geld bleibt.

Schuldnerberatung: Ablauf der Budgetberatung bei der Caritas

Ist man tief in den roten Zahlen, kann eine Schuldnerberatung – etwa bei der Caritas – weiterhelfen. "Eine wesentliche Methode der Schuldnerberatung ist die Budgetberatung. Mit allen Ratsuchenden erstellen wir einen Haushaltsplan, erfassen alle fixen und variablen Ausgaben und besprechen deren Notwendigkeit", so Stefanie Buchner-Joppich.

Dabei behält man auch Kosten im Blick, die nur einmal im Jahr anfallen (z. B. die Kfz-Versicherung) oder vierteljährlich (z. B. der Rundfunkbeitrag). Eine Befreiung davon ist bei Bezug von Sozialleistungen oder bei einigen wenigen Behinderungen möglich.

"Im Zuge dieser Beratung stellen wir zugleich fest, ob die Ratsuchenden Anspruch auf Sozialleistungen haben, und unterstützen bei der Beantragung", erklärt die Schuldnerberaterin. Wie viel vom Einkommen bei einer Pfändung geschützt bleibt, regelt der Pfändungsfreibetrag: Seit dem 1. Juli 2026 liegt er bei rund 1.587 Euro. Ob und wie die Rente bei Schulden gepfändet werden darf, erklärt ein Beitrag zur Pfändung der Rente im Ruhestand.

Kostenlose Schuldnerberatung finden: Anlaufstellen und Unterlagen

Eine Schuldnerberatung muss nicht zwingend privat bezahlt werden. Neben der Caritas bieten auch Verbraucherzentralen, die Diakonie, die Arbeiterwohlfahrt sowie viele Kommunen entsprechende Beratungsstellen an, deren Angebote in der Regel kostenlos sind. Da die Nachfrage hoch ist, lohnt es sich, frühzeitig einen Termin anzufragen – gerade wenn sich erste Zahlungsrückstände abzeichnen.

Vor dem ersten Gespräch hilft es, alle Unterlagen zu sammeln: Rechnungen, Zahlungsaufforderungen, Verträge mit Ratenzahlung und sämtliche Schreiben von Gläubigern, am besten nach Datum sortiert. Warnsignale wie häufige Mahnungen und ein dauerhaft überzogenes Konto sollten dabei früh ernst genommen werden, denn je länger offene Forderungen bestehen, desto größer wird in der Regel der finanzielle Druck.

Vorschaubild: © Sina Schuldt/dpa