Rechnungskauf bei Amazon, Klarna und Co.: Diese Regeln sollten Kunden kennen

Beim Online-Shopping erst bestellen und später bezahlen: Für Millionen Verbraucher gehört der Rechnungskauf zum Alltag. Doch neue Kreditregeln verändern die rechtlichen Vorgaben. Wann eine einfache Rechnung weiterhin unkompliziert bleibt und wann strengere Prüfungen greifen können.

Der Bundestag hat strengere Regeln für Verbraucherkredite beschlossen, der Bundesrat hat die Reform im  Mai 2026 gebilligt. Hintergrund ist die Umsetzung der EU-Verbraucherkreditrichtlinie, durch die auch Kleinkredite, zinsfreie Kredite und bestimmte Buy-now-pay-later-Angebote (BNPL) stärker erfasst werden. Beim Rechnungskauf geht es deshalb um die Frage: Wann ist "Jetzt kaufen, später bezahlen" ein Kredit, und wann ist der Rechnungskauf kein Kredit?

Neue Kreditregeln 2026: Das hat der Bundestag beschlossen

Der Bundestag hat im  April 2026 das Gesetz zur Umsetzung der neuen Verbraucherkreditrichtlinie beschlossen, wie der Bundestag berichtet. Die Reform soll den Verbraucherschutz stärken, weil digitale Finanzierungsangebote oft schnell abgeschlossen werden. Das betrifft vor allem Fälle, in denen ein Kauf nicht sofort bezahlt wird, sondern später oder in Raten.

Die Bundesregierung nennt unter anderem Kleinkredite bis 200 Euro, kurze Laufzeiten sowie zins- und gebührenfreie Kredite. Auch BNPL-Modelle sollen stärker unter die Regeln fallen. Ziel ist unter anderem, dass Verbraucher durch viele kleine Zahlungsaufschübe nicht unbemerkt in eine Überschuldung geraten.

Das bedeutet aber nicht, dass jeder Rechnungskauf automatisch wie ein klassischer Kredit behandelt wird. Genau diese Abgrenzung ist für den Onlinehandel wichtig. Wenn ein einfacher Rechnungskauf nicht unter die Kreditregeln fällt, bleibt der Bezahlvorgang für Kunden meist kürzer. Angebote mit Ratenzahlung oder Finanzierung müssen dagegen weiterhin genauer geprüft werden.

Kauf auf Rechnung: Warum nicht jede Zahlung als Kredit gilt

Der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland (bevh) begrüßt die Ausnahmen für den Kauf auf Rechnung. In seiner Mitteilung schreibt der bevh, der Rechnungskauf werde "anders als ursprünglich geplant" in deutlich mehr Fällen nicht mehr als Kredit gewertet. Diese Aussage ist wichtig, bleibt aber eine Verbandsposition.

Der Verband argumentiert, das Gesetz stärke den Verbraucherschutz, ohne den Checkout unnötig zu erschweren. Für Händler geht es dabei um praktikable Abläufe und weniger zusätzliche Schritte beim Bezahlen. Für Verbraucher kann das bedeuten, dass einfache Rechnungszahlungen nicht automatisch durch Kreditprozesse komplizierter werden.

Wenn der Verband den Rechnungskauf als sicherste und einfachste Bezahlmethode im Onlinehandel beschreibt, ist das aber kein neutraler Gesetzeskommentar, sondern seine Bewertung. Die Kernbotschaft lautet: Der Kauf auf Rechnung bleibt in mehr Fällen kein Verbraucherkredit. Eine frühere bevh-Stellungnahme zeigt zudem, dass der Verband schon im Gesetzgebungsverfahren darauf drängte, den Kauf auf Rechnung nicht mit anderen Finanzierungsformen gleichzusetzen.

Was bedeutet das für Onlinehändler und Zahlungsanbieter?

Für dich kann sich der Unterschied direkt beim Checkout bemerkbar machen. Wenn ein einfacher Rechnungskauf nicht als Kredit eingestuft wird, bestellst du Ware, erhältst die Rechnung und zahlst später, ohne dass automatisch umfangreiche Kreditinformationen abgefragt werden. Der Kauf bleibt eine normale Rechnungszahlung.

Das gilt aber nicht pauschal für jede spätere Zahlung. Ein Ratenkauf, längere Zahlungsaufschübe oder bestimmte Buy-now-pay-later-Modelle können weiterhin unter strengere Regeln fallen. Die Bafin weist darauf hin, dass BNPL-Angebote beim Onlinekauf leicht zu höheren Ausgaben führen können als geplant.

Laut bevh wird der Kauf auf Rechnung in deutlich mehr Fällen nicht mehr als Kredit gewertet. Konkret zählen am Ende aber der Gesetzestext, die Vertragsbedingungen und die tatsächliche Ausgestaltung des Zahlungsangebots. Auch der Verbraucherzentrale Bundesverband betont, dass neue Kreditformen wie BNPL sorgfältiger vergeben werden müssen.

Klarna, Ratenzahlung und Co.: Wann strengere Regeln greifen

Für Händler geht es vor allem darum, ob der Checkout durch zusätzliche Prüfungen länger wird. Wenn der Rechnungskauf häufiger nicht mehr als Kredit gilt, müssen Shops in diesen Fällen weniger Kreditprozesse in den Kaufabschluss einbauen. Das kann den Kaufprozess einfacher halten, sofern der konkrete Zahlungsfall wirklich unter eine Ausnahme fällt.

Zahlungsanbieter müssen trotzdem genau unterscheiden, welches Produkt sie anbieten. Ein einfacher Rechnungskauf ist nicht dasselbe wie Ratenzahlung, Finanzierung oder ein komplexes BNPL‑Angebot. Wird ein Modell falsch eingeordnet, können Informationspflichten oder Prüfpflichten übersehen werden.

Für Verbraucher bleibt diese Abgrenzung ebenfalls wichtig. Ein kurzer Zahlungsaufschub wirkt im Checkout harmlos, kann aber je nach Modell rechtlich anders behandelt werden. Bei Angeboten mit Raten, Gebühren oder längeren Laufzeiten solltest du genauer prüfen, ob aus dem späteren Bezahlen faktisch ein Kredit wird.

Neue Regeln beim Rechnungskauf gelten ab 20. November 2026

Ab dem 20. November 2026 gelten in Deutschland diese  strengeren Vorschriften für Verbraucherkredite, bestätigt die Bundesregierung. Grundlage ist die neue EU-Verbraucherkreditrichtlinie. Sie erfasst künftig auch viele Kleinkredite, zinsfreie Ratenzahlungen und sogenannte „Buy now, pay later“-Angebote. Anbieter müssen unter anderem die Kreditwürdigkeit ihrer Kunden prüfen und umfassender über mögliche Kosten und Risiken informieren. Nicht jeder gewöhnliche Rechnungskauf ist jedoch automatisch betroffen.

Vorschaubild: © Jonas Walzberg (dpa)