Beim Vergleich von Apfelsorten schneiden traditionelle Äpfel wie Boskoop bei wichtigen Nährstoffen besonders gut ab. Untersuchungen betonen die gesundheitlichen Vorteile dieser alten Sorten.
Ob Granny Smith, Gala oder Boskop – auf den ersten Blick scheinen sich Äpfel kaum voneinander zu unterscheiden. Doch die Wissenschaft zeigt: Verschiedene Apfelsorten enthalten stark unterschiedliche Mengen an Polyphenolen – und genau diese sekundären Pflanzenstoffe sind ein wichtiger Grund, warum Äpfel als wertvoller Bestandteil einer ausgewogenen Ernährung gelten.
Unter den hierzulande leicht erhältlichen Sorten sticht der bisweilen auch als Boskop geläufige Boskoop beim Polyphenolgehalt immer wieder hervor.
Welcher Apfel ist am gesündesten? Boskoop im Nährstoffvergleich
Polyphenole bezeichnen keine einzelne Substanz, sondern eine große Gruppe sekundärer Pflanzenstoffe. Pflanzen bilden sie unter anderem als Schutzstoffe gegen UV-Strahlung, Krankheitserreger und weitere Belastungen. In chemischen und experimentellen Untersuchungen können viele Polyphenole freie Radikale abfangen; deshalb werden sie wegen möglicher antioxidativer und entzündungsmodulierender Eigenschaften erforscht. Das bedeutet allerdings nicht, dass sie Vitamine ersetzen oder automatisch vor Krankheiten schützen.
Bei Äpfeln beeinflussen Polyphenole außerdem Geschmack und Schnittfläche: Sie können für herbe Noten sorgen und die Braunfärbung angeschnittener Früchte begünstigen. Nicht besonders erwünschte Apfel-Merkmale also, die im Laufe der Jahrhunderte durch neue Apfel-Züchtungen abgemildert wurden. Der Nebeneffekt: "Moderne" Äpfel enthalten in der Regel weniger dieser wertvollen sekundären Pflanzenstoffe als "alte" Sorten.
Zu letzteren zählt die seit Mitte des 19. Jahrhunderts verbreitete holländische SorteBoskoop. Als im Deutschen geläufige Kurzform gilt zwar "Boskop", in Studien sowie in den meisten gängigen Sortenbezeichnungen wird aber überwiegend "Boskoop" genutzt.
Warum schneiden traditionelle Sorten so gut ab?
Um den Polyphenolgehalt zu vergleichen, stellte eine Untersuchung von Forschern aus Jenau zehn traditionelle Apfelsorten fünf beliebten modernen Sorten gegenüber. In der medizinischen Fachzeitschrift Antioxidants wird die Studie erläutert. Zum Grundgedanken heißt es dort: "Polyphenole sind antioxidative Inhaltsstoffe von Äpfeln und stehen wegen ihrer Fähigkeit, freie Radikale abzufangen, in Zusammenhang mit der menschlichen Gesundheit." Zu den historischen Sorten gehörten unter anderem Roter Boskoop, Berlepsch und Goldparmäne; die Vergleichsgruppe bestand aus Braeburn, Elstar, Golden Delicious, Granny Smith und Jonagold.
Der Unterschied war frappierend: Traditionelle Sorten wiesen im Fruchtfleisch durchschnittlich 29 Milligramm Polyphenole pro 100 Gramm auf – mehr als das Doppelte der 13 Milligramm bei den fünf Vergleichssorten.
Roter Boskoop und Dülmener Rosenapfel gehörten beim Polyphenolgehalt des Fruchtfleischs zu den Spitzenreitern. Golden Delicious lag sowohl in der Schale als auch im Fruchtfleisch am unteren Ende des Vergleichs. Eine weitere Untersuchung im Journal of Agricultural and Food Chemistry lieferte ein ähnliches Bild: Der gesamte entkernte Boskoop kam auf etwa 90 Milligramm Polyphenole pro 100 Gramm, Braeburn lediglich auf 41 Milligramm.
Warum traditionelle Sorten mehr Polyphenole enthalten:
Polyphenole verleihen einen leicht herben, adstringierenden Geschmack
Sie fördern die Braunfärbung angeschnittener Früchte
Moderne Züchtungen fokussieren auf Süße, Optik und Lagerfähigkeit
Traditionelle Sorten wurden ohne diese Einschränkungen gezüchtet
Welche gesundheitlichen Vorteile bieten polyphenolreiche Äpfel?
Eine im Jahr 2026 veröffentlichte systematische Übersichtsarbeit wertete 38 Humanstudien zu Äpfeln und Apfelprodukten aus. Sie fand bei polyphenolreichen Äpfeln Hinweise auf mögliche positive Effekte auf Blutzucker, Gefäßfunktion und Darmflora.
Wegen der unterschiedlichen Studiendesigns lässt sich daraus jedoch keine eindeutige Wirkung einer bestimmten Apfelsorte ableiten. Polyphenole können in chemischen und experimentellen Untersuchungen freie Radikale abfangen.
Auch ein Fachartikel aus dem Jahr 2025, der in der wissenschaftlichen Datenbank PubMed Central frei zugänglich ist, unterstreicht: "Das Sprichwort, dass ein Apfel am Tag den Arzt fernhält (An apple a day keeps the doctor away), steht im Einklang mit wissenschaftlichen Erkenntnissen." Übersichtsarbeiten aus den Jahren 2024 und 2025 diskutieren zudem mögliche entzündungshemmende, herz- und stoffwechselbezogene sowie alterungsbezogene Effekte dieser Substanzen.
Welcher Apfel ist am gesündesten? Nährstoffvergleich der Sorten
Boskoop gehört unter den hierzulande gut erhältlichen Sorten zu den polyphenolreichen Äpfeln, ist aber nicht die Sorte mit dem höchsten Messwert überhaupt. In einer Analyse ganzer, entkernter Äpfel lag der Gewürzluikenapfel mit etwa 158 Milligramm Polyphenolen pro 100 Gramm vor Goldparmäne mit etwa 123 Milligramm; Boskoop erreichte rund 90 Milligramm. Damit war der Herbsapfel Gewürzluike in diesem Vergleich der polyphenolreichste Apfel, während die Goldparmäne (im Französischen: Reine des Reinettes) ebenfalls deutlich vor Boskoop lag. Die Frankfurter Rundschau ordnet den Befund ein: "Boskoop ist damit nicht der polyphenolreichste Apfel überhaupt."
Warum wird trotzdem häufig der Boskoop als besonders gesunder Apfel empfohlen? Gewürzluiken und Goldparmäne sind alte, weniger verbreitete Sorten und im Standardsortiment vieler Supermärkte seltener zu finden. Sie werden eher regional und saisonal, auf Wochenmärkten, bei Direktvermarktern oder in spezialisierten Obstsortimenten angeboten. Boskoop ist zwar ebenfalls nicht überall ganzjährig erhältlich, lässt sich aber meist leichter finden als diese beiden Sorten.
Für die gesundheitliche Bewertung ist außerdem wichtig, welcher Teil der Frucht untersucht oder gegessen wird: In der Schale konzentrieren sich viele wertvolle Pflanzenstoffe besonders stark. Je nach Sorte wurden dort zwischen 68 und 285 Milligramm pro 100 Gramm gemessen, während das Fruchtfleisch 17 bis 127 Milligramm aufwies. Die Hauptpolyphenole in der Schale sind Quercetin-Glykoside mit durchschnittlich 203 Milligramm pro 100 Gramm, im Fruchtfleisch dominieren dagegen Phenolsäuren mit etwa zehn Milligramm.
Schalenfarbe kein verlässliches Kriterium
Wer die Schale verträgt, kann einen gut gewaschenen Apfel ungeschält essen und dadurch zusätzlich die in der Schale konzentrierten Pflanzenstoffe aufnehmen. Die Schalenfarbe allein ist kein verlässliches Kriterium für den gesamten Polyphenolgehalt: Rote Apfelschalen enthalten zwar Anthocyane, doch Polyphenole finden sich ebenso in grünen und gelben Äpfeln.
Auch beim Kerngehäuse lohnt eine differenzierte Betrachtung: Unser Beitrag über Apfelkerne und Blausäure erklärt, dass Amygdalin beim Zerkauen im Körper Blausäure freisetzen kann. Unzerkaut verschluckte Kerne werden in der Regel wieder ausgeschieden. Apfelkerne sollten deshalb nicht gezielt zerbissen oder in größeren Mengen verzehrt werden.
So maximieren Sie den gesundheitlichen Wert:
Traditionelle Sorten wie Boskoop, Goldparmäne, Berlepsch oder Gravensteiner bevorzugen
Die Schale nach gründlichem Waschen mitessen
Den Apfel möglichst frisch verzehren, um eine starke Braunfärbung und die Oxidation empfindlicher Pflanzenstoffe zu vermeiden
Nicht primär auf die Farbe achten – entscheidend ist die Sorte
Sorten nach Nährstoff-Schwerpunkt
Eine eindeutige Antwort auf die Fragen nach dem einen gesündesten Apfel gibt es nicht, weil "gesund" je nach Nährstoff anders bewertet werden kann. Die folgende Liste ist deshalb kein einheitliches Gesamtranking. Die Werte stammen aus unterschiedlichen Untersuchungen, die teils verschiedene Sorten, Fruchtteile, Bezugsgrößen und Messverfahren verwendeten.
Eine im Jahr 2026 veröffentlichte Untersuchung von 140 Dessertapfelsorten verglich die Früchte unter möglichst ähnlichen Bedingungen und erfasste fünf Mineralstoffe sowie 13 Polyphenol-Merkmale. Sie zeigt, wie stark sich Sorten bei einzelnen Inhaltsstoffen unterscheiden können.
Vitamin C unter 16 untersuchten Sorten: Freiherr von Berlepsch. Die International Society for Horticultural Science verglich 16 Apfelsorten, deren Sortenzugehörigkeit zusätzlich mithilfe genetischer Analysen überprüft worden war. Die alte Sorte "Freiherr von Berlepsch", auch bekannt als "Berlepsch", erreichte in diesem Vergleich mit 6,22 Milligramm Vitamin C pro 100 Gramm Frischgewicht, also pro 100 Gramm frische Frucht, den höchsten gemessenen Wert. Zum Vergleich: Gala kam in derselben Untersuchung auf 0,43 Milligramm. Der Spitzenplatz gilt damit nur für die 16 untersuchten Sorten und nicht automatisch für alle weltweit angebauten Äpfel.
Vitamin E: Brixer Plattling. Bei diesem weniger bekannten Apfel wurde in derselben Sortensammlung mit 0,33 Milligramm pro 100 Gramm Frischgewicht der höchste Vitamin-E-Wert gemessen. Der Wert stammt aus einem bestimmten Sortenvergleich und lässt sich nicht automatisch auf alle Anbaujahre und Anbauorte übertragen.
Mineralstoffe und Vitamin C in alten toskanischen Sorten: Panaia, Ruggina und Mora. Eine Studie im Fachjournal Horticulturae zeigte, dass Panaia und Ruggina höhere Gehalte an Zink und Mangan aufwiesen als Golden Delicious. Mora, Panaia und Ruggina erreichten außerdem ungefähr zehnmal so viel Vitamin C wie die Vergleichssorte.
Ballaststoffe und Kalium in einem Vier-Sorten-Vergleich: Granny Smith. In einer medizinisch geprüften Nährwertübersicht von Red Delicious, Granny Smith, Fuji und Gala lag Granny Smith beim Ballaststoffgehalt sowie bei mehreren Mineralstoffen vorn. Mit etwa 116 Milligramm Kalium pro 100 Gramm und 5,1 Milligramm Magnesium gehört die grüne Sorte in dieser Übersicht zu den nährstoffreichen Optionen.
Polyphenole: Goldparmäne und Gewürzluiken. Eine Analyse im Journal of Agricultural and Food Chemistry ermittelte für ganze, entkernte Äpfel bei Goldparmäne etwa 123 und bei Gewürzluiken etwa 158 Milligramm Polyphenole pro 100 Gramm. Roter Boskoop und Dülmener Rosenapfel gehörten beim Polyphenolgehalt des Fruchtfleischs zu den Spitzenreitern.
Gut verfügbare Polyphenolquelle: Boskoop. Boskop ist im Vergleich zu vielen gängigen Supermarkt-Sorten relativ leicht erhältlich und liefert mit Schale besonders viele sekundäre Pflanzenstoffe. Für Vitamin- oder Mineralstoffgehalte lässt sich daraus allerdings kein pauschaler Spitzenplatz ableiten.