Diese fünf typischen Fehler machen Privatanleger – ein Aspekt wird oft vergessen

Viele private Anleger machen typische Fehler beim Investieren, etwa bei der Streuung oder beim Kaufzeitpunkt. Die Auswertung von Stiftung Warentest zeigt, wie sich Verluste und Risiken im Depot vermeiden lassen.

Rund 115.000 Depots haben Stiftung Warentest und Professor Steffen Meyer gemeinsam ausgewertet – mit einem ernüchternden Ergebnis: Nicht einmal 1.000 davon waren frei von den fünf untersuchten Anlagefehlern. Das bedeutet: Fast jeder Privatanleger tappt in mindestens eine der typischen Fallen. Dabei zeigen die Daten deutlich, dass nicht nur die Wahl der Wertpapiere über Erfolg oder Misserfolg entscheidet, sondern auch der Umgang mit Risiken, Verlusten und Kursschwankungen.

Zu geringe Streuung: Warum Klumpenrisiko die Rendite gefährdet

Konzentriert sich ein großer Teil deines Geldes auf wenige Einzelaktien, Branchen oder Länder, hängt das Ergebnis stark von deren Entwicklung ab. Bricht eine bedeutende Position ein, kann sie das gesamte Depot erheblich belasten. Dieses Klumpenrisiko lässt sich nicht allein durch die Hoffnung ausgleichen, dass sich der Kurs bald wieder erholt.

Auch eine hohe Anzahl von Wertpapieren bedeutet noch keine echte Diversifikation. Zehn deutsche Bank-Aktien bleiben demselben Wirtschaftszweig und weitgehend demselben Heimatmarkt verhaftet. Die Verbraucherzentrale empfiehlt breit aufgestellte Aktien-ETFs als Möglichkeit, das Kapital über zahlreiche Unternehmen und Länder zu verteilen.

Ein weltweit investierender ETF kann deshalb eine breite Basis bilden, während Einzelaktien nur einen begrenzten Anteil ausmachen sollten. Sinnvoll ist es, für solche Positionen vorab eine maximale Depotgewichtung festzulegen. Steigt ein Titel durch Kursgewinne deutlich über diese Grenze, lässt sich die Verteilung durch ein Rebalancing wieder an das ursprüngliche Risikoniveau anpassen.

Häufiges Handeln: Wie Orderkosten und Emotionen die Rendite aufzehren

Bei jedem Kauf und Verkauf fallen potenziell Orderkosten, Börsenentgelte und Unterschiede zwischen An- und Verkaufskurs an. Selbst bei günstigen Banken oder Neobrokern summieren sich diese Beträge erheblich, wenn ständig umgeschichtet wird. Die zusätzlichen Handelskosten müssen anschließend erst durch eine bessere Wertentwicklung ausgeglichen werden.

Schwerer noch wiegen oft emotionale Entscheidungen. Nach starken Kursanstiegen entsteht leicht das Gefühl, eine Gelegenheit zu verpassen, während fallende Kurse zum überstürzten Verkauf verleiten. Anleger kaufen dadurch teuer und verkaufen zu billig, obwohl sich an der langfristigen Qualität der Anlage nichts verändert hat.

Als wirksame Gegenmaßnahme eignen sich feste Prüftermine, etwa einmal pro Quartal oder Halbjahr. Dazwischen musst du nicht auf jede Schlagzeile und jede Tagesbewegung reagieren. Automatische Sparpläne sorgen zusätzlich dafür, dass regelmäßig investiert wird, ohne dass ständig über den nächsten Kaufzeitpunkt nachgedacht werden muss.

Spekulative Produkte: Wann das Verlustrisiko unterschätzt wird

Spekulative Produkte sind nicht grundsätzlich ungeeignet – ihre Risiken werden jedoch leicht unterschätzt. Bei Turbo- oder Knock-out-Zertifikaten kann bereits das Erreichen einer festgelegten Kursschwelle zum vollständigen Verlust führen. Die BaFin bezeichnet das Totalverlustrisiko solcher Produkte als sehr hoch.

Besonders gefährlich wird die Spekulation, wenn eine einzelne Wette einen großen Teil des Depots ausmacht. Meme-Aktien, Hebelprodukte oder kaum verstandene Kryptowährungen können dann den langfristigen Vermögensaufbau erheblich gefährden. Geld für laufende Ausgaben und die Notfallreserve gehört deshalb nicht in Anlagen, die kurzfristig vollständig an Wert verlieren können.

Vor dem Kauf eines Anlageprodukts sollten dir Funktionsweise, Kosten und das schlechtestmögliche Ergebnis klar sein. Bleiben Begriffe wie Hebel, Knock-out-Schwelle oder Emittentenrisiko unklar, fehlt eine wichtige Grundlage für die Entscheidung. Für spekulative Anlagen lässt sich außerdem eine feste Obergrenze bestimmen, deren Verlust deine übrigen finanziellen Pläne nicht gefährdet.

Market-Timing: Warum der perfekte Ein- und Ausstieg kaum gelingt

Beim Market-Timing versuchst du, vor einem Kursrückgang auszusteigen und später günstiger wieder einzusteigen. Dafür müssen zwei Entscheidungen gelingen: der Verkauf vor dem Kurseinbruch und der Wiedereinstieg vor der Erholung. Wird auch nur einer dieser Zeitpunkte verpasst, können erhebliche Kursgewinne verloren gehen.

Börsenphasen lassen sich im Rückblick leicht als günstig oder ungünstig einordnen. Im jeweiligen Moment ist jedoch unklar, ob ein Rückgang erst beginnt, bereits endet oder nur eine kurze Unterbrechung darstellt. Verbleibt das Geld aus Unsicherheit auf dem Konto, kann der Markt längst wieder gestiegen sein.

Die Verbraucherzentrale verweist bei breit gestreuten Aktienanlagen auf die Vorteile von Kaufen und Liegenlassen (Buy and Hold). Regelmäßige Käufe verteilen den Einstieg auf unterschiedliche Kursniveaus, ohne dass du den perfekten Zeitpunkt treffen musst. Die Anlagedauer ersetzt dabei keine Risikoprüfung, nimmt aber den Druck aus kurzfristigen Prognosen.

Dispositionseffekt: Weshalb Verlustpositionen zu lange gehalten werden

Anleger halten schwache Positionen häufig in der Hoffnung, wenigstens den alten Kaufkurs wieder zu erreichen. Gewinner im Depot werden dagegen oft verkauft, sobald ein zufriedenstellendes Plus erzielt ist. Dieser Dispositionseffekt kann dazu führen, dass aussichtsreiche Titel zu früh verschwinden und Verlustbringer lange Kapital binden.

Ein gefallener Kurs ist allerdings nicht automatisch ein Verkaufsgrund. Entscheidend ist, ob Geschäftsmodell, Bewertung und die ursprüngliche Investmentthese weiterhin überzeugen. Umgekehrt muss eine gestiegene Aktie nicht allein deshalb verkauft werden, weil bereits ein Buchgewinn im Depot steht.

Die Deutsche Bundesbank beschreibt den Dispositionseffekt als typisches Verhalten privater Anleger. Hilfreich sind deshalb konkrete Verkaufsgründe, die bereits beim Kauf feststehen – etwa eine dauerhaft verschlechterte Geschäftsentwicklung. Bei der späteren Entscheidung über Halten oder Verkaufen zählt die aktuelle Bewertung stärker als dein persönlicher Einstiegskurs.

Steuerliche Optimierung: Wie fehlende Freistellungsaufträge Rendite kosten

Neben den fünf klassischen Anlagefehlern vernachlässigen viele Privatanleger einen weiteren renditeentscheidenden Aspekt: die steuerliche Optimierung des Depots. Wer keinen Freistellungsauftrag bei seiner Bank eingerichtet hat oder diesen falsch auf mehrere Depots verteilt, verschenkt jedes Jahr den Sparerpauschbetrag – aktuell 1.000 Euro pro Person beziehungsweise 2.000 Euro für Ehepaare. Ohne einen gültigen Freistellungsauftrag zieht die Bank die Abgeltungsteuer von 25 Prozent automatisch ab, wie Finanztip erläutert.

Darüber hinaus lohnt es sich, Verluste im Depot gezielt zur Steueroptimierung zu nutzen. Realisierte Buchverluste können mit Gewinnen desselben Jahres verrechnet werden und so die Steuerlast senken. Wer zum Jahresende einen Überblick über Gewinne und Verluste im Depot hat, kann durch gezieltes Verkaufen die steuerliche Situation verbessern, ohne die langfristige Anlagestrategie zu verändern – Finanzfluss und die ING erklären, wie Verlustverrechnungstöpfe dabei konkret funktionieren.

Die 5 häufigsten Anlagefehler auf einen Blick

  • Zu geringe Streuung: Klumpenrisiko durch Konzentration auf wenige Aktien, Branchen oder Länder
  • Zu häufiges Handeln: Orderkosten und emotionale Entscheidungen schmälern die Rendite
  • Spekulative Produkte: Hebelprodukte und Zertifikate mit Totalverlustrisiko falsch einschätzen
  • Market-Timing: Versuche, den perfekten Ein- und Ausstiegszeitpunkt zu treffen, scheitern meist
  • Dispositionseffekt: Verlierer-Aktien zu lang halten und Gewinner zu früh verkaufen
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