Das schwedische Modell setzt auf einen staatlichen Standardfonds
Die Organisation der Prämienrente läuft in Schweden zentral über die staatliche Rentenbehörde Pensionsmyndigheten. Sie zieht die Beiträge ein, verwaltet die Konten, prüft die Fondsanbieter und organisiert später auch die Rentenauszahlungen. Versicherte wählen aus rund 400 zugelassenen Fonds aus.
Wer keine eigene Entscheidung trifft, landet automatisch im staatlichen Standardfonds AP7 Såfa. Dieser kombiniert Aktien- und Rentenanlagen und funktioniert nach einem Lebenszyklusprinzip: In jüngeren Jahren wird stärker auf Aktien gesetzt, später steigt der Anteil sicherheitsorientierter Anlagen. Bis zum Alter von 55 Jahren kann das Vermögen vollständig in Aktien investiert sein, danach wird schrittweise umgeschichtet.
Das Vertrauen in dieses Standardmodell ist groß. Rund sechs Millionen der etwa elf Millionen Einwohner Schwedens investieren derzeit über den AP7-Fonds. Das Modell gilt als einfach verständlich und kostengünstig – ein Punkt, der auch in Deutschland zunehmend in den Mittelpunkt der Debatte rückt.
Niedrige Kosten machen langfristig einen großen Unterschied
Ein entscheidender Vorteil des schwedischen Systems liegt in seiner zentralen Organisation. Weil die Rentenbehörde die Gelder von Millionen Menschen bündelt, kann sie gegenüber Fondsanbietern deutlich günstigere Konditionen aushandeln. Diese Skaleneffekte drücken die Kosten erheblich.
Im Durchschnitt liegen die jährlichen Gebühren der schwedischen Prämienrente bei rund 0,17 Prozent. Der staatliche AP7-Fonds kommt sogar nur auf etwa 0,05 Prozent pro Jahr. Zum Vergleich: Für das geplante deutsche Standardprodukt ist ein Kostendeckel von bis zu einem Prozent vorgesehen.
Wie stark sich solche Unterschiede auswirken, zeigt ein Rechenbeispiel der Deutschen Rentenversicherung: Wer 40 Jahre lang monatlich 100 Euro spart und fünf Prozent Rendite erzielt, erreicht bei Kosten von 0,05 Prozent ein Vermögen von rund 145.800 Euro. Bei Kosten von einem Prozent wären es nur etwa 118.600 Euro – ein Unterschied von mehr als 27.000 Euro.
Deutschland plant nun einen Neustart der privaten Vorsorge
Die Bundesregierung will die private Altersvorsorge deshalb grundlegend reformieren. Geplant ist ein neues Altersvorsorgedepot, das die Riester-Rente ablösen soll. Sparer sollen ihr Geld künftig einfacher und stärker kapitalmarktorientiert investieren können – etwa über Fonds oder ETFs.
Anders als bei der klassischen Riester-Rente sollen Garantien künftig nicht mehr verpflichtend sein. Dadurch steigen zwar die Schwankungsrisiken, gleichzeitig aber auch die Renditechancen. Zusätzlich soll jeder Anbieter ein Standardprodukt anbieten müssen, das insbesondere für Menschen gedacht ist, die sich nicht selbst um die Geldanlage kümmern möchten.
Offen ist bislang noch, wer dieses Standardprodukt konkret anbieten wird. Neben Banken, Versicherungen und Neobrokern könnte auch ein öffentlich-rechtlicher Anbieter eine Rolle spielen. Verbraucherschützer warnen allerdings bereits davor, dass viele Menschen weiterhin auf Beratung angewiesen sein könnten – und damit erneut Gefahr laufen, in teure Produkte vermittelt zu werden.
Schweden liefert Impulse – aber keine einfache Blaupause
Das schwedische Modell wird häufig als Vorbild genannt. Tatsächlich zeigt die Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte, dass zentrale Verwaltung, niedrige Kosten und einfache Standardlösungen Vorteile bringen können. Besonders der staatliche AP7-Fonds erzielte zwischen 2000 und 2025 mit durchschnittlich elf Prozent Rendite außergewöhnlich hohe Erträge.
Allerdings unterscheiden sich die Systeme grundlegend. In Schweden ist die kapitalgedeckte Vorsorge ein verpflichtender Bestandteil der gesetzlichen Rente. Deutschland setzt dagegen weiterhin stärker auf Freiwilligkeit und individuelle Entscheidungen. Das schafft mehr Flexibilität, verlangt aber zugleich mehr Eigenverantwortung.
Deshalb lässt sich das schwedische Modell nicht eins zu eins übertragen. Dennoch zeigt der Vergleich, welche Faktoren für erfolgreiche kapitalgedeckte Altersvorsorge entscheidend sein können: geringe Kosten, transparente Strukturen, einfache Produkte und eine möglichst breite Beteiligung der Bevölkerung. Genau darüber dürfte in Deutschland in den kommenden Jahren weiter intensiv diskutiert werden.
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