Neue Behandlung bei Problemen mit Prostata: Wasserdampf. "Häufiger Harndrang, nächtliche Gänge zur Toilette und das Gefühl, dass die Blase nie ganz leer wird": Viele ältere Männer leiden unter diesen Symptomen, besonders ab dem 50. Lebensjahr. Die Beschwerden sind typisch für eine gutartig vergrößerte Prostata, erklärt das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) auf dem Portal gesundheitsinformation.de.

Beschwerden bei gutartiger Prostatavergrößerung zum Teil sehr stark

Viele Betroffene stellen sich auf die Beschwerden ein und kommen ganz gut damit zurecht. Für einige werden sie jedoch zu einer starken Belastung: Sie bekommen nicht mehr genug Schlaf, da sie nachts ständig zur Toilette müssen. Tagsüber sind sie dann erschöpft. Zudem können die häufigen Toilettengänge im Alltag sehr stören, wenn Termine und Aktivitäten andauernd unterbrochen werden müssen.

Prostatakrebs: Bei diesen Symptomen wird es ernst

Vergrößerte Prostata: Auch junge Männer betroffen

"Fast jeder Mann bekommt irgendwann Probleme mit einer vergrößerten Prostata", sagt der Urologe Dr. Armin Secker vom Universitätsklinikum Münster in einer Mitteilung. Auch relativ junge Männer ab 35 Jahren können schon von einer Harnabfluss-Störung betroffen sein. So auch der 46-jährige Sven Hutter: "Meine Prostata war gefühlte 100 Jahre alt", beschreibt er. Mehrere Male pro Nacht wachte er auf und musste zur Toilette.

Eine gutartige Vergrößerung der Prostata kann sehr lästig sein, ist meistens aber harmlos. Falls eine Behandlung nötig ist, besteht im Regelfall kein Grund zur Eile. So kann man in Ruhe die Vor- und Nachteile verschiedener Behandlungsmöglichkeiten abwägen. Vor allem vor einer Operation ist das sinnvoll, denn ein Eingriff kann zu langfristigen Komplikationen führen.

Neue Therapie: Wasserdampf-Ablation

Als Alternative zur Operation bietet sich die noch relativ junge Methode der Dampfstrahlbehandlung an. Bei der sogenannten Wasserdampf-Ablation wird per Endoskop 107 Grad Celsius heißer Wasserdampf im Gewebe der Prostata verteilt. Nach der Behandlung schrumpft das überflüssige Gewebe dann zusammen.

Sven Hutter hat sich vor einigen Wochen einem minimalinvasiven Eingriff unterzogen, der sein Problem des ständigen Harndrangs endgültig beheben soll. "Das geschieht alles endoskopisch kontrolliert durch die Harnröhre und auf Sicht, das heißt, wir können genau sehen, wo wir behandeln. Der Wasserdampf wirkt nur bis zur Kapsel der Prostata und verdampft überschüssiges Drüsengewebe. Nerven für die Erektion werden nicht betroffen", sagt Secker.

Minimaler Eingriff - Potenz bleibt erhalten

Innerhalb von bis zu drei Monaten nach dem Eingriff wird das überschüssige Gewebe abgebaut und die Drüse verkleinert sich. Unerwünschte Nebenwirkungen - wie sie bei einer invasiven Operation im kleinen Becken drohen - sind damit so gut wie ausgeschlossen. Durch das minimalinvasive und nervenschonende Verfahren bleibt die Erektionsfähigkeit erhalten.

"Die Wasserdampf-Ablation ist noch ein relativ junges Verfahren, aber die positiven Ergebnisse sind schon gut über Studien abgesichert", meint Dr. Fabian Queißert, Leiter der Sektion Neurourologie sowie des Kontinenz- und Beckenbodenzentrums. "Junge Männer erleben nach dem Eingriff denselben Zustand wie vor ihrer Erkrankung - die Prostata bleibt oft über Jahre auf Normalgröße. Ältere Patienten mit Prostata-Hyperplasie, die eventuell auch noch Blutverdünner nehmen und bei denen eine Operation ein Risiko darstellen könnte, können wir so erfolgreich nicht-operativ behandeln".

Geringe Nebenwirkungen

Hutter spürt sechs Wochen nach dem Eingriff nur noch ein leichtes Stechen beim Wasserlassen. Die Schmerzen seien überschaubar gewesen, die Narkose habe er ohne Probleme überstanden und am drei Tage nach der Operation konnte er bereits nach Hause gehen. Alles in allem ist das Verfahren der Wasserdampf-Ablation im Vergleich zu " einer invasiven Operation mit nicht auszuschließenden Risiken echt entspannt", findet er.

Verschiedene Behandlungsmethoden bei vergrößerter Prostata

Zur Behandlung der Beschwerden gibt es verschiedene Methoden. So reicht es bei leichten Beschwerden, den Alltag etwas umzustellen und einmal im Jahr zur Kontrolluntersuchung zu gehen - empfiehlt das IOWiG. Es gibt unterschiedliche pflanzliche Mittel, die die

Symptome lindern sollen und rezeptfrei erhältlich sind. Allerdings sind diese noch nicht ausreichend erforscht, weshalb die deutsche Gesellschaft für Urologie von einer regelmäßigen Einnahme abrät.

Der Großteil der Männer, die wegen den Beschwerden ärztlichen Rat einholen, entscheiden sich für eine Behandlung mit Medikamenten. Meistens wird das Medikament Tamsulosin eingenommen, das die Prostata- und Blasenmuskulatur entspannt und somit das Wasserlassen erleichtert.

In ernsteren Fällen der Prostatavergrößerung kann ein operativer Eingriff vorgenommen werden. Dabei wird überflüssiges Gewebe des Organs entfernt oder zerstört . Allerdings haben diese Eingriffe häufig Störungen beim Samenerguss zur Folge.