Trotz aller medizinischer Fortschritte - ein Fakt steht beziehungsweise stand scheinbar unumstößlich fest: Im Alter lässt das Denkvermögen nach, das Gedächtnis wird schlechter. Diesen Prozess aufzuhalten, galt bisher als unmöglich. Doch Wissenschaftler der Stanford-University in Kalifornien haben nun einen Weg gefunden, den grauen Zellen eine Verjüngungskur zu verpassen. "Es ist nicht alles verloren", fasst Co-Studienautor Tony Wyss-Coray zusammen. 

Zumindest für Mäuse konnten die Forscher*innen nämlich nachweisen, dass die Infusion von Hirnwasser jüngerer Artgenossen das Gedächtnis älterer Mäuse verbessert. "Super spannend", nennt auch die Neurobiologin Maria Lehtinen die Ergebnisse in einem Beitrag der renommierten Fachzeitschrift Nature

Hoffnung auf Behandlungsmethoden für Demenz, Parkinson und Alzheimer

In ihrer Studien hatten die Forscher*innen älteren Mäusen eine Woche lang Gehirnwasser jüngerer Artgenossen, sogenannte Cerebrospinalflüssigkeit (CSF), direkt ins Gehirn injiziert. Dann verglichen sie das Erinnerungsvermögen der behandelten Mäuse mit Mäusen, bei denen die Prozedur nicht durchgeführt wurde. Das Ergebnis: Die behandelten Mäuse konnten sich in 40 Prozent der Fälle an einen zurückliegenden Reiz erinnern, die unbehandelten nur in 18 Prozent der Fälle. 

Entscheidend für den Erfolg der Behandlung sind laut Studie die in der Cerebrospinalflüssigkeit enthaltenen Proteine und Nährstoffe. Diese beeinflussen die Funktionsfähigkeit des Gehirns massiv. Allerdings verändert sich die Zusammensetzung des Hirnwassers im Laufe des Lebens. Während die positiven Eigenschaften nachlassen, werden entzündungsfördernde Substanzen in der Flüssigkeit häufiger. Das Ergebnis: Die Leistungsfähigkeit des Gehirns nimmt im Laufe der Zeit ab. 

Allerdings handelte es sich bei dem in der Studie untersuchten "Reiz" um eine relativ simple Form der Konditionierung - inwieweit sich die Ergebnisse auf den Menschen und auf komplexere Denkleistungen übertragen lassen, ist noch unklar. 

Dennoch weckt die Studie weltweit Interesse und Hoffnungen. Denn degenerative Hirn-Erkrankungen wie Demenz, Alzheimer oder Parkinson belasten nicht nur Betroffene und ihre Angehörigen massiv - sie stellen auch gesellschaftlich eine große Herausforderung dar. "Wir können nun damit beginnen, verschiedene Behandlungsmethoden und Therapien zu entwickeln", gibt sich Lehtinen optimistisch.

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