Eine Verletzung der Haut führt meist zu einer Wunde. Bis diese ausheilt, dauert es eine Weile. Doch eine Wunde sollte mit Vorsicht behandelt werden - schließlich kann es jederzeit zu Komplikationen kommen.

Wird die Wunde verunreinigt, kann das unter Umständen sogar eine Blutvergiftung nach sich ziehen, indem Keime in den Körper eindringen. Ein Forschungsteam der "Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa)" aus der Schweiz hat nun einen Wundverband entwickelt, der besonders resistente Bakterien an der Wunde bekämpfen kann. Das geht aus ihrem Bericht hervor, der im Fachjournal "Advanced Healthcare Materials" veröffentlicht wurde.

Neuer Wundverband tötet resistente Bakterien

In den vergangenen Jahren traten vermehrt Probleme bei Wundheilungen auf. Verantwortlich dafür sind Bakterien wie Staphylokokken, die eine gewisse Resistenz gegen Antibiotika aufweisen. Das macht eine Bekämpfung der Bakterien schwierig und sorgt im schlimmsten Fall für Lebensgefahr. Es lag daher im Interesse der Forscher, eine andere Möglichkeit zur Bekämpfung solcher Antibiotika-resistenten Bakterien zu finden. Während in diesem Fall der Fokus auf der Wundheilung liegt, haben US-Forscher ein Medikament entwickelt, dass alle Coronaviren abtötet.

Die Forscher der "Empa" entwickelten nun einen speziellen Wundverband. Dieser setzt sich aus fein gewebten Zellulose-Membranen zusammen, was eine Infektion durch hartnäckige Bakterien verhindern soll. Hergestellt werden die Zellulose-Fasern mit einer besonderen Methode - dem Electrospinning.

Dabei werden winzig kleine Fäden, deren Durchmesser unter einem Mikrometer liegt, zu einem dreidimensionalen Gewebe gesponnen. Das setzt sich in der Folge wiederum aus mehreren Schichten zusammen. Um für ausreichend Flexibilität und Stabilität des Gewebes zu sorgen, wird zusätzlich das Polymer Polyurethan mit eingesponnen.

Peptide führen zu antibakteriellem Effekt

Die Forschenden beschichteten das Material außerdem mit speziellen Eiweißbausteinen - sogenannten Peptiden. Dadurch soll der antibakterielle Effekt erzielt werden. Der Einsatz von Peptiden ist dank mehrerer Vorteile sinnvoll. Sie binden sich einerseits direkt an die Zellulosefasern. Andererseits zeichnen sich Peptide durch eine starke antimikrobielle Aktivität aus. Zudem sind sie einfach herzustellen und sind deutlich stabiler als größere Proteine.

Die Wissenschaftler wiesen in den Zellkulturexperimenten nach, dass der Verband für den menschlichen Körper problemlos verträglich ist. Für Bakterien wie Staphylokokken hingegen ist der Wundverband ein Albtraum. "In Bakterienkulturen wurden über 99,99 Prozent der Keime durch die Peptid-haltigen Membranen abgetötet", erklärt Forschungsleiterin Katharina Maniura vom "Biointerfaces-Labor" in St. Gallen.

Zukünftig könnte der Verband sogar noch weiterentwickelt werden. "Die Peptide könnten beispielsweise mit Bindungsstellen funktionalisiert werden, die eine kontrollierte Abgabe von weiteren therapeutischen Wirkstoffen ermöglichen", so die Prognose von Maniura.

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