• Krätze: So wird die Hautkrankheit übertragen
  • Bestimmte Körperstellen besonders betroffen
  • Diese Symptome sind für eine Diagnose wichtig
  • Infektionsschutz: Ist Krätze meldepflichtig?

Die Krätze - medizinisch Scabies genannt - kommt weltweit vor und betrifft Personen jeden Alters. Laut Robert Koch-Institut zeigen Daten aus Ländern mit einem kühlen Klima eine Tendenz für eine höhere "Krätze-Inzidenz" in der kalten Jahreszeit. Wie viele Menschen in Deutschland aktuell betroffen sind, können Statistiker aufgrund einer hohen Dunkelziffer nicht eindeutig feststellen. Die Zahl der Erkrankten dürfte aber seit einigen Jahren ansteigen. Die Barmer Krankenkasse hat 2017 zumindest auf Grundlage der eigenen Mitglieder herausgefunden, dass die Verschreibungen von Krätze-Medikamenten innerhalb eines Jahres um 60 Prozent gestiegen sind.

Wie bekommt man Krätze?

Vorab entgegen der landläufigen Meinung: Der Grund für Krätze ist nicht Unsauberkeit. Schämen muss sich also niemand, wenn er oder sie betroffen ist. Die Hauterkrankung wird laut der Krankenkasse AOK durch winzige Parasiten, die sogenannten Krätzmilben, verursacht. Die 0,3 bis 0,4 Millimeter kleinen Milben-Weibchen dringen in die obere Hornschicht der Haut ein und graben dort winzige Gänge, in denen sie ihre Eier ablegen. Sie sind mit dem bloßen Auge nicht sichtbar.

Übertragen wird die Hauterkrankung von Mensch zu Mensch, und zwar über Haut-zu-Haut-Kontakt. Die AOK-Ärztin Anja Debrodt beruhigt aber: "Kurze Berührungen wie Händeschütteln oder eine Umarmung zur Begrüßung reichen für eine Ansteckung üblicherweise nicht aus." Die Medizinerin erklärt: "Krätzmilben  bewegen sich sehr langsam, sie können nur über einen längeren, großflächigeren Hautkontakt übertragen werden, der mindestens fünf bis zehn Minuten dauert." Das ist etwa beim Kuscheln, wenn man zusammen in einem Bett schläft, beim Geschlechtsverkehr oder auch bei pflegerischen Tätigkeiten der Fall. Zunächst spüren die Betroffenen davon nichts, können die Krätze aber bereits übertragen. Erst nach drei bis sechs Wochen fängt laut AOK die Haut stark an zu jucken. Infolge des Kratzens können sich betroffene Hautstellen zusätzlich entzünden, Schuppen und Krusten entstehen. 

Eine Übertragung über Wäsche oder Gegenstände ist zwar möglich, allerdings selten

Krätze: Welche Körperstellen können betroffen sein?

Von der Milbe bevorzugte Körperstellen sind der seitliche Oberkörper, die Oberarme und Oberschenkel sowie die Genitalregion, die Analfalte, der Penisschaft, die Zehen- und Fingerzwischenräume, die Achselgegend sowie die Bereiche um den Nabel und um die Brustwarzen.

Der Rücken ist selten befallen. Auch Kopf und Nacken bleiben meist ausgespart.

Bei Säuglingen können auch Kopf und Gesicht sowie Handflächen und Fußsohlen betroffen sein. Die typischen Symptome sieht und spürt man hauptsächlich dort, wo die Milben sitzen.

Wie wird Krätze diagnostiziert?

Ein Verdacht auf Krätze sollte möglichst schnell abgeklärt werden, um Ansteckungen zu vermeiden.

Laut AOK kann ein Hautarzt mithilfe eines sogenannten Dermatoskops - ein Auflichtmikroskop - die Krätzmilbe und die typischen Gänge erkennen. Im besten Fall schafft er es, Milbe, Eier oder Kotballen aus einem Gang herauszuschaben, um das winzige Material unter dem Mikroskop zu untersuchen. Das gelingt aber nicht immer.

Deshalb ist der Arzt auch auf weitere Informationen angewiesen. Ein Hinweis auf einen Befall ist ein verstärkter Juckreiz in der Nacht. Des Weiteren weisen die erwähnten spezifischen Körperstellen auf die Krätzmilbe hin.

Was hilft gegen Krätze?

"Zur Behandlung der Krätze gibt es unterschiedliche Wirkstoffe, die meist mehrfach direkt auf die Haut aufgetragen werden, um so Milben und Eier abzutöten", sagt Ärztin Debrodt. "Kommt ein Eincremen nicht infrage oder bleibt der Therapieerfolg aus, kann auch mit Tabletten behandelt werden."

Hier findest du eine Auswahl an Mitteln gegen Krätzmilben

Die Behandlung von Säuglingen, Kleinkindern und Schwangeren sollte sehr sorgfältig mit Auswahl des geeigneten Wirkstoffes erfolgen. Eine Nachbehandlung der gereizten und ausgetrockneten Haut mit pflegenden Ölbädern oder Salben ist oftmals empfehlenswert.

In der Regel sind Erkrankte nach der äußerlichen Behandlung beziehungsweise 24 Stunden nach der Tablette nicht mehr ansteckend. "Der Juckreiz kann aber noch Wochen anhalten. Dagegen kann man sich ebenfalls Medikamente verschreiben lassen", weiß Debrodt. Krätze ist normalerweise keine schlimme, schon gar keine lebensbedrohliche Krankheit. Experten raten allerdings, sich auf alle Fälle behandeln zu lassen. Ansonsten befällt sie auch andere Körperstellen und es kommt zu großflächigen Ausschlägen und Juckreizen - abgesehen von der Gefahr, andere anzustecken.

Was ist die gefährliche Borkenkrätze?

Auf eine besonders schwerwiegende Form der Krätze weist die AOK hin: die Borkenkrätze. Sie kommt insbesondere bei Menschen vor, die aufgrund von Krankheiten oder Medikamenten keine Immunreaktion aufbauen können. So können sich die Milben ungehemmt vermehren.

Der Unterschied zur herkömmlichen Krätze ist, dass sich die Ausbreitung nicht auf eine Körperstelle beschränkt. Vielmehr bilden sich auf großen Teilen der Haut Rötungen sowie Schuppen und Krusten. Das Heimtückische ist, dass bei der Borkenkrätze der Juckreiz geringer sein kann oder gar fehlt.

Diese Form der Krätze ist sehr viel ansteckender als die gewöhnliche Krätze, auch schon bei nur kurzen Hautkontakten. Deshalb sollte der Betroffene umgehend isoliert und möglichst stationär behandelt werden. Alle Kontaktpersonen müssen zeitgleich behandelt werden.

Ist Krätze meldepflichtig?

Laut Infektionsschutzgesetz (IfSG) § 34 zählt die Krätze zu den meldepflichtigen Krankheiten, allerdings nur für Fälle in voll- oder teilstationären Unterkünften und Einrichtungen. Dem Robert Koch-Institut (RKI) zufolge zählen dazu unter anderem:

  • Kinder- und Jugendbetreuungen, wie Kindertagesstätten, Kinderhorte, Schulen und Heime, aber auch zum Beispiel Ferienlager
  • Unterbringungen älterer, behinderter oder pflegebedürftiger Menschen (ausgenommen Krankenhäuser)
  • Obdachlosenunterkünfte
  • Einrichtungen zur gemeinschaftlichen Unterbringung von Asylbewerbern, vollziehbar Ausreisepflichtigen, Flüchtlingen und Spätaussiedlern
  • Justizvollzugsanstalten

Privatpersonen, sofern sie in keiner entsprechenden Einrichtungen arbeiten, leben oder regelmäßig dort verkehren, müssen ihre Erkrankung nicht melden. Stellt ein Arzt bei einem Patienten die Krätze fest, wird er allerdings die Daten dem Gesundheitsamt übermitteln.

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