Im Sommer machen immer wieder Meldungen die Runde, die von einer Horror-Amöbe sprechen, einer "gehirnfressenden Amöbe": Die Rede ist von Naegleria fowleri. Der einzellige Organismus greift tatsächlich das Gehirn seiner Opfer an und führt bald zum Tod. 

Der Erreger wird als der tödlichste Parasit der Welt bezeichnet – mehr als 95 Prozent der Infizierten sterben an der von der Amöbe ausgelösten Meningoenzephalitis. In einem Beitrag für T-Online spricht Autor und Kolumnist Philip Kohlhöfer, der auch für das "Forschungsnetz Zoonotische Infektionskrankheiten" tätig ist, gar von einer Letalitätsrate von 98 Prozent. 

Naegleria fowleri – hier lauert die gehirnfressende Amöbe

Der Einzeller lauert in warmen Gewässern und hier nur in Süßwasser. Daher wird er gerne als Badeseen-Horror umschrieben. Doch es gibt keine Veranlassung, panisch Badegewässer zu meiden, denn so tödlich eine akute Erkrankung aufgrund Naegleria fowleri ist, so selten ist sie. Als Verbreitungsgebiete gelten vor allem Pakistan und die USA – dort vor allem in wärmeren Südstaaten. 

In Europa ist der letzte Infektionsfall aus Spanien im Jahr 2018 bekannt. Dort infizierte sich ein Mädchen – und überlebte. Der letzte Todesfall in Europa liegt 44 Jahre zurück. In Deutschland ist noch nie ein Mensch an der Krankheit gestorben. 

Die Amöbe kommt in tropischen Gewässern vor, aber auch in Sedimenten von Badeseen kann sie lauern. Darüber hinaus ist es möglich, dass sie sich in künstlich erwärmten Süßgewässern tummelt, etwa in Wassertanks und schlecht gereinigten Pools. In einem jüngeren Fall in den USA infizierte sich ein Mann wohl in einer Surf- und Wasserski-Anlage. 

Wie infiziert man sich mit der Gehirn-Amöbe?

Menschen, die in den genannten Gewässern wie Pools und Seen baden, setzen sich potenziell einer Infektionsgefahr aus. Da der Organismus jedoch durch die Magensäure zersetzt wird, ist ein Schlucken von Wasser ungefährlich. 

Gerät Wasser jedoch in die Nase, kann der Erreger in den Körper eindringen und das Gehirn infizieren. Eine Übertragung durch Aerosole ist nicht bekannt.

Ebenso ist es nicht bekannt, dass der Erreger von Mensch zu Mensch übertragen werden kann. Die US-amerikanische Gesundheitsbehörde CDC ist hier recht eindeutig: Eine Ansteckung sei nicht möglich. 

Was passiert bei einer Infektion und was sind die Symptome?

Die Gehirn-Amöbe ernährt sich von anderen Einzellern und fährt damit auch im Gehirn mit den dortigen Zellen fort. Sie zerstört – und ja, frisst buchstäblich – Gehirnzellen. Das Gehirn entzündet sich, auch durch die Immunreaktion, schwillt an und wird Stück für Stück zerstört. 

Naegleria fowleri verursacht dadurch eine Amöben-Meningoenzephalitis, die in ihrem Frühstadium einer bakteriellen Meningitis ähnelt. Die Symptome können stark variieren und sind aufgrund der niedrigen Fallzahl auch nicht ausreichend statistisch aufgeschlüsselt. Meist treten aber im Verlauf von fünf Tagen nach Infektion Kopfschmerzen, Erbrechen und Schwindel auf, dazu kommen Verwirrung, ein steifer Nacken und Gleichgewichtsprobleme. 

Üblicherweise führt die Erkrankung im Lauf von etwa fünf Tagen, höchstens aber nach zwei Wochen, zum Tod. 

Gibt es ein Heilmittel gegen die Amöben-Infektion? 

Die CDC sagt hierzu: Es sei nicht klar, was wirklich hilft. Es gebe einige Medikamente, die im Labor erfolgreich eingesetzt wurden. In der Praxis gibt es aufgrund der hohen Todesrate nur wenige Erkenntnisse, welche Medikamente wirklich helfen. Die CDC berichtet aber von einem neuen Medikament namens Miltesfosin, das in zwei Fällen eingesetzt wurde, in denen Menschen eine Infektion überlebten. 

In Deutschland ist die Amöbe nicht verbreitet – ob sie hier gelegentlich vorkommt, aber keine tödlichen Fälle auslöst, ist nicht bekannt. Kohlhöfer geht in seinem Beitrag bei T-Online darauf ein, dass es durchaus möglich ist, dass es Fälle gibt, die niemals aktenkundig werden und die Sterberate womöglich gar nicht so hoch wie angenommen ist. In Endemiegebieten wurden nämlich immer wieder spezifische Antikörper nachgewiesen, sodass es auch sein kann, dass mehr Menschen infiziert werden, als man denkt. Warum manche dann so schnell sterben, ist nicht bekannt, wie so vieles bei diesem Parasiten. 

Ob eine klimabedingte Erwärmung auch hierzulande, gerade bei Süßwasser, zu einem häufigeren Auftreten der Amöbe und damit auch zu tödlichen Fällen in Deutschland, führen wird, bleibt abzuwarten, ist aufgrund der bevorzugten Lebensbedingungen in warmem Wasser, nicht auszuschließen.