• Was bedeutet hormonfreie Verhütung?
  • Antibaby-Pille und Co.: Nebenwirkungen durch Hormone
  • Diese hormonfreien Verhütungsmethoden gibt es
  • Hier zeigen wir dir die Vor- und Nachteile hormonfreier Verhütung

Pille, Spritze oder Hormonspirale - Möglichkeiten zur hormonellen Verhütung gibt es viele. Allerdings wünschen sich immer mehr Frauen alternative Verhütungsmethoden ohne Hormone. Was es mit NFP, Diaphragma und Femidom auf sich hat und welche hormonfreien Verhütungsmethoden es noch gibt, erklären wir in diesem Artikel.

Was bedeutet hormonfreie Verhütung?

Die hormonellen Verhütungsmethoden wie etwa die Antibabypille oder die Hormonspirale beeinflussen den Hormonhaushalt bei Frauen. Hormonelle Verhütungsmittel sind sehr sicher, da die meisten den Eisprung unterdrücken und deshalb keine Befruchtung stattfinden kann. Ein eher unnatürlicher Eingriff in den weiblichen Zyklus, von den Nebenwirkungen der Hormone ganz zu schweigen. Viele Frauen machen aber auch positive Erfahrungen mit hormonellen Verhütungsmethoden, doch der Trend steuert derzeit auf hormonfrei zu.

Der weibliche Körper besitzt von Grund auf verschiedene natürliche Hormone. Hormone sind Substanzen, die von einem Organ im Körper produziert und ausgesendet werden und ihre Signalwirkung in einem ganz anderen Organ ausüben. Im Menstruationszyklus spielen zum Beispiel Progesteron, Östrogen und Prolastin eine Rolle. Je nach Zyklusphase verändert sich der Hormonspiegel, denn der monatliche Zyklus wird von den Hormonen gesteuert. 

Hormonfrei zu verhüten bedeutet ganz einfach, dem Körper keine zusätzlichen „fremden“ Hormone unterzujubeln und nicht in den natürlichen weiblichen Zyklus einzugreifen. Damit unterstützt du deine Gesundheit, weil dein Körper lernt, sich auf deinen individuellen Zyklus einzustellen und nicht „von außen“ gesteuert wird.

Nebenwirkungen durch hormonelle Verhütungsmethoden

Die Antibabypille ist in der Regel ein zuverlässiges Verhütungsmittel und wurde in den 1960er Jahren als Meilenstein in der Geschichte der Selbstbestimmung der Frau gefeiert. Mit den Jahren kamen weitere hormonelle Verhütungsmittel wie etwa die Spirale oder Hormonpflaster dazu. Doch nicht wenige Frauen spüren gesundheitliche Beeinträchtigungen durch die Hormonzufuhr: Kopfschmerzen bis hin zu Migräne, depressive Verstimmungen, Libidoverlust und Gewichtszunahme sind keine seltenen Begleiterscheinungen.

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Die Pille, der Vaginalring und das Hormonpflaster erhöhen beispielsweise das Risiko auf Venenthrombose, Lungenembolie, Herzinfarkt, Schlaganfall, Bluthochdruck und Beschwerden der Gallenblase. Zudem können hormonelle Verhütungsmittel allergische Reaktionen hervorrufen. Sie zeigen sich zum Beispiel in Form von Juckreiz und Schwellungen im Gesicht oder Rachen. Vor allem bei der Umstellung nach Absetzen des hormonellen Verhütungsmittel klagen viele über Beschwerden wie Haarausfall, Pickel oder starke Stimmungsschwankungen. Kein Wunder: Der Körper muss mit der drastischen Veränderung erstmal zurechtkommen und sich wieder daran gewöhnen, ohne fremde Hormone zu leben, die bisher den weiblichen Zyklus bestimmt haben.

Die positive Seite dahinter: Durch den Umstieg auf hormonfreie Verhütung erfahren viele ein ganz neues, positives Körpergefühl. Wenn auch du unter Nebenwirkungen der hormonellen Verhütung leidest, ist die hormonfreie Verhütung einen Versuch wert, um dich wieder wohler in deiner Haut zu fühlen und deinen Körper und den weiblichen Zyklus auf seine natürliche Weise kennenzulernen. 

Hormonfreie Verhütungs-Alternative: NPF durch Temperaturmessen

NFP bedeutet „Natürliche Familienplanung“ und ist eine moderne, hochsichere und natürliche Methode, mit der du ganz einfach lernen kannst, fruchtbare und unfruchtbare Phasen in deinem Zyklus zu erkennen. Viele nutzen diese Methode, um schwanger zu werden. Allerdings eignet sie sich auch sehr gut zum Verhüten. Die Vorteile: NFP hat keine gesundheitlichen Nebenwirkungen und eine sehr hohe Sicherheit. Außerdem lernen Frauen durch die Selbstbeobachtung die Vorgänge in ihrem Körper besser kennen und verstehen. 

Für NFP werden bestimmte Körperzeichen beobachtet, die sich im Zyklusverlauf ganz eindeutig verändern: Zervixschleim, Gebärmutterhals und die Basaltemperatur, die nach dem Eisprung um 0,2 bis 0,5 Grad Celsius ansteigt. NFP ist letztlich angewandte Biologie: Jeden Morgen vor dem Aufstehen, vor dem ersten Schluck Kaffee oder Wasser und vor dem ersten Toilettengang wird mit einem geeignetem Thermometer deine Basaltemperatur gemessen. Dazu kannst du dir beispielsweise den Zykluscomputer Daysy* zulegen, der dir durch grünes und rotes Licht deine fruchtbaren und unfruchtbaren Tage anzeigt. Nachteil: Die einmalig teure Anschaffung - allerdings kein Vergleich zu lebenslangen Pillenkosten. 

Alternativ kannst du dir einfach ein Thermometer mit zwei Nachkommastellen in der Apotheke oder in der Drogerie kaufen, und deine Temperatur manuell jeden morgen in eine Tabelle eintragen. So siehst du deine Temperaturkurve und kannst herauslesen, welche Tage fruchtbar oder unfruchtbar sind und wann du deinen Eisprung hast, um zusätzlich zu verhüten.

Hormonfreie Alternative: Kupferkette oder Kupferspirale

Die Kupferspirale und Kupferkette gehören zu den beliebtesten hormonfreien Methoden. Die Kupferspirale ist ein T-förmiger, mit Kupfer umwickelter Plastikkörper, der in die Gebärmutter eingesetzt wird. Dort verändert er, ebenso wie die Kupferkette, den Schleim oder hemmt die Beweglichkeit der Spermien, denn beide geben kleine Mengen Kupferionen an die Gebärmutter ab.

Wird trotzdem ein Ei befruchtet, kann es sich durch die mechanische Wirkung der Spirale oder der Kette nicht in der Gebärmutter einnisten. Der große Vorteil: Die Spirale hält drei bis sieben Jahre. In dieser Zeit brauchst du dir keine Gedanken um Verhütung zu machen. 

Allerdings ist die Spirale ein Fremdkörper und kann Entzündungen in der Gebärmutterschleimhaut verursachen. Erfahrungsberichte von Frauen weisen auch auf mögliche Verwachsungen hin. Die Monatsblutung und die Menstruationsschmerzen können ebenfalls durch die Spirale verstärkt werden und das Infektionsrisiko ist in den ersten Wochen nach dem Einlegen leicht erhöht.

Hormonfreie Alternative: Diaphragma

Das Diaphragma ist ein aus Latex oder Silikon bestehendes, mechanisches Verhütungsmittel. Es handelt sich um eine schmale Kappe, die den Muttermund verschließt. Das verhindert, dass Spermien in die Gebärmutter eindringen. Je nach Produkt hat sie eine Schlaufe zum entfernen. Die exakte Position auf dem Muttermund ist entscheidend für die Sicherheit. Deshalb müssen sie vom Frauenarzt angepasst werden. 

Das Diaphragma wird etwa zwei Stunden vor dem Geschlechtsverkehr eingesetzt und frühestens nach acht Stunden wieder entfernt. Mit spontanem Sex wird es dann allerdings schwer. Zum Einsetzen werden die Ränder leicht zusammengedrückt und ähnlich wie ein Tampon tief in die Scheide eingeführt. Der Muttermund sollte nun vollständig verschlossen sein. Zur Erhöhung der Sicherheit empfiehlt es sich, das Diaphragma vorher mit einem Spermizid, einem Spermien abtötenden Gel, einzureiben. 

Der Vorteil ist, dass die Anwendung nach etwas Übung leicht klappt. Es braucht nur bei Bedarf angewendet werden und der weibliche Zyklus wird nicht beeinträchtigt. Allerdings setzt ein Diaphragma gute Beratung und Anpassung an deinen Körper voraus, und es dauert ein wenig, bist du Routine erlangst. Der richtige Zeitpunkt zum Einsetzen ist oft schwer zu bestimmen. Es darf maximal zwei Stunden vor dem Geschlechtsverkehr eingesetzt werden, denn zu früh reduziert die empfängnishemmende Wirkung und zu spät wiederum kann es stören. 

Hormonfreie Alternative: Kondom und Femidom

Der Klassiker: Das Kondom darf natürlich in der Auflistung hormonfreier Verhütungsmittel nicht fehlen. Und Verhütung ist schon lange nicht mehr nur Frauensache. Es kann zwar durchaus mal reißen, aber wie bei jeder Verhütungsmethode gilt: Je geübter es angewendet wird, desto sicherer ist es. Außerdem schützt es vor Geschlechtskrankheiten und ist eine der wenigen hormonfreien Lösungen für geschützten Sex an fruchtbaren Tagen. 

Auch für Frauen gibt es seit 1990 ein Kondom: Das Femidom kann eine Schwangerschaft verhindern und senkt ebenso das Risiko, sich mit sexuell übertragbaren Krankheiten anzustecken. Das Femidom besteht aus einer dünnen Latex- oder Polyurethan-Hülle mit einem geschlossenen und einem offenen Ende. Die geschlossene Seite wird in die Scheide eingeführt. Wichtig ist, dass es vorher von außen und innen mit einem wasserlöslichen Gleitgel oder einem Spermiziden Gel bestrichen wird. So kann es nicht am Penis haften bleiben. 

Bei korrekter Anwendung, verhindert das Femidom, dass Spermien in die Gebärmutter gelangen. Es kann wie ein Kondom auch nur einmal verwendet werden und ist somit nicht die umweltfreundlichste Variante.

Hormonfreie Alternative: Sterilisation

Die letzte hormonfreie Methode ist die Sterilisation. Bei diesem Eingriff werden die Eileiter beziehungsweise die Samenleiter durchtrennt oder geclippt, wodurch keine Ei- und Samenzellen mehr transportiert werden können. Das setzt prinzipiell voraus, nicht mehr schwanger werden zu wollen, denn der Eingriff lässt sich nicht oder nur schwer rückgängig machen. Über andere Wege, wie Leihmutterschaft oder Adoption, kann dem Kinderwunsche allerdings weiterhin nachgegangen werden. Zwei von tausend Frauen werden trotz Sterilisation schwanger.

Die Sterilisation der Frau birgt jedoch ein gewisses Narkoserisiko, weil der Eingriff unter Vollnarkose oder mit örtlicher Betäubung durchgeführt wird. Außerdem können in seltenen Fällen Gefäße oder angrenzende Organe verletzt werden, die für die Versorgung der Eierstöcke wichtig sind. Bei Männern ist die Sterilisation (Vasektomie) vergleichsweise risikoarm. 

Trotzdem kann es wie bei jedem operativen Eingriff zu Komplikationen wie Blutungen, Wundheilungsstörungen oder Entzündungen kommen. Der Vorteil: ein Eingriff, und nie mehr Gedanken um die Verhütung machen. Aber ist es dir das wert? Diese Methode sollte wirklich nur angewandt werden, sofern du dir umfassend Gedanken über Kinderwunsch und Familienplanung gemacht hast.

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