• Ursachen für Nahrungsmittelunverträglichkeiten
  • NahrungsmittelallergieDie schwierige Suche nach dem auslösenden Stoff
  • Verschiedene Nahrungsmittelintoleranzen können auch in Kombination auftreten

Wenn du nach dem Essen unter Beschwerden wie Durchfall oder Kopfschmerzen leidest, kommen verschieden Ursachen dafür in Betracht. Häufig stecken Unverträglichkeiten gegen bestimmte Nahrungsmittel, sogenannte Nahrungsmittelintoleranzen, dahinter. Aber auch eine Nahrungsmittelallergie könnte diese Symptome verursachen. Im Unterschied zu Nahrungsmittelunverträglichkeiten kommen Allergien wesentlich seltener vor, die Unterscheidung ist jedoch schwierig. Beide Begriffe werden häufig missverständlich angewendet und durcheinander geworfen.

Nahrungsmittelallergie: Die schwierige Suche nach dem auslösenden Stoff

Bei einer Nahrungsmittelallergie reagiert unser Immunsystem überempfindlich auf eigentlich harmlose Eiweiße, die sich in Nahrungsmitteln befinden. Bei einer allergischen Reaktion reichen die Symptome von Hautausschlag, Juckreiz oder Anschwellen der Schleimhäute im Mundbereich, Übelkeit, Durchfall und Erbrechen bis hin zu Atemnot, Kreislaufversagen und einem allergischen Schock. Aber auch der sogenannte Sinusitis-Kopfschmerz und Migräne können durch bestimmte Nahrungsmittelallergien ausgelöst werden.

Unser Immunsystem kannst du dir wie eine Kontrolleinheit des Organismus vorstellen, die aus vielen verschiedenen Immunzellen besteht. Diese entfernen zum Beispiel Krankheitskeime und fremde Substanzen. Aber sie sind auch für die Zerstörung körpereigener Zellen zuständig, die unkontrolliert wachsen, wie zum Beispiel Krebszellen. Das Immunsystem muss also lernen, was zum Körper gehört und was nicht und welche Substanzen es als gefährlich oder harmlos einstuft. Wie sieht es nun bei Nahrungsmitteln aus? Einerseits sind sie körperfremd, andererseits benötigen wir sie zum Überleben und deshalb sollten sie vom Immunsystem als ungefährlich eingestuft werden. Bei einer Nahrungsmittelallergie erkennt das Immunsystem Eiweiße in bestimmten Lebensmitteln jedoch als körperfremd und Immunzellen bilden Abwehrzellen gegen sie aus. Es gibt vier Allergie-Typen, von denen zwei mit Nahrungsmitteln in Zusammenhang stehen:

  • Allergie vom Soforttyp (Typ-1-Allergie): Nach der Sensibilisierung, bei der der Körper bereits IgE-Antikörper gegen das vermeintliche Fremdeiweiß gebildet hat, kommt es beim erneuten Kontakt mit dem Allergen zur Ausschüttung des Entzündungsbotenstoffs Histamin. Innerhalb von Minuten bis wenigen Stunden entstehen die allergietypischen Symptome.
  • Allergie vom verzögerten Typ (Typ-4-Allergie): Seltener als die IgE-vermittelte Reaktion kann eine allergische Reaktion auf Nahrungsmittel auch durch sogenannte T-Immunzellen ausgelöst werden. Hier treten die Symptome allerdings wesentlich später auf. So kann es erst nach zwei Tagen beispielsweise zu Allergiesymptomen kommen. 

Welche Nahrungsmittel lösen am häufigsten Allergien aus?

  • Kuhmilch- und Hühnereiweiß
  • Soja, Weizen, Erdnuss, Walnüsse, Haselnüsse,
  • Fisch und Schalentiere  
  • Kern- und Steinobst, Sellerie und Möhren 
  • Samen

Außerdem kann auch eine Pollenallergie mit einer Allergie auf bestimmte Nahrungsmittel zusammenhängen. Denn die Antikörper, die der Körper gegen die Pollen ausbildet, ähneln manchmal denen in Nahrungsmitteln, zum Beispiel in Obst und Gemüse. Dies wird als Kreuzallergie bezeichnet. 

Echte Nahrungsmittelallergien kommen wesentlich seltener vor als Nahrungsmittelintoleranzen. Ideal wäre es, wenn du alle allergieauslösenden Nahrungsmittel meidest. Dazu musst du natürlich wissen, welche Nahrungsmittel die Allergie bei dir auslösen. Hier hat sich das Führen eines Nahrungsmittelsymptom-Tagebuchs als sehr hilfreich erwiesen. Hier trägst du ein, wann welche Symptome nach dem Verzehr von bestimmten Nahrungsmitteln auftreten. Darüber können sich schon mögliche Zusammenhänge zeigen. Zudem können Fachärzte*innen auch spezifische Haut- und Bluttests durchführen, die IgE-Antikörper anzeigen. Diese können dann für deine allergischen Reaktionen verantwortlich sein. Einen sicheren Nachweis kann jedoch nur ein oraler Provokationstest bringen. Hier nimmst du unter ärztlicher Aufsicht ein Nahrungsmittel zu dir, von dem eine allergische Reaktion erwartet wird. 

Verschiedene Nahrungsmittelintoleranzen können auch in Kombination auftreten

Bei einer Nahrungsmittelunverträglichkeit ist das Immunsystem nicht beteiligt. Hier fehlen deinem Körper bestimmte Enzyme oder Transportproteine, die für die Aufspaltung der Nahrung notwendig sind. Nicht verstoffwechselte Nahrungsbestandteile können dann in den Darm gelangen und dort zu Darmbeschwerden wie Blähungen und Durchfall, aber auch zu Kopfschmerzen führen. 

  • Fruchtzuckerunverträglichkeit (Fruktoseintoleranz): Bei der gemeinhin als Fruktoseintoleranz bezeichneten Unverträglichkeit ist eigentlich die sogenannte Fruktosemalabsorption gemeint. Diese grenzt sich deutlich von der selteneren angeborenen Fruktoseintoleranz ab. Bei der Fructosemalabsorption ist das Transportprotein, das für die Aufnahme von Fruchtzucker im Dünndarm zuständig ist, gestört. Fruchtzucker kann somit bis in den Dickdarm gelangen, wo es von Bakterien abgebaut wird. Dadurch bilden sich unter anderem Darmgase, die die typischen Darmbeschwerden hervorrufen. Ob du an einer Fruktoseintoleranz leidest, kannst du über einen bestimmten Atemtest feststellen lassen. 
  • Milchzuckerunverträglichkeit (Laktoseintoleranz):  Wegen eines Enzymmangels vertragen rund 15 % der Deutschen Milchzucker (Laktose) nur in kleinen Mengen. Das Enzym Laktase sorgt im Darm für die Aufspaltung des Milchzuckers und bei einem Mangel wird Laktose nicht ausreichend abgebaut. Gelangt Laktose in den Dickdarm, wird er von den Dickdarmbakterien zerlegt, was zu Blähungen und Durchfall führen kann. Auch eine Milchzuckerunverträglichkeit kannst du über einen Atemtest feststellen lassen. Mittlerweile findest du im Handel viele laktosefreie Produkte. Außerdem kannst du das fehlende Enzym als Tablette zum Essen einnehmen, wenn Lebensmittel Laktose enthalten.
  • Weizensensitivität oder Glutensensitivität: Glutenhaltiges Getreide scheint bei immer mehr Menschen Beschwerden zu verursachen. Wenn du nach dem Verzehr von Weizen, Dinkel oder Roggen unter Magen-Darm-Beschwerden leidest, könnte es sein, dass bestimmte Eiweiße (Amylase-Trypsin-Inhibitoren) in Weizen bei dir Entzündungen an der Darmschleimhaut hervorrufen. Wichtig ist hier die Abgrenzung zur Zöliakie oder Glutenunverträglichkeit, bei der es sich um eine Autoimmunerkrankung handelt. Wenn du unter Darmbeschwerden nach dem Verzehr von bestimmten Getreidesorten leidest, kann eine FODMAP-arme Diät hilfreich sein.
  • Histaminunverträglichkeit (Histaminintoleranz): Hierbei liegt eine Unverträglichkeit gegenüber dem Eiweißstoff Histamin vor. Unser Körper produziert selbst Histamin, der Stoff befindet sich aber auch in bestimmten Lebensmitteln, unter anderem in Hartkäse, Rotwein, Tomaten, Salami- und Wurstwaren, aber auch in Sauerkraut, Schokolade, Kiwi und Erdbeeren. Normalerweise wird Histamin im Dünndarm durch das Enzym Diaminoxidase (DAO) abgebaut. Fehlt dieses Enzym, kann dein Körper auf die erhöhte Histamin-Konzentration mit unterschiedlichen Symptomen wie Durchfall oder Kopfschmerzen reagieren.
  • Sorbitintoleranz (Zucker­alkoholunverträglichkeit): Wenn die Aufnahme des Zuckeralkohols Sorbit im Dünndarm gestört ist, sprechen Mediziner*innen von einer Sorbitintoleranz. Unser Körper stellt Sorbit selbst her, der Stoff befindet sich unter anderem aber auch in Obst, Bier und Beeren. Häufig findet sich industriell hergestelltes Sorbitol auch als Lebensmittelzusatzstoff E420 in bestimmten Lebensmitteln wie Süßigkeiten, weil hier weniger Kalorien enthalten sind und Sorbit weniger Karies verursacht als üblicher Haushaltszucker. Zudem ist der Zuckeralkohol auch in Medikamenten wie Mundspülungen, Hustensirup oder Abführmitteln sowie in Diabetikerprodukten und in Kosmetika enthalten. Ob du Sorbit verträgst oder nicht, kannst du wie bei einer Laktose- und Fruktoseunverträglichkeit über einen Atemtest feststellen lassen. Bestätigt der Test, dass du an einer Sorbitunverträglichkeit leidest, solltest du den Verzehr sorbitreicher Lebensmittel vermeiden oder einschränken, denn nur so lassen sich Beschwerden verhindern. Zudem solltest du ebenfalls Produkte meiden, die andere Zuckeraustauschstoffe enthalten wie Mannit, Isomaltit, Maltit und Laktit, da sie möglicherweise ebenfalls Blähungen und Durchfall verursachen können.

Verschiedene Intoleranzen können dabei auch kombiniert auftreten. Diese sogenannten Multi-Intoleranzen können zum Beispiel durch Zusatzstoffe in der Nahrung, eine längere Antibiotika-Einnahme oder schwere Magen-Darm-Infekte entstehen. Hierdurch kann es zu Irritationen der Darmflora und zu Entzündungen an der Darmschleimhaut kommen. In der Folge wird der Darm durchlässiger für Nährstoffe und Bakterien, die eigentlich nicht in die Blutbahn geraten sollten und es kommt zu verschiedenen Unverträglichkeitsreaktionen.

Fazit: Bei Kopfschmerzen und Durchfall nach dem Essen solltest du die Ursachen erforschen

Reaktionen wie Durchfall oder Kopfschmerzen nach dem Essen solltest du nicht ignorieren, sondern der Ursache auf den Grund gehen. Denn eine unangepasste Ernährung oder eine ausbleibende Behandlung können schwerwiegende Ernährungsmängel zur Folge haben und deine Lebensqualität stark beeinträchtigen. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert ein interdisziplinäres Konsortium von Forschenden mit rund 3 Millionen €, um die bisher eher ungenauen und damit ineffektiven diagnostischen und therapeutischen Ansätze zu verbessern.

Buchtipp: Darm mit Charme: Alles über ein unterschätztes Organ

Stellst du bei dir Magen-Darm-Symptome wie Durchfall und Blähungen oder auch Kopfschmerzen nach dem Verzehr bestimmter Nahrungsmittel fest, solltest du zunächst versuchen herauszufinden, welche Nahrungsmittel das sind. Teilweise treten die Symptome wenige Minuten nach dem Verzehr auf, manchmal aber auch erst nach Tagen. Das macht die Suche nicht leichter. Dir stehen aber verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung, die dir die Suche erleichtern:

  • Führe ein Nahrungsmittelsymptom-Tagebuch, in dem du genau notierst, welche Symptome in welchem zeitlichen Abstand zum Verzehr bestimmter Nahrungsmittel aufgetreten sind.
  • Schließe Nahrungsmittelallergien aus, indem du in einer Arztpraxis einen Haut- oder Bluttest durchführen lässt. Allergische Reaktionen können neben Durchfall und Kopfschmerzen zu lebensgefährlichen allergischen Schocks führen.
  • Teste mit verschiedenen Testverfahren wie einer Atemgas- oder einer Stuhlanalyse eine mögliche Unverträglichkeit auf Fruktose, Laktose, Sorbit, Weizen, Gluten oder Histamin. Ansonsten kann es zu Mangelerscheinungen kommen, wenn zum Beispiel die Darmschleimhaut geschädigt wird oder wichtige Nährstoffe nicht aufgenommen werden können. Auch bestimmte Diäten wie die FODMAP-arme Diät oder die Zufuhr von fehlenden Enzymen kann die Symptome merklich lindern. Unter Umständen ist es nötig, dass du den unverträglichen Stoff komplett meidest oder zumindest den Verzehr reduzierst.

Wenn die möglichen Auslöser gefunden sind, solltest du dich um eine professionelle Ernährungsberatung kümmern, die spezielle Ernährungsempfehlungen für dich ausarbeitet. Dadurch können Mängel verhindert werden und eventuell kannst du nach einer gewissen Karenzzeit Lebensmittel, die du vorher nicht vertragen hast, wieder in deinen Speiseplan aufnehmen. Wichtig: Neben Allergien und Unverträglichkeiten können auch schwerwiegende Ursachen für Durchfall und Kopfschmerz nach dem Essen infrage kommen. Insbesondere bei häufigem Durchfall verlierst du viel Flüssigkeit und Mineralien (Elektrolyte). Wenn die Beschwerden dauerhaft auftreten, sich verstärken oder du immer mehr Gewicht verlierst, solltest du ärztlichen Rat einholen.

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