• Psychische Erkrankungen nehmen zu
  • Depressionen haben viele Gesichter
  • Depression und Burnout - das sind die Unterschiede!
  • Das kannst du tun und hier findest du Hilfe!

Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde e. V. (DGPPN) informiert regelmäßig über die Entwicklungen im Bereich der psychischen Erkrankungen in Deutschland. Danach ist bundesweit mehr als jeder Vierte davon betroffen. Angststörungen, Depressionen sowie Störungen durch Alkohol- oder Medikamentengebrauch zählen dabei zu den TOP 3 der häufigsten Krankheitsbilder. In ihrem Bericht aus dem August 2021 konstatiert die DGPPN, dass "Menschen mit psychischen Erkrankungen […] zudem im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung eine um 10 Jahre verringerte Lebenserwartung" aufweisen.

In die Diskussionen rund um das Thema Depression mischt sich häufig der Begriff des sogenannten Burnout-Syndroms. Im aktuell (Januar 2022) neu erscheinenden ICD-Katalog hat die dafür zuständige Weltgesundheitsorganisation (WHO) nun erstmals das Burnout-Syndrom in das Klassifikationssystem ICD-11 aufgenommen. Jedoch nicht als eigenständige Krankheit

Depressionen haben viele Gesichter

Sowohl die Ursachen als auch Verläufe, Formen und Grade der Ausprägungen sind bei Depressionen sehr unterschiedlich. "DIE" Depression gibt es somit nicht. Meist sind außergewöhnlich belastende Lebensereignisse (Trennung vom Partner, Tod von nahen Angehörigen oder Freunden, Verlust der Arbeit, massiver Leistungsdruck, Einsamkeit, finanzielle Probleme, lebensbedrohliche Krankheiten, wie beispielsweise Krebs) der Auslöser. Allerdings: Nicht alle Menschen reagieren auf solche einschneidenden Ereignisse mit einer Depression.

Abgeleitet vom lateinischen Wort „deprimere“, was so viel bedeutet wie „herunter- oder niederdrücken“, handelt es sich bei Depressionen um psychische Störungen, "bei denen über längere Zeiträume charakteristische Symptommuster mit ausgeprägten Stimmungsveränderungen auftreten." Zu diesen Symptomen zählen zum Beispiel:

  • Antriebsmangel und Freudlosigkeit
  • Denk- und Konzentrationsstörungen
  • Müdigkeit und Energiemangel
  • geringes Selbstwertgefühl
  • Schlafstörungen

Neben einer besonderen Vulnerabilität (Dünnhäutigkeit, Verletzbarkeit) und Stressanfälligkeit bzw. geringen Belastbarkeit, zählen nach Ansicht von Forschern auch genetische bzw. biologische Faktoren zu den Ursachen von Depressionen. Im Zusammenspiel mit den "psychosozialen und biografischen Krisen", können sich Hirnareale verändern und letztlich eine Depression auslösen. 

Die mit Depressionen einhergehenden Verstimmungen halten überwiegend über einen längeren Zeitraum an und wirken tiefgreifend in das emotionale Erleben der Betroffenen hinein. Ausgeprägte Phasen der Resignation, Gefühle der Ausweglosigkeit oder wochenlange soziale Rückzüge isolieren und verhindern eine gesunde Reflexion. So erscheint der Weg hinaus unmöglich. Stattdessen verfallen Betroffene ins Grübeln und verfangen sich in ihrer Gedankenwelt. 

Depression oder Burnout - das sind die Unterschiede!

Der Begriff „Burnout-Syndrom“ kam erstmals in den 70er Jahren auf und wurde als Reaktion auf chronische (Über-)Belastung im Beruf verstanden. Nach jüngster WHO-Definition lässt sich das Burnout-Syndrom anhand der folgenden drei Dimensionen beschreiben:

  • Gefühle der Erschöpfung
  • Erhöhte mentale Distanz zum Arbeitsplatz verbunden mit Gefühlen von Negativismus oder Zynismus im Zusammenhang mit dem Job
  • Reduzierte professionelle Wirksamkeit

An Burnout leidende Menschen finden ihre Identität oft nur über das Erbringen von (noch) mehr Leistung und haben darüber hinaus Schwierigkeiten, ihr Selbst außerhalb dieses Leistungsspektrums zu erkennen und wertzuschätzen. Weil eine hohe Leistungsorientierung in unserem Gesellschaftssystem in der Regel mit hohem Ansehen verbunden ist, wird eine empfundene Überforderung schnell als Schwäche interpretiert. Die Folge: Man geht so weit über seine Grenzen, bis es zum Burnout kommt. Dieser verläuft nach Freudenberger und North (1992) von ersten Alarmreaktionen über Widerstand bis hin zur völligen Erschöpfung in 12 Phasen

Während sich ein Burnout meist kontextbezogen, vorzugsweise im Arbeitsumfeld, herausbildet und erst in seinem Verlauf auf andere Lebensbereiche überspringen kann, lassen sich bei einer Depression diese negativen Auswirkungen von Beginn an auf einige oder sogar alle Bereiche des Lebens beobachten. Dr. med. Prieß (2012) unterscheidet dabei sechs Lebensbereiche, welche grundlegende Einflüsse auf die Gesundheit und Leistungsfähigkeit von Menschen haben

  • Beruf
  • Familie und Partnerschaft
  • Gesundheit
  • Soziale Kontakte
  • Individualität und Hobbys
  • Glaube und Spiritualität

Der Unterschied zwischen Burnout-Syndrom und Depression

In Anlehnung an den Stresszirkel von Brühlmann (2010) stellt beim Burnout ein äußerer Faktor (beispielsweise Erwartungen, Vorgesetzter) die eigentliche Ursache dar. Betroffene verstärken in einer solchen (beruflichen) Situation den Stress dann oftmals selbst, z.B. in Form einer überhöhten Selbstanforderung, die oftmals auf sogenannte Glaubenssätzen fußen. Prozesse wie beim 12-Phasen-Verlauf sind dagegen bei Depressionen nicht zu beobachten. Vielmehr sind es hier bereits individuell bestehende depressive Muster, wie z.B. ein geringer Selbstwert, ausgeprägte Selbstzweifel („ich kann das nicht“) oder auch Gefühle wie "ich werde nicht geliebt". Während Burnout-Betroffene sich eher in einer Aufwärtsspirale bewegen, treiben depressive Menschen in einer Abwärtsspirale der Depression entgegen.  

Burnout-Syndrom - Aufwärtsspirale

Beim Burnout kommt es beim Abgleich zwischen den in Glaubenssätzen verankerten Denk- und Handlungsmustern sowie der persönlichen Wahrnehmung (individuelle Wirklichkeit) zu einer Bewertung. Diese erzeugt entweder positiven Eustress oder negativen Distress. Beim positiven Eustress wirkt der Unterschied zwischen „sollen“ und „können“ stimulierend, beim negativen Distress resultiert aus der Differenz das Gefühl der Überforderung. Im Sinne einer Aufwärtsspirale folgt aus der erlebten Überforderung zunächst eine Reaktion in Richtung „Ich schaffe das trotzdem“ und kann dann final zum Kollaps des Ausgebranntseins führen.

Depression - Abwärtsspirale 

Bei der Depression treiben die bereits früh entwickelten depressiven Grundmuster die emotionale Spirale kontinuierlich nach unten, wodurch sich letztlich ein Umstand gelernter Hilflosigkeit manifestiert. Der in den verschiedenen Lebensbereichen von außen als aufgezwungen empfundene Spagat zwischen "sollen" und "können" wird als unüberbrückbar erlebt. Die psychische Reaktion äußert sich in (weiterer) Entmutigung. Die sich so immer weiter nach unten drehende Spirale mündet letztlich in einer Depression.

So gesehen, kann ein (unbehandelter) Burnout durchaus zu einer tieferen Depression führen. In einer fortgeschrittenen Eskalation sind symptomatisch die Unterschiede zwischen Burnout und Depression dagegen kaum noch trennscharf zu erkennen.

Das kannst du tun. Hier findest du Hilfe!

Immer noch gelten psychische Krankheiten als ein gesellschaftliches Tabuthema. Allerdings ist zu beobachten, dass sich zunehmend auch Prominente bekennen, beispielsweise unter Depressionen zu leiden. Je früher Depressionen behandelt werden, desto günstiger sind die Chancen auf einen positiven Heilungsverlauf. Von daher lautet die erste und wichtigste Empfehlung: Wenn du erste der oben erwähnten Anzeichen einer Depression verspürst oder auch nur glaubst, du könntest depressiv ein, suche dir Rat und Hilfe! Du bist damit weit weniger allein, als du denken magst.

Jugendliche und Eltern finden z.B. auf dem Infoportal zur "Depression und psychischen Gesundheit bei Kindern und Jugendlichen" des Klinikums der Universität München "Ich bin alles" wertvolle Informationen und Hilfsangebote. Auch auf den Internetseiten der Deutschen Depressionshilfe kannst du dich umsehen und entsprechend Kontakt aufnehmen. Vielleicht magst du dich auch zuerst deinem/deiner besten Freund*in anvertrauen und mit ihnen gemeinsam nächste Schritte planen. 

Psychiater*innen, Psychologen*innen und Therapeuten*innen sind im Falle einer depressiven Erkrankung richtige Ansprechpartner*innen. Neben unterschiedlichen Formen von Therapien werden bei schwereren Verläufe auch häufig Medikamente verabreicht, die in den Hirnstoffwechsel eingreifen und überwiegend stimmungsaufhellende Wirkungen bewirken.     

Mit Blick auf das Burnout-Syndrom ist es natürlich am besten, wenn du vorbeugend handelst. So kommt es erst gar nicht dazu, dass du dich in einer Aufwärtsspirale verfängst. Im Grunde dreht es sich dabei immer um eine Form der ausgewogenen Lebensführung. Auch wenn es langweilig klingt, regelmäßige Bewegung, vielfältige Ernährung, Hobbys und soziale Kontakte (in Pandemiezeiten leider erschwert) und nicht zu wenig Schlaf sind schon wesentliche Grundpfeiler. Wenn du darüber hinaus noch Anregungen zur Vorbeugung von Burnout suchst, findest du diese z.B. auf den Seiten von therapie.de. Solltest du bereits ein "Burnout-Gefühl" haben, wende dich zunächst an deinen Hausarzt oder vertraue dich einem Therapeuten oder einer Therapeutin an. Nichts tun und den Kopf in den Sand stecken ist dagegen keine Option.

Übrigens gibt es nicht nur Burnout, sondern auch Boreout. Was sich dahinter versteckt, erfährst du hier.