Berlin

Coronavirus-Langzeitfolgen: Hirnschäden, Atemnot und Psychosen können auftreten

Die Spätfolgen einer Coronavirus-Infektion sind noch nicht ausreichend erforscht. Insbesondere Erkrankte mit mildem Krankheitsverlauf weisen schwerwiegende Schäden in Organen wie der Lunge auf. Ärzte warnen.
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Eine Infektion mit SARS-CoV-2 kann zu Hirnschäden, Psychosen und auch zu anderen Organschäden wie Lungenschaden führen. Folgen kann zB Atemnot sein. Symbolbild: Unsplash.com
Eine Infektion mit "Sars-CoV-2" kann zu Hirnschäden, Psychosen und auch zu anderen Organschäden wie Lungenschaden führen. Folgen kann zum Beispiel Atemnot sein. Symbolfoto: Unsplash.com
  • Covid-19 kann schwerwiegende Folgen haben  - auch bei leichtem Verlauf
  • Psychosen, Atemnot oder Hirnschäden können als Spätfolgen auftreten

Die Erforschung der Krankheit "Covid-19" läuft derzeit auf Hochtouren. Ein zentraler Bestandteil dessen ist, Langzeitfolgen durch eine Corona-Infektion zu erkennen. Unter anderem fanden Wissenschaftler heraus, dass Psychosen möglich sind.

Neben langfristigen gesundheitlichen Beschwerden werden auch die Symptome einer Ansteckung analysiert. Darunter fällt auch Kurzatmigkeit beziehungsweise Atemnot. Einige Patienten berichten, dass sie auch noch lange nach der Genesung Beschwerden haben. Das Coronavirus bereitet Lungenärzten Sorge, da das Lungengewebe angegriffen wird. Eine Schädigung der Lungenflügel ist oftmals der Fall.

Atemnot durch Corona: Mediziner warnen vor Langzeitfolgen

Deshalb warnt die "Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin" vor einem zu lockeren Umgang mit "Covid-19". Zu viele Bilder aus Computertomografien hätten Lungenschäden bei Patienten gezeigt, die zuvor lediglich leichte Corona-Symptome verspürten.

Ein Wissenschaftler, der sich regelmäßig mit dieser Thematik auseinandersetzt, ist Torsten Blum. Er ist Oberarzt in der Lungenklinik Heckeshorn in Berlin und hat gemeinsam mit Kollegen zahlreiche Patienten untersucht, die an Atemnot litten. All diese Patienten vereint, dass sie eine "Covid-19"-Erkrankung überstanden haben, die nicht schwer verlaufen ist. Als zentrale Frage stellen sich Blum & Co., ob die Lungenschäden langfristiger Natur sind oder ob sie mit der Zeit verheilen. Dabei stehen insbesondere Infizierte im Fokus, die nicht im Krankenhaus durch Beatmungsgeräte behandelt werden mussten. Fälle, in denen eine Ansteckung unbemerkt bleibt und die keine Symptome mit sich bringen, sind gefährlich: "Da wissen wir, dass es Narben im Bereich der Lunge geben kann", so Blum. 

"Möglicherweise kann dieses neue Coronavirus auch bei ihnen länger anhaltende oder gar dauerhafte Folgeschäden in der Lunge auslösen" - Torsten Blum

Neben Landzeitschäden wie Atemnot kann das Coronavirus auch andere Organe, wie "Herzmuskel, Darm, Niere, Gefäßinnenhäute und das Nervensystem schädigen". Deshalb sei Vorsicht geboten, so Blum. Patienten aus Deutschland, die zunächst nicht schwer erkrankt schienen, erlitten beispielsweise Schlaganfälle, Herzinfarkte oder Beinvenenthrombosen

"Ein Teil der Patienten wird langfristig Probleme entwickeln. Ich denke schon, dass wir hier sekundär durch Covid-19 auch neue Krankheitsbilder generieren", warnt auch Clemens Wendtner, Chefarzt der Klinik ür Infektiologie an der München-Klinik Schwabing.

Auch Hirnschäden möglich - bereits nach leichten Verläufe

Forscher aus Großbritannien haben in einer Studie gezeigt, dass Covid-19 bereits bei einem leichten Verlauf zu schweren Hirnschäden führen kann. Die Infektion mit dem Coronavirus muss dabei gar nicht zu einer Erkrankung mit schwerem Verlauf führen - beunruhigend für alle, die sich nach leichten Symptomen sicher wähnten.

Die Neurologen berichten im Fachmagazin Brain, dass die Hirnschädigungen meist viel zu spät erkannt werden. Das Forscherteam um Michael Zandi hat 43 "Covid-19"-Patienten untersucht: Bei neun der Betroffenen konnten die Wissenschaftler des "University College (UCL)" in London eine akute "demyelinisierende Enzephalomyelitis" diagnostizieren. Dabei handelt es sich um eine entzündliche Erkrankung, die eine degenerative Zerstörung des zentralen Nervensystems zur Folge hat. Zwölf weitere Patienten wiesen einzelne Entzündungen auf, zehn Menschen litten an einer vorübergehenden "Enzephalopathie", die mit einer Psychose verbunden sein kann. 

Noch nie zuvor beobachtete Folgen

"Die Art und Weise, wie Covid-19 das Gehirn attackiert, haben wir bei anderen Viren noch nie zuvor gesehen", erklärt Zandi. Er wundert sich insbesondere von den teils schwerwiegenden Hirnschäden bei Patienten, die zuvor lediglich leichte Corona-Symptome hatten. 

Das "UCL" hat seit Beginn der Pandemie einen massiven statistischen Anstieg der akuten entzündlichen Erkrankungen des Nervensystems festgestellt. Zuvor war im Durchschnitt lediglich von einem Fall je Monat die Rede. 

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