Fanta: Kaum jemand kennt ihre dunkle Vergangenheit

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Kaum jemand weiß, dass Fanta, eine der bekanntesten Limonaden der Welt, ihren Ursprung im Deutschland der NS-Zeit hat.

Wenn heute jemand eine Fanta trinkt, denkt er vermutlich an sonniges Italienflair oder amerikanische Markenkultur. Tatsächlich aber stammt der Name und die ursprüngliche Idee aus Deutschland - genauer gesagt aus Essen.

"Im Jahr 1940 ist wegen des zweiten Weltkriegs die Einfuhr des Coca‑Cola Konzentrats in Deutschland verboten und sämtliche Rohstoffe sind knapp", berichtet Coca-Cola auf seiner Website. In dieser Notlage beauftragte Max Keith, Geschäftsführer der Coca‑Cola GmbH in Deutschland, seinen Chef-Chemiker mit der Entwicklung einer Alternative.

"Aus Molke und Apfelmark": Fanta entsteht aus Notsituation im Zweiten Weltkrieg

Das Ergebnis war ungewöhnlich: "Eine Limonade aus Molke und Apfelmark", so Coca-Cola. Keith stellte das Getränk "ursprünglich aus den wenigen Zutaten her, die ihm im kargen Kriegszustand zur Verfügung stehen", heißt es weiter. Konkret vermischte er "eine sich ständig ändernde Kombination aus Resten: Reste aus der Käseproduktion (Molke), die faserigen Überreste von Äpfeln, die für Apfelmost gepresst worden sind, und alles, was er an überschüssigem Obst erwerben kann", wie das Unternehmen detailliert beschreibt.

Der Name entstand durch einen internen Wettbewerb. Keith gab seinen Mitarbeitern den Auftrag, "für die Entwicklung eines neuen, innovativen Getränks der Fantasie freien Lauf zu lassen", schreibt Coca-Cola. "So wird es schliesslich auf den Namen 'Fanta' getauft", heißt es in dem Bericht. Noch im selben Jahr 1940 ließ Keith den Namen markenrechtlich schützen. 1943 wurde das Getränk drei Millionen Mal verkauft, wie Mark Pendergrast in seinem Sachbuch "For God, Country, and Coca-Cola" schreibt. Laut dem US-Faktencheckportal Snopes hatten die Amerikaner während der Hitler-Zeit keinerlei Kontakt zu Keith.

Demnach war Keith "nie ein Nazi gewesen, obwohl er wiederholt unter Druck gesetzt worden war, sich den Nazis anzuschließen, und aufgrund seiner Weigerung tatsächlich Härten erlitten hatte", so das Portal. Dezufolge hielt er die Coca-Cola-Werke in Deutschland am Laufen und rettete so das Leben zahlreicher Coca-Cola-Mitarbeiter während des Krieges. Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 änderte sich die Situation grundlegend. "Das braune Fanta-Getränk, das Keith kreiert hatte, wird ab da nicht mehr hergestellt", so Coca-Cola. Zwischen 1945 und 1955 wurde die Marke Fanta nur noch so oft verwendet, "dass die Eintragung erhalten bleibt", bis das Unternehmen sie für ein neues Produkt übernahm.

Italiener macht Vorschlag für heutige Fanta - Idee kommt aus Neapel 

"Die Idee für ein Getränk mit Orangengeschmack stammt aus einem Land, das reich an dieser wunderbar schmeckenden Frucht ist: unserem südlichen Nachbar Italien", erklärt Coca-Cola. 1954 richtete der Italiener Ermelino Matarazzo di Licosa von der Naples Bottling Company einen Vorschlag an die Coca‑Cola Company in Atlanta, "die Herstellung eines einheimischen italienischen Getränks mit Orangengeschmack zu unterstützen", wie das Unternehmen berichtet.

Nach anfänglicher Skepsis entwickelte Coca‑Cola 1955 "die Formel für Fanta Orange in Atlanta/USA", so die offizielle Darstellung. Das Getränk erhielt dabei "einen Namen, der bereits vorher einmal verwendet und registriert wurde: 'Fanta'", heißt es weiter. Die moderne Fanta, "wie wir es heute kennen, wurde 1955 in den USA erfunden", stellt das Unternehmen klar. Ab 1955 startete die große Werbekampagne. Zusammen mit der charakteristischen Ringflasche, die der französische Star-Designer Raymond Loewy entwarf, wurde Fanta "in Europa, Lateinamerika und Afrika groß beworben – nicht aber in den USA", so Coca-Cola.

Der Grund: Man wollte "der starken Marke Coca‑Cola keine Konkurrenz machen", heißt es. Bereits 1960 "sprudelt Fanta in 36 Ländern", wie das Unternehmen vermeldet. Die Geschichte der Fanta zeigt eindrucksvoll, wie aus einer Notlösung im kriegsgebeutelten Deutschland eine globale Marke wurde – auch wenn das heutige Produkt mit der ursprünglichen Molke-Apfelmark-Limonade von 1940 kaum noch etwas gemein hat. Aus Deutschland stammt ebenfalls die Spezi - Mitte 2025 musste ein Getränke-Gigant nach einem verlorenen Gerichtsstreit alle Flaschen zerstören. 

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Vorschaubild: © Renato Trentin/unsplash