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Mähfreier Mai: Warum du jetzt den Rasen nicht mähen solltest

Je wärmer es wird, umso häufiger ertönen die Rasenmäher in der Nachbarschaft: Lange Zeit galt ein ebenmäßig grüner, kurzer Rasen als Statussymbol des Gartenbesitzers. Doch in diesem Mai ist alles anders: Wir verraten dir, warum du dich zurücklehnen und deinen Rasenmäher im Wonnemonat einfach mal stehen lassen solltest.
Mähfreier Mai
Den Rasenmäher im Mai einfach mal stehen lassen: Es gibt gute Gründe, warum du den Rasen im Mai nicht mähen solltest. Foto: distelAPPArath/pixabay.com
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  • Der Umwelt zuliebe: Warum du den Rasen im Mai nicht mähen solltest
  • Mehr Biodiversität: Initiative aus Belgien und deutsche Gartenbauer raten zur Rücksicht
  • Nachhaltiges Gärtnern: Jeder kann helfen, die Artenvielfalt zu unterstützen

Gerade im Mai sprießt es in der Natur und das Gras wächst wie wild - nicht ungewöhnlich also, dass wöchentlich der Rasenmäher angeschmissen wird, um den Wildkräutern und Blümchen im Rasen den Garaus zu machen. Was Rasenbesitzer als schön und ästhetisch empfinden, ist für die Flora und Fauna und deren Biodiversität allerdings fatal. Wir erklären dir, welche Folgen die Monokultur Rasen für die Artenvielfalt hat und weshalb auch du den Mai zum "mäh-freien Monat" erklären solltest. 

Warum du im Mai den Rasen nicht mähen solltest

Den Rasenmäher stehen lassen, damit der Umwelt etwas Gutes getan wird: Einige belgische Umweltschutzorganisationen und zwei belgische Nachrichtenmagazine sind Begründer einer Initiative, die den Mai bereits im vergangenen Jahr zum "mähfreien Monat" erklärte. Der Hintergrund: Die in Belgien allzu beliebten akkurat getrimmten Rasen schaden der Biodiversität immens. Das hat auch negative Auswirkungen auf die Klimakrise.

2022 ist die Deutsche Gartenbau-Gesellschaft nachgezogen und hat die Aktion "Mähfreier Mai" gestartet. Die Garten-Experten erläutern, dass nicht der komplette Rasen verwildern muss. Um der Artenvielfalt auf die Sprünge zu helfen, genügt es schon, einen kleinen Teil des Rasens wild wachsen zu lassen. Zudem empfiehlt es sich, den Rasen in unterschiedlichen Höhen wachsen zu lassen, was besonders den Schmetterlingen gefällt. Die Initiatoren wünschen sich, dass die Menschen fortan jedes Jahr im Mai ein wenig Rasen wachsen lassen - und so die Insektenvielfalt unterstützen.

Die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau weist darauf hin, dass der Artenvielfalt von Flora und Fauna durch die immer größeren Felder und Ackerlandschaften massiv zugesetzt wird und Brachen, Streuobstwiesen und natürliche Hecken zusehends verschwinden. Somit werden die Lebensräume vieler Pflanzen und Tiere drastisch vermindert und die Biodiversität nimmt infolgedessen stark ab. Umso wichtiger ist es deshalb, die Artenvielfalt auch im Kleinen zu unterstützen und im eigenen Garten auf den "perfekten" Rasen zu verzichten - der Umwelt zuliebe. In der Praxis bedeutet das, dass diese "Monokultur im Kleinen" nicht mehr so häufig gemäht wird, wie es eigentlich notwendig wäre, um einen Rasen zu erhalten.

Der eigene Garten: Das solltest du der Umwelt zuliebe vermeiden

Alternativ sollte zumindest ein Teilbereich des Rasens wachsen können. Gerade im Wonnemonat Mai solltest du der Natur einfach ihren Lauf lassen. Somit können die Blumen und Kräuter sprießen und sich infolgedessen auch die Artenvielfalt prächtig entwickeln. Damit tust du direkt etwas Gutes für die Umwelt - wovon du selbst und deine Mitmenschen profitieren. Summende-Gärten.de verweist auf eine US-amerikanische Studie, die den Nutzen von Wild-Gärten für Insekten attestiert: Wenn eine Rasenfläche frühestens alle drei Wochen gemäht wird, lässt sich die größte Artenvielfalt entdecken. Bienen und Hummeln profitieren hierbei vor allem von Klee, Löwenzahn und ähnlichen Gewächsen. Paul Westrich, Experte für Wildbienen, empfiehlt sogar, den Rasen maximal zwei- bis viermal im Jahr zu mähen - so werden den Bienen optimale Lebensbedingungen geboten. 

Ein absolutes Tabu für den umweltfreundlichen Rasen: Pestizide. Diese Unkrautvernichter sind oftmals nicht nur tödlich für die Pflanze, die bekämpft werden soll, sondern auch für Insekten und Tiere, beispielsweise Amphibien wie Eidechsen oder auch Fische. Garten.de weist darauf hin, dass verschiedene Pestizide auch für den Menschen schädlich sein können und beispielsweise die Schleimhäute reizen können. Deshalb sollte Unkraut unbedingt von Hand gejätet werden und auf giftige Chemie-Keulen komplett verzichtet werden. 

Außerdem solltest du auf die Verwendung von torfhaltiger Erde verzichten. Das Umweltbundesamt erläutert, dass viele Blumenerden Torf enthalten, die aus Hochmooren stammen. Das Fatale: Da die Moore die CO2-Speicher schlechthin darstellen, entweicht durch den Torfabbau massiv CO2 in die Umwelt. Zudem fallen durch den Abbau der Moore wichtige Möglichkeiten der Speicherung des Treibhausgases weg. Obendrein wird so auch vielen Lebewesen ihr Lebensraum genommen. Tipp: Nutze alternativ besser Erde von einem Kompost- oder Häckselplatz in der Nähe - diese hat eine hohe Qualität und kostet zudem nichts. Torffreie Erde findest du bei Amazon.*

So bekommst du einen nachhaltigen Rasen

Eine weitere Umwelt-Todsünde: die "Steinwüste". Nicht nur in Bezug auf die Biodiversität, auch das Klima und die Wärmeentwicklung betreffend, sind Steingärten nicht zu empfehlen. Laut der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenanbau sorgen Kies- und Steinvorgärten dafür, dass sich die Wärme in Siedlungs- und Wohngebieten gut entwickeln kann und sich die Hitze an heißen Sommertagen innerhalb des Viertels massiv staut. Abhilfe würden hier Wiesen und Bäume schaffen, die Feuchtigkeit speichern und Schatten spenden. Die Blätter der Bäume sorgen zudem durch Verdunstung dafür, dass die Temperatur gesenkt wird. Der BUND rät dazu, grundsätzlich immer einige Stellen im Garten wild wachsen zu lassen - selbst wenn der Rest des Gartens hin und wieder doch vom Rasenmäher bearbeitet wird. Denn so haben auch kleine Tiere wie Blindschleichen und Eidechsen eine Chance. Diese revanchieren sich wiederum mit dem Verspeisen von Schnecken, die sich nur zu gerne an deinen Nutzpflanzen bedienen - somit entsteht ein echtes Geben und Nehmen. 

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Besonders zu empfehlen sind laut Bayerischer Landesanstalt für Weinbau und Gartenanbau zwei Rasentypen, in denen sich Pflanzen und Tiere wohlfühlen. Zum einen ist das der Kräuterrasen*, in dem überwiegend Pflanzen wie das Gänseblümchen, Löwenzahn, Klee und andere gedeihen. Zudem ist auch eine Blumenwiese* förderlich für die Biodiversität: Hier fühlen sich Insekten pudelwohl. Um die Biodiversität zusätzlich zu unterstützen, sollte den Garten eine große Pflanzenvielfalt auszeichnen. Empfehlenswert ist es, bei der Auswahl der Pflanzen auf Wirtspflanzen zu setzen, auf die einige nützliche Insekten spezialisiert sind. Fehlen diese Wirtspflanzen, tummeln sich hauptsächlich Insekten im Garten, die als "Nutznießer" mehrere Pflanzen anfliegen - die spezialisierten Insekten meiden den Garten und die Nutznießer breiten sich aus, was die Artenvielfalt vermindert. Der NABU erklärt: Da Bienen nur einen kurzen Saugrüssel haben, fliegen sie in erster Linie Lippen- und Rachenblütler an, an deren Nektar sie ohne Probleme gelangen.

Wer der Umwelt etwas Gutes tun möchte und die Möglichkeiten hat, sollte sich außerdem am Anbau von Obst und Gemüse im eigenen Garten versuchen - denn das erspart die Produktion, den Transport und die Verpackung. Des Weiteren sollte das Prinzip der Kreislaufwirtschaft befolgt werden. Hierbei werden Rasenabfälle, wie etwa das Schnittgut, weiter verwendet. Rasenschnitt kann zum Beispiel zum Mulchen des Rasens erneut verwendet werden. Ratschläge, wie du ein eigenes Öko-System in deinem Garten aufbaust, erfährst du im Buch "Permakultur. Dein Garten. Deine Revolution", das du bei Amazon ansehen kannst.*

Fazit: Selbst ein teilweiser Mäh-Verzicht im Mai hilft der Umwelt 

Kurz gemähte Rasen sind enorm schädlich für die Biodiversität, weshalb sie - zumindest unter Umwelt-Gesichtspunkten - gänzlich vermieden werden sollten. Gerade im Mai, der als "Wonnemonat" gilt und Flora und Fauna sprießen lässt, sollte einfach mal auf das Rasenmähen verzichtet werden - die Natur wird es dir danken. Von einer intakten Umwelt profitierst dann auch du und alle deine Mitmenschen. 

In deinem Garten solltest du zudem auf den Einsatz von Pestiziden verzichten. Auch die Verwendung von torfhaltiger Blumenerde ist nicht im umweltfreundlichen Gärtnern vorgesehen. Die oft beliebten Steingärten unterstützen die Biodiversität zudem kaum und erweisen sich an heißen Sommertagen als extrem nachteilig. 

Besser ist es, den Tieren und Insekten grundsätzlich Räume in deinem Garten einzugestehen, zum Beispiel durch Stellen, die komplett wild wachsen dürfen. Das ist auch eine gute Alternative, wenn du nicht komplett auf einen schön gepflegten Rasen verzichten möchtest. Die Monokultur Rasen bringt beinahe nur Nachteile für die Umwelt und sollte durch natürliche Alternativen wie Kräuter- oder Blumenwiesen ersetzt werden. Also mache den Mai doch einfach mal zu deinem "Umwelt-Monat" und verzichte (zumindest in Teilen) auf das Rasenmähen - die Natur wird es dir danken. 

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