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Finanzen 2022

Steuern sparen mit eigener Haushaltshilfe? Wie sich eine Putzkraft doppelt lohnen kann

Schwarzarbeit ist in Deutschland strafbar. Auch sogenannte Haushaltshilfen fallen nicht unter "Nachbarschaftshilfe". Wie man mit einer eigenen Haushaltshilfe Steuern spart und die Familie gleichzeitig entlastet.
Mit einer Haushaltshilfe kannst du Steuern sparen.
Mit einer Haushaltshilfe kannst du Steuern sparen. Foto: 6581245 /pixabay.com
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  • (K)ein ganz normaler Arbeitsplatz
  • Doppelt schlecht: kein Versicherungsschutz und Steuerhinterziehung bei Schwarzarbeit
  • Doppelt gut: Sauberes Haus und Steuerersparnis bei legaler Beschäftigung 

Bereits in den 1960er und 70er Jahren wurde das klassische Rollenbild - der Mann geht zur Arbeit, die Frau kümmert sich um den Haushalt und die Kindererziehung -  immer stärker kritisiert, jedoch dauerte es noch Jahre, bis ein wirkliches Umdenken stattgefunden hat, welches zugleich auch aus der finanziellen Not des notwendigen doppelten Einkommens erwachsen ist. Viele Familien fühlen sich deshalb heute teilweise überlastet, die Lösung bringt oft eine Haushaltshilfe. In zahlreichen Haushalten werden Zugehfrauen und -männer jedoch nicht offiziell gelistet, sie arbeiten häufig unangemeldet und gehen dadurch ein Risiko ein. Viele Privathaushalte machen sich zudem strafbar, denn es werden so nicht nur Steuern hinterzogen, sondern es besteht auch kein Versicherungsschutz für die Angestellten. Wie geht man im Falle einer Haushaltshilfe offiziell vor, bekommt ein sauberes Haus und spart auch noch Steuern?

(K)ein ganz normaler Arbeitsplatz

In Deutschland beschäftigen mehr als 3,3 Millionenl Haushalte eine Putzhilfe, für das Jahr 2000 waren das ungefähr 5,6 Prozent aller deutschen Haushalte. Doch in fast 90 Prozent der Fälle sind die Haushaltshilfen unangemeldet, auch wenn in den letzten Jahren die Zahl der legal beschäftigten Zugehfrauen und -männer zugenommen hat. Ein Umdenken ist nicht zuletzt aufgrund verbesserter steuerlicher Möglichkeiten eingetreten, innerhalb von 14 Jahren hat sich deshalb die Anzahl der Minijobber*innen in Privathaushalten nahezu verdreifacht. Allerdings stagniert die Zahl nun seit 2016. Laut den Angaben der Minijobzentrale aus dem Jahr 2019 sind fast alle angemeldeten Haushaltshilfen Frauen, 23 Prozent sind ausländischer Herkunft und mehr als 60 Prozent sind über 50 Jahre alt. Allerdings ist die Mehrzahl der Minijobber*innen in der Regel unter 2 Jahren in einem Privathaushalt beschäftigt, was einen deutlichen Unterschied zu einem "normalen" Arbeitsplatz und -verhältnis darstellt. Im Durchschnitt beschäftigen vor allem Nichterwerbstätige und über 60-Jährige eine Haushaltshilfe, für welche, laut einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaft, im Durchschnitt eine monatliche Aufwendung von 137 € pro Monat veranschlagt wird.

Die Tätigkeiten unterscheiden sich häufig, je nach Haushalt und Anstellung fallen unterschiedliche Arbeitsabläufe an, die von hauswirtschaftlichen Verrichtungen, Einkaufshilfe, Kinderbetreuung bis zu Fahrdiensten reichen können. Offizielle Stellenangebote finden sich in Deutschland im Bereich der Privathaushalte vereinzelt, die meisten Jobs werden inoffiziell vergeben, über diverse Stellenportale kommt der Kontakt zustande.

Eine Überprüfung des Beschäftigungsverhältnisses ist allerdings in den meisten Privathaushalten schwierig, da hier den Behörden auch aufgrund des Datenschutzes oft die Hände gebunden sind und in der Regel nur durch anonyme Hinweise der Schwarzarbeit nachgegangen werden kann. Oft fliegt das illegale Beschäftigungsverhältnis auch erst auf, weil die Putzkraft einen Unfall erleidet und in ärztliche Behandlung kommt. Da über die Hälfte der Putzhilfen in Deutschland unangemeldet arbeitet, besitzen sie folglich keinen offiziellen Versicherungsschutz.

Doppelt schlecht: kein Versicherungsschutz und Steuerhinterziehung bei Schwarzarbeit

Für die finanzielle Absicherung bei Schäden, die eine Haushaltshilfe im Rahmen ihrer Tätigkeit verursacht, ist eine Haftpflichtversicherung bedeutsam. Im Falle eines Unfalls kommt bei einer angestellten Haushaltshilfe die Versicherung des Arbeitgebers für die Regulierung auf. Bei Haushaltshilfen auf selbstständiger Basis haftet die private, beziehungsweise die gewerbliche Haftpflichtversicherung des Alltagshelfers für den Schaden. Im besten Fall besitzen sowohl Arbeitgeber*innen als auch Arbeitnehmer*innen eine gültige Haftpflichtversicherung. Bei einer Mitversicherung der Haushaltshilfe in der Haftpflichtversicherung ist zu berücksichtigen, dass bei manchen Versicherungen die Haushaltshilfe in der Haftpflicht kostenlos mitversichert ist, bei anderen dagegen diese der Versicherung mitgeteilt werden muss. Hier sind Schäden abgedeckt, die eine Haushaltshilfe im Rahmen der üblichen Tätigkeit im Haushalt verursacht. Wird jedoch der*die Arbeitgeber*in geschädigt, leistet die private Haftpflichtversicherung keinen Ersatz. In diesem Fall ist eine Berufshaftpflichtversicherung zu empfehlen, welche die Haushaltshilfe auf eigene Rechnung abschließen muss.

Neben der Haftpflichtversicherung ist die gesetzliche Unfallversicherung zu beachten, denn offiziell beschäftigte Personen in Privathaushalten sind nach dem Sozialgesetzbuch (SGB VII) unfallversichert. Die gesetzliche Unfallversicherung wird in der Regel vom Arbeitgeber getragen und ist für die Haushaltshilfe beitragsfrei. Hierzu meldet der Arbeitgeber die Hilfe für den Haushalt bei der zuständigen Behörde an, im Falle eines Minijobs, übernimmt dies die Minijob-Zentrale durch das Haushaltsscheckverfahren. Weiter kann eine private Unfallversicherung eine zusätzliche Absicherung sein, vor allem, wenn es sich um selbstständige Haushaltshilfen handelt.

Eine Haushaltshilfe, die unterschiedliche Tätigkeiten im Haushalt eines Versicherungsnehmers erledigt, muss beim jeweiligen Unfallversicherungsträger angemeldet werden. Wer jedoch in einem Schadensfall haftet, ist wiederum von der Art des Beschäftigungsverhältnisses abhängig. Neben fehlendem Versicherungsschutz kommt bei unangemeldeten Putz- und Zugehfrauen weiter der Aspekt der Steuerhinterziehung auf, hier können sogar Geld- und Haftstrafen drohen. Im Fall von Schwarzarbeit werden meistens sowohl Beschäftigter als auch Arbeitnehmer belangt. Wenn die Haushaltshilfe Einkommensteuer und gegebenenfalls Umsatzsteuer nicht gemeldet hat, kann das ein strafrechtliches Verfahren zur Folge haben. Der private Arbeitgeber hat somit keine Sozialversicherungsbeiträge abgeführt und kann mit einem Bußgeld belangt werden, welches bis zu 5.000 € hoch sein kann.

Doppelt gut: Sauberes Haus und Steuerersparnis bei legaler Anstellung

Was für die meisten Arbeitgeber selbstverständlich ist, ist bei den Putzhilfen in Privathaushalten eher die Ausnahme. Rentenbeiträge, bezahlter Urlaub sowie Lohnfortzahlung im Krankheitsfall sind neben dem Versicherungsschutz häufig nicht existent. Auch wenn Schwarzarbeit juristisch mit Geld- und auch Haftstrafen geahndet werden kann, so ist die Dunkelziffer nicht angemeldeter Putzhilfen hoch. Doch dass dies nicht unbedingt notwendig ist und so mancher finanzieller Mehraufwand kein erhebliches Loch in die Haushaltskasse frisst, lässt sich ausrechnen.

Die Kosten für eine Haushaltshilfe können in Deutschland von der Steuer abgesetzt werden. Ähnlich wie die Kinderbetreuungskosten können haushaltsnahe Dienstleistungen, wie Haushaltshilfe, Gärtner*in oder Hunde-Sitter*in eine Steuererstattung eingebracht werden. Hier gilt bei einem normalen Beschäftigungsverhältnis ein Höchstbetrag von 4000 € pro Jahr, im Falle eines Minijobs können maximal 510 € pro Jahr abgesetzt werden. Neben den reinen Lohnkosten können auch Materialkosten abgesetzt werden. Unter Verbrauchsmaterial fällt alles, was regelmäßig nachgekauft werden muss, wie Reiniger, Scheuermilch, Schwämme oder Einweg-Hygiene-Tücher. Dagegen dürfen Gerätschaften wie Besen, Mopp oder Putzeimer nicht abgesetzt werden, da dies nicht als Verbrauchsmaterial zählt.

Dass sich die legale Beschäftigung einer Haushaltshilfe durchaus lohnen kann, ergibt folgendes Rechenbeispiel: Eine Reinigungskraft ist in einem Privathaushalt als Haushälterin auf Minijob-Basis angestellt. Sie erhält 18,50 Euro Stundenlohn und arbeitet insgesamt zehn Stunden im Monat. Damit beträgt ihr Arbeitslohn im Monat 185 €, den sie nicht versteuern muss. Die Familie muss Lohnnebenkosten in Höhe von 14,8 Prozent für Pauschsteuer und Sozialabgaben abführen. Die Arbeitslohnkosten betragen also monatlich 212,50 Euro. Eine legale Beschäftigung der Haushaltshilfe kostet 27,50 Euro mehr, 330 Euro im gesamten Jahr.

Geld sparen mit einer Haushaltshilfe: So geht es

Davon können jedoch 20 Prozent über die Steuererklärung direkt von der Steuerschuld abgezogen werden. Die Familie erhält somit von den jährlichen Gesamtkosten für ihre Reinigungskraft 510 € vom Finanzamt erstattet (2550 € x 20 Prozent = 510 €). Die offizielle Anstellung bringt somit einen Kostenvorteil von 180 € im Jahr (510 – 330 = 180 €).

Ein angemeldetes Arbeitsverhältnis hat nicht nur für Arbeitgeber*innen Vorteile, sondern sichert die angestellte Haushaltshilfe ab. Nun gibt es einen gesetzlichen Anspruch auf Urlaub, Kündigungsfristen sind einzuhalten und der Mindestlohn muss gezahlt werden. Auch haftet die gesetzliche Unfallversicherung. Eine Entgeltfortzahlung bei Schwangerschaft und Krankheit sichert den*die Arbeitnehmer*in ab. Hier muss der*die Arbeitsgeber*in jedoch die Kosten nicht alleine tragen, man kann sich diese bei Krankheit zu 80 Prozent und bei Schwangerschaft zu 100 Prozent erstatten lassen, welche von Versicherungen in den Lohnnebenkosten getragen werden. Insgesamt sind die bürokratischen Rahmenbedingungen der offiziellen Beschäftigung einer Haushaltshilfe in Deutschland gesunken.

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