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Schufa: Diese Daten werden über dich gesammelt - weshalb du dich informieren solltest

Die Schufa ist ein Daten-Gigant, bei dem du eine Auskunft beantragen kannst, welche Daten über dich gesammelt werden. Mehr Transparenz ist angesagt.
68 Millionen Menschen sind bei der Schufa in Wiesbaden registriert.
68 Millionen Menschen sind bei der Schufa in Wiesbaden registriert. Foto: Bild: Schufa
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  • Die Schufa ist wichtiger als du vielleicht meinst
  • Was ist der Schufa-Score?
  • Kannst du deine Daten einsehen?
  • Wie entstand die Schufa?
  • Wer steckt hinter der Wirtschaftsauskunftei?

Schufa - was ist das denn, fragst du dich vielleicht. Hat das was mit mir zu tun? Ja und ob. Überall nutzen Firmen, mit denen du es zu tun hast, die Daten der Wirtschaftsauskunftei in Wiesbaden. Ob du in Deutschland einen Kredit aufnimmst, einen Mobilfunkvertrag abschließt oder ein Konto eröffnest - es wird eine Auskunft bei der Schufa eingeholt. Dich darüber zu informieren, welche Daten über dich gesammelt werden, ist empfehlenswert. Aber wie machst du das und was ist überhaupt die Schufa?

Die Schufa ist wichtiger als du vielleicht meinst

Von 68 Millionen Deutschen sammelt die Schufa in Wiesbaden regelmäßig Daten über ihre Handy- und Leasingverträge, Ratenzahlungen, eröffnete Bankkonten, Kreditkarten und Kredite oder über den Wechsel des Stromanbieters. Gibt es dabei Besonderheiten, wie beispielsweise eine unbezahlte Rechnung aus der Vergangenheit, kann es zu wirtschaftlichen und finanziellen Nachteilen kommen, so wie in Schleswig-Holstein passiert.

Dort verlangte ein Insolvenzschuldner vor dem Oberlandesgericht (OLG) Schleswig-Holstein von der Schufa die Löschung seiner Daten, weil ihm dadurch eine "uneingeschränkte Teilhabe am Wirtschaftsleben" nicht mehr möglich war (Urteil vom 03.6.2022, Az.: 17 U 5/22).

Er konnte nur noch gegen Vorkasse bestellen und keine neue Wohnung anmieten. Das OLG entschied, dass die Schufa die Daten eines Insolvenzschuldners nicht länger für Auskünfte nutzen darf als sie im Portal zur Insolvenzbekanntmachung der Amtsgerichte veröffentlicht sind. Dies gelte ebenfalls für die Berechnung des Score-Werts, entschied das Gericht. 

Mit wem arbeitet die Schufa zusammen?

Für Kredit- und andere Geldgeschäfte brauchen Unternehmen eine zuverlässige Risikoeinschätzung der Bonität ihrer Kundschaft (Bonität ist die Fähigkeit und der Wille, Schulden zurückzuzahlen). Die Schufa bietet diese Information. Sie ist die Plattform, um die Zahlungserfahrungen von Unternehmen - den sogenannten Vertragspartnern der Schufa - aufzunehmen, zu speichern und innerhalb des Netzwerks auszutauschen.

Für wen und mit wem arbeitet die Schufa? Vertragspartner sind vorrangig:

Die 4.500 Vertragspartner der Schufa verpflichten sich, Information über ihre Kundschaft weiterzugeben. Im Gegenzug ist die Schufa bereit, Auskünfte über Personen zu geben, die sich beispielsweise um einen Kredit bemühen oder einen Handy-Vertrag abschließen wollen. Die sogenannte Schufa-Bonitätsauskunft (oft nur Schufa-Auskunft genannt) kann ebenso bei der Wohnungsvermietung eine Rolle spielen – und zwar dann, wenn die Vermietenden Informationen zur Zahlungszuverlässigkeit der Wohnungsinteressierten verlangen. 

Welche Daten sammelt die Auskunftei?

Zu den Informationen, die die Schufa über Personen sammelt, gehören:

  • Name, Geburtsdatum, Adresse und andere persönliche Daten
  • Handy- und Leasingverträge
  • Ratenzahlungen
  • eröffnete Bankkonten, Kreditkarten und Kredite
  • Wechsel des Stromanbieters
  • Bürgschaften
  • Insolvenzverfahren
  • ausstehende Forderungen

Als "positive Informationen" gelten Angaben zum vertragsgemäßen Umgang mit Girokonten, Kreditkarten, Leasingverträge, Kredite und Versandhandelskonten. Zu über 90 Prozent aller gespeicherten Personen liegen positive Vertragsinformationen vor, so die Angaben des Unternehmens. Die Zahlungsmoral der Deutschen ist also ausgesprochen gut.

Negative erfasst sind ein durch die Bank wegen Zahlungsrückständen gekündigter Kredit, Zahlungsausfälle und Informationen aus öffentlichen Schuldnerverzeichnissen. Kein Interesse hat die Schufa an Daten über den Familienstand, Nationalität, Religionszugehörigkeit, Beruf und Ausbildung, Arbeitgeber und Einkommen, Kaufverhalten, Kapital und Vermögen.

Was ist der Schufa-Score?

Die Schufa nutzt und bündelt den Datenbestand im Bonitäts-Scoring und durch Identitätsprüfungen. Der Schufa-Score ist ein Wert, der deine Kreditwürdigkeit beurteilt. Er basiert auf einem komplizierten und letztlich (noch) geheimen Analyseverfahren. Er ist die wichtigste Entscheidungsgrundlage für Unternehmen und hilft dabei, Zahlungsausfälle sowohl im Privat- als auch im Firmengeschäft zu minimieren.

Den sogenannten Basis-Score gibt die Schufa in den Auskünften an. Er wird als Wert zwischen 0 und 100 Prozent ausgeworfen. Dieser Prozentsatz basiert auf den gespeicherten Einzeldaten und wird alle drei Monate aktualisiert. Neben dem Basis-Score gibt es auch noch Branchen-Scores: für Kreditinstitute, Mobilfunkanbieter und Online-Shops.  

Das sind Basis-Score-Werte in Prozent, die über die Ausfallwahrscheinlichkeit der Zahlungen informiert:

  • > 97,5 %: Sehr geringes Risiko
  • 95–97,5 %: Geringes bis überschaubares Risiko
  • 90–95 %: Zufriedenstellendes bis erhöhtes Risiko
  • 80–90 %: Deutlich erhöhtes bis hohes Risiko
  • 50–80 %: Sehr hohes Risiko
  • < 50 %: Sehr kritisches Risiko

Beispiel: Ein Wert von 95 Prozent gibt an, dass innerhalb der statistischen Vergleichsgruppe, zu der alle Bürger*innen zugeordnet sind, von 100 Menschen 95 Personen zuverlässig ihren Zahlungspflichten nachkommen. Ist dein Schufa-Score in dieser Gruppe, wäre er in diesem Fall recht hoch – das ist gut für deine Kreditwürdigkeit und das Unternehmen kann damit rechnen, dass es sein Geld bekommt.

Kannst du deine Daten einsehen?

Du kannst bei der Schufa einmal pro Jahr eine kostenlose Auskunft über deine gesammelten Informationen bekommen. Die Daten musst du aber anfordern. Die Schufa stellt dir dafür eine Kopie der personenbezogenen Daten nach Art. 15 der Europäischen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) zur Verfügung: die sogenannte Schufa-Datenkopie.

Dein persönliches Antwortschreiben von der Schufa enthält alle Daten, die über dich gespeichert sind. Außerdem erhältst du deinen "Schufa-Score". Die Auskunft wird in Papierform bereitgestellt. Für die kostenlose Schufa-Auskunft musst du einen Antrag ausfüllen. Das geht online über die Seite meineschufa.de. Um den Antrag zu vervollständigen, ist zum Formular noch eine beidseitige Kopie eines Ausweisdokuments beizufügen. Daraus müssen Vor- und Zuname, vollständige Adresse, Geburtsdatum und Geburtsort hervorgehen. Alle weiteren Angaben, wie etwa das Foto auf dem Ausweisdokument, können geschwärzt werden. Das Anfügen einer Ausweiskopie dient der zweifelsfreien Identifikation.

Die Schufa-Datenkopie ist wie gesagt kostenlos, aber inhaltsleer, wie Verbraucher- und Datenschützer seit längerem bemängeln. Der Fokus liegt dabei auf dem Scoring, also der Bewertung durch die Schufa. Wie genau sich diese berechnet, ist unbekannt. Verbraucherministerin Steffi Lemke (Grüne) beklagt laut heise online, dass derzeit "das Zustandekommen des Schufa-Scores immer noch eine Black Box ist."

Die kostenpflichtige Schufa-Auskunft

Die Schufa-Datenkopie ist kostenlos. Aber es gibt ebenso kostenpflichtige Schufa-Auskünfte, die umfangreicher sind.

Möglichkeit 1 ist die kostenpflichtige Schufa-Auskunft meineSCHUFA kompakt und kostet derzeit einmalig 9,95 Euro. Zudem fallen für jeden Monat der Laufzeit 3,95 Euro an. Innerhalb der Laufzeit gibt es dann unbegrenzt viele Schufa-Auskünfte. Der Vertrag hat eine Mindestlaufzeit von 12 Monaten und verlängert sich automatisch. Im Gegensatz zur kostenlosen Auskunft steht sie ebenso online bereit. Und das tagesaktuell. Du kannst die Informationen mobil abrufen und dich mit Fragen und Hinweisen zu der Auskunft direkt an die Schufa wenden. 

Möglichkeit 2 ist die Schufa-Bonitäts-Auskunft, welche bei Vermieter*innen und Arbeitgebern wichtig und beliebt ist. Sie ist fälschungssicher und bietet einen tagesaktuellen Nachweis deiner Bonität. Sie ist einmalig und kostet 29,95 Euro. Sie enthält

  • einen Überblick über die zu deiner Person gespeicherten Daten
  • die tagesaktuelle Berechnung deines Bonitäts-Scores
  • sie dient als offizieller Nachweis der Bonität (Original-Zertifikat) zur sicheren Weitergabe an Dritte

Möglichkeit 3 ist neben der Kompakt- und Bonitätsauskunft der sogenannte Bonitätscheck, bei dem es sich um "eine kürzere Onlinevariante der Schufa-Bonitätsauskunft" handelt. Hier stehen nur die Informationen, die für den Vertragsabschluss, beispielsweise für eine Wohnung, relevant sind. Der Bonitätscheck für Privatpersonen ist aber kein Angebot der Schufa. Es gibt ihn direkt über die Webseiten oder Apps von Kooperationspartnern der Schufa. Dazu zählen die Banken, Versicherungen oder Vermietungsportale.

Wie entstand die Schufa?

Schufa ist eine Abkürzung und steht für "Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung". Im Kern ist es eine privatwirtschaftliche Wirtschaftsauskunftei. Ihr Geschäft ist die Sammlung und Weitergabe wirtschaftsrelevanter Daten über Privatpersonen und Unternehmen an Auftraggebende.

Welche Idee die Schufa verfolgt, zeigte sich bereits bei ihrer Entstehung. Es war ein Stromableser der Berliner Elektrizitätswerke, der meinte, er hätte einen guten Überblick darüber, wer regelmäßig und pünktlich seine Stromrechnung bezahlt und wer nicht. Aus diesen Informationen entstand die Geschäftsidee, den "guten Zahlern" Kühlschränke per Ratenzahlung zu verkaufen. Er wusste ja aus eigener Erfahrung, wer seinen Raten pünktlich zahlt. Das Prinzip, auf Basis von vorliegenden Zahlungserfahrungen, Kreditgeschäfte wie Ratenzahlungen oder Kredite zu ermöglichen, war geboren und stieß auf Interesse. 

1927 entstand die erste "Schutzgemeinschaft für Absatzfinanzierung" in Berlin. In den 50er Jahren schlossen sich 13 regionale Gesellschaften zur Bundes-Schufa zusammen. Seit dem Jahr 2000 firmiert diese als Schufa Holding AG mit Sitz in Wiesbaden und hat rund 900 Mitarbeitende. Der "Datenschatz" der Firma ist gewaltig: 6,3 Millionen Unternehmen und 68 Millionen Menschen sind registriert. Der Datenbestand liegt bei 1,1 MilliardenDie Geschäftsidee ist also seit 95 Jahren unverändert: Unternehmen liefern Informationen zum Zahlungsverhalten ihrer Kundschaft und erhalten im Gegenzug Auskünfte über die Kreditwürdigkeit neuer Interessierter.

Wer steckt hinter der Wirtschaftsauskunftei?

Die Schufa ist als Aktiengesellschaft organisiert. Anteile an der Schufa halten in erster Linie Geldinstitute – rund 87 Prozent. Der Großteil gehört Kreditbanken (34,7 Prozent), gefolgt von Sparkassen (26,4 Prozent) und Privatbanken (17,9 Prozent). Die Genossenschaftsbanken machen lediglich 7,9 Prozent aus. 13,1 Prozent entfallen auf den Handel und sonstige. Der Wert der Schufa wird auf zwei Milliarden Euro geschätzt. Die Schufa weist bei einem Jahresumsatz von über 249 Millionen Euro (2021) einen operativen Gewinn von 48 Millionen Euro aus. Das sind Bilanzzahlen, die Begehrlichkeiten wecken.

Und richtig: In diesem Jahr gab es kauflustige Interessierte. Der schwedische Finanzinvestor EQT hat angekündigt, dass er die Schufa gerne komplett einnehmen möchte. In einem ersten Schritt erwarb er knapp 10 Prozent der Anteile an der Auskunftei aus Wiesbaden. Das Aktienpaket hatte der Investor von der französischen Großbank Société Générale übernommen. Das Kartellamt hat keine Einwände gegen die Pläne von EQT. Trotzdem lief die Übernahme nicht so, wie die Schweden sich das vorstellten.

Das Kartellamt hatte nämlich ebenfalls keine Einwände gegen einen konkurrierenden Plan des bisherigen Minderheitseigentümers TeamBank. Sie wollten unbedingt die eigenen Anteile an der Schufa aufstocken und so die Übernahme durch EQT verhindern. Das für sein Kreditangebot easycredit bekannte Institut ist eine Tochter der genossenschaftlichen DZ-Bank und besitzt derzeit wenige Prozent an der Schufa. Wer am Ende bei diesem Wirtschaftskrimi die Nase vorn hat, ist offen. Finanzauguren an der Frankfurter Börse sprechen von einer seit Monaten dauernden Hängepartie. Die Sparkassen und Genossenschaftsbanken wollen aber auf jeden Fall verhindern, dass der Datenschatz aus Wiesbaden einem reinen Finanzinvestor (also einer Private-Equity-Firma, auch "Heuschrecken" genannt) in die Hände fällt. 

Fazit

Kaum ein Unternehmen sehen wir mal von Facebook und Google ab – sammelt so viele Daten, die mit der Zahlungsmoral der Deutschen zusammenhängen, wie die Schufa. Das verpflichtet zur Transparenz. Bis kurzem war die Wirtschaftsauskunftei verschlossen wie eine Auster. Da hat sich einiges verbessert. Viel Geheimnis machen die Wiesbadener aber immer noch um ihren Schufa-Score. Das sollten sie aber besser lassen. Das Geld-Thema ist zu sensibel.