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Wo in Deutschland das meiste Geld verdient wird - Fränkischer Landkreis überrascht

München, Starnberg, Frankfurt am Main: Bei den höchsten Einkommen gibt es in Deutschland kaum Überraschungen, oder? Doch: Der Blick nach Franken zeigt, welch großen Einfluss die Preise vor Ort und staatliche Abgaben auf das effektive Einkommen der Menschen haben.
Einkommen in Deutschland im Vergleich
Das Einkommen in Deutschland ist sehr ungleich verteilt. Doch neben dem Gehalt kommt es dabei auch darauf an, wie teuer es vor Ort ist. Das zeigt vor allem der Blick nach Franken. Foto: Arno Burgi/dpa-Zentralbild/dpa
  • Einkommensunterschiede in Deutschland weiterhin hoch
  • Neben Lohn spielen auch Mieten und Lebenshaltungskosten eine große Rolle
  • Schweinfurt, Erlangen, Hof und Co.: Franken aus mehreren Gründen auffällig
  • Coburg unter den Top 10 in Deutschland

Die Einkommensunterschiede in den 401 deutschen Landkreisen und kreisfreien Städten sind beachtlich: Während man im Durchschnitt in Mansfeld-Südharz, einem Landkreis in Sachsen-Anhalt, 18.326 Euro brutto verdient, ist es im bayerischen Landkreis Starnberg mit 52.783 Euro fast dreimal so viel. Doch in der Auswertung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der Hans-Böckler-Stiftung (WSI) zeigen sich nicht nur die seit nunmehr drei Jahrzehnten bestehenden Lohngefälle zwischen Ost und West, zwischen neuen und alten Bundesländern. Auch regional gibt es erhebliche Unterschiede. Vor allem die fränkischen Landkreise wie Coburg und Schweinfurt fallen aus mehreren Gründen auf. 

Reiches Land und arme Städte? Scheinbarer Widerspruch durch Pendler

Denn die Hans-Böckler-Stiftung hat nicht nur das nominale Brutto-Durchschnittseinkommen betrachtet. Also jenes Einkommen, was die Menschen durchschnittlich brutto verdienen. Sie hat außerdem miteinbezogen, wie unterschiedliche die Preise in den einzelnen Regionen sind. Denn höhere Kosten für Mieten, Lebensmittel oder Freizeitangebote senken das effektive Vermögen der Einwohner vor Ort natürlich. Zudem berücksichtigte das WSI das System staatlicher Abgaben und Transfers. Hier profitieren vor allem Landkreise in den neuen Bundesländern und solche, in denen vor allem ältere Menschen und andere Leistungsempfänger leben. 

Doch zunächst zum Nominaleinkommen: In Deutschland gibt es mehrere Zentren hoher Einkommen. Allen voran natürlich die Regionen München und Frankfurt am Main. Aber auch Hamburg und Düsseldorf fallen auf. In Franken ist es die Region rund um Erlangen und Nürnberg, in der überproportional viel Geld verdient wird - wenig überraschend angesichts der vor Ort ansässigen Industrie und Großunternehmen wie Siemens und Adidas. Dabei fällt zudem auf, dass das Haushaltseinkommen in den Landkreisen oft deutlich über dem in den kreisfreien Städten liegt. In der Stadt Schweinfurt liegt das Haushaltseinkommen pro Kopf beispielsweise knapp 4000 Euro unter dem im Landkreis Schweinfurt. Hier zeigt sich auch der Unterschied zwischen der Betrachtung des durchschnittlichen Haushaltseinkommens und der Durchschnittsgehälter: Während letztere auf dem Land höher sind, sind die Gehälter in den Städten höher, wie unsere Auswertung aus den vergangenen Jahren zeigen. Denn beim Gehalt lag die Stadt Schweinfurt mehrere tausend Euro vor dem Landkreis Schweinfurt. Getrieben wird dieser scheinbare Widerspruch vor allem durch Pendler, die zwar in hoch bezahlten Jobs in der Stadt arbeiten, aber lieber auf dem ruhigen (und billigeren) Land leben. 

Besonders augenfällig ist das Einkommensgefälle zwischen neuen und alten Bundesländern an der fränkisch-thüringischen Grenze. Nominal lag das Einkommen im "Osten" zwischen 6000 und 10.000 Euro niedriger als im nur wenige Kilometer südlich gelegenen "Westen".  

Coburg besonders auffällig - Hof fällt ab

Etwas weniger drastisch fällt dieser Unterschied aus, wenn man Transferleistungen und Lebenshaltungskosten beachtet. Hier springt dann plötzlich ein oberfränkischer Landkreis in die bundesweiten Top-10 der "reichsten" Kreise: Im Landkreis Coburg liegt das verfügbare pro-Kopf-Haushaltseinkommen bei 29.182 Euro - Platz 8 in Deutschland. Dabei liegt der Landkreis beim Nominal-Lohn nicht einmal in den Top 100 in Deutschland. Wie kann das sein? Dies hat vor allem einen Grund: Das Preisniveau in Coburg ist eines der niedrigsten in ganz Deutschland. Hier liegt der Landkreis auf Platz 6. Zudem liegen die Abgaben und Transferleistungen deutlich unter dem Niveau, welches beispielsweise in der Region München fällig wird. 

Allgemein lässt sich dieses Phänomen in vielen Regionen Frankens beobachten: Wunsiedel ist deutschlandweit der zweitbilligste Landkreis. Auch die Landkreise Hof, Bayreuth oder Rhön-Grabfeld weisen ein sehr niedriges Preisniveau auf.  Teurer ist es hingegen vor allem in den fränkischen Städten Nürnberg, Erlangen, Würzburg und Bamberg

Insgesamt kann man sich aber in Franken nicht beschweren: Beim verfügbaren Einkommen liegen fast alle fränkischen Städte und Landkreise teils deutlich über dem deutschen Durchschnitt. Einzig die Stadt Hof liegt mit 23.522 Euro pro Jahr knapp unter dem bundesdeutschen Durchschnitt von 23.706 Euro