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Elternzeit aufteilen: Vier verschiedene Modelle - und der Unterschied beim Elterngeld

Frisch gebackene Eltern sind sich meist nicht direkt einig darüber, wie sie die Elternzeit aufteilen wollen. Grund dafür sind auch oft Unklarheiten, die das Elterngeld betreffen.
Wie teilt man die Elternzeit am besten auf? Symbolbild.
Wie teilt man die Elternzeit am besten auf? Symbolbild. Foto: CC0 / Pixabay / smpratt90
  • Wissenswertes rund um die Elternzeit
  • Das solltest du bei der Aufteilung bedenken
  • Aufteilungsmöglichkeiten
  • Das Elterngeld

Die Überlegungen rund um die Elternzeit beginnen meist schon lange vor der Geburt. Dabei gibt es viele verschiedene Aspekte zu bedenken, die sowohl die Aufteilung der Zeit als auch das Elterngeld betreffen.

Das musst du über die Elternzeit wissen

Grundsätzlich wird die Elternzeit als eine Pause von Müttern oder Vätern gesehen, die diese von dem Berufsalltag nehmen können, um Zeit für die Betreuung und Erziehung des Kindes zu haben. In der Zeit darfst du nicht gekündigt werden. Diese Auszeit vom Job ist grundlegend unbezahlt und kann pro Kind bis zu drei Jahre für dich betragen. Insgesamt können maximal zwei der drei Jahre Elternzeit zwischen dem 3. und 8. Geburtstag deines Kindes aufgespart werden. Bei der Erstanmeldung einer Elternzeit musst du auch direkt festlegen, für wie lange du diese innerhalb der nächsten beiden Jahre nehmen willst. Diese beiden Jahre werden auch "Bindungszeitraum" genannt. Eine entsprechende Beantragung muss beim Arbeitgeber spätestens 7 Wochen im Voraus schriftlich erfolgen. Eine konkrete Mindestdauer für eine Elternzeit gibt es nicht; für den Erhalt des Elterngeldes musst du jedoch einen Bezugszeitraum von mindestens zwei Monaten beantragen.

Voraussetzungen laut dem Bundesministerium für Familie sind, dass du in einem Arbeitsverhältnis stehst, dass du mit deinem Kind in einem Haushalt wohnst und es selbst sowohl betreust als auch erziehst und du maximal 32 Stunden pro Woche während der Elternzeit arbeitest. In welcher Form des Arbeitsverhältnisses du dabei stehst, ist irrelevant. Ausnahmen gelten, wenn du selbstständig bist, ein Geschäft führst, Hausfrau/-mann bist, studierst, ein freiwilliges soziales Jahr machst, arbeitslos bist oder ehrenamtlich arbeitest. In diesen Fällen steht dir laut Bundeselternzeitgesetz keine Elternzeit zu.

Die Elternzeit kann von beiden Partnern gleichermaßen beantragt werden. Dabei muss es nicht zwangsläufig das leibliche Kind sein, für welches die Elternzeit beansprucht wird: Es kann auch eine Pflege- oder Adoptivkind, in speziellen Fällen ein Enkelkind oder sogar ein Geschwisterteil betreffen.

Variablen bei der Aufteilung der Elternzeit

Der bekannte Mutterschutz beläuft sich auf einen Zeitraum von sechs Wochen vor und acht Wochen nach der Geburt des Kindes. In der Regel wird beantragtes Mutterschaftsgeld von der gesetzlichen Krankenkasse ausgezahlt. Je nach Höhe des bisherigen Nettogehaltes entspricht dieser Betrag bis zu 13 Euro. Die Differenz zur vorherigen Gehaltshöhe wird von dem Arbeitgeber in Form eines "Zuschusses" gezahlt, sodass die Frau auch in dieser Zeit das reguläre Nettogehalt erlangt. Die Elternzeit kann für die Mutter frühstens nach dem Mutterschutz beginnen, für den Vater direkt nach Geburt des Kindes.

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Grundsätzlich ist die Elternzeit von Vater und Mutter unabhängig zueinander. Die Gesamtzeit von drei Jahren kann dabei von jedem Elternteil entweder am Stück genommen werden oder in drei Abschnitte aufgeteilt werden. Ist dein Kind vor dem 1. Juli 2015 geboren, gilt noch die alte Regelung mit nur zwei möglichen Zeitabschnitten. Möchtest du die Zeit noch weiter aufteilen, musst du dies persönlich mit deinem Arbeitgeber abklären. Eine Verlängerung der Elternzeit gilt grundsätzlich nicht als neuer Zeitabschnitt. Übrige Elternzeit verfällt nach dem 8. Geburtstag deines Kindes.

Bei der Beantragung der Elternzeit vor dem dritten Geburtstag des Kindes muss bereits angegeben werden, für welche Zeiträume du die Elternzeit nehmen möchtest: Diese zwei Jahre heißen dann Bindungszeitraum. Entscheiden sich du und dein Partner dafür, beide die vollen drei Jahre in Anspruch zu nehmen, überschneidet sich mindestens ein Jahr der Elternzeit.

Mögliche Varianten zur Aufteilung

Grundsätzlich gibt es eine Vielzahl an möglichen Varianten, die Elternzeit zwischen euch aufzuteilen. Eine Inspiration können folgende Varianten liefern:

  1. Ihr geht gemeinsam in Elternzeit. Dies bedeutet, dass die Mutter sofort nach dem Mutterschutz in die Elternzeit geht und der Vater sofort nach der Geburt die Elternzeit in Anspruch nimmt. Wie genau dies mit eurer finanziellen Lage vereinbar ist, müsst ihr dann individuell entscheiden.
  2. Ihr geht beide in Elternzeit und Teilzeit: Ihr nehmt das Elterngeld in Anspruch, indem ihr beide unter 30 Stunden die Woche arbeitet. Dafür arbeitet ihr beide in Teilzeit und wechselt euch bei der Betreuung ab.
  3. Ihr wechselt in der Mitte. Hängst sowohl du als auch dein Partner sehr am Job, kann es ein guter Kompromiss sein, nach etwa 7 Monaten zu wechseln: War die Mutter beispielsweise die ersten 7 Monate in Elternzeit, kann nun der Vater für die nächsten 7 Monate in Elternzeit gehen.
  4. Ihr nutzt nur die zwei Partnermonate. Während ein Elternteil deutlich länger in der Elternzeit bleibt, nutzt das andere Elternteil nur die zwei Partnermonate, damit das volle Elterngeld ausgeschöpft werden kann.

Das Elterngeld: So kannst du es berechnen

Die Elternzeit meint eine gehaltlose Freistellung von der Arbeit. Für viele bedeutet dies eine starke finanzielle Belastung, wenn der Lohn des Partners wegfällt. Dafür kann in Deutschland das sogenannte Elterngeld beantragt werden. Dieses wird je Lebensmonat des Kindes ausgezahlt.

Es ist erlaubt, dass du bis zu 32 Stunden pro Woche arbeitest, auch, wenn du Elterngeld bekommst; es ist aber keinesfalls verpflichtend. Für das Elterngeld gibt es drei Optionen: Das Basiselterngeld bekommst du für zwei bis zwölf Monate und liegt monatlich zwischen 300 und 1800 Euro. Beantragt auch dein Partner Elterngeld, ist es möglich, dass ihr zusammen bis zu 14 Monate das Geld bekommt. Wie hoch das Elterngeld ist, hängt von deinem Netto-Einkommen ab: in den meisten Fällen sind dies 65 % dieses Einkommens, bei sehr niedrigem Verdienst auch bis zu 100 %. Mit einem Elterngeld-Rechner kannst du dein voraussichtliches Elterngeld berechnen. Seit dem ersten September 2021 kannst du das Elterngeld auch einfach digital beantragen.

ElterngeldPlus hat den Vorteil, dass du es etwa doppelt so lange wie das Basiselterngeld beziehen kannst. Es liegt zwischen 150 und 900 Euro im Monat. Arbeitest du in Teilzeit, lohnt sich diese Variante besonders, da es meist ebenso hoch wie das Basiselterngeld ist, aber für bis zu 28 Monate ausgezahlt werden kann. Nicht lohnenswert ist es jedoch, wenn du nach der Geburt nicht arbeitest: Das ElterngeldPlus ist dann nur etwa halb so hoch wie das Basiselterngeld. Einen sogenannten Partnerschaftsbonus können Paare erhalten, die beide gleichzeitig in Teilzeit arbeiten und sich Familie und Beruf somit besonders solidarisch aufteilen. Bei dem Bonus bekommt ihr einige Monate länger ElterngeldPlus; dabei könnt ihr flexibel wählen, wann und wie lange ihr den Bonus in Anspruch nehmen wollt. Dafür stehen zwei, drei oder sogar vier Monate zur Wahl.

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