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Love is Love: Flagge zeigen - welche Flaggen gibt es in der LGBTQ-Community?

Love is love – so zeigt die LGBTQIA+ Community Flagge. Diese Flaggen stehen für die unterschiedlichen sexuellen und romantischen Orientierungen sowie Geschlechtsidentitäten.
Die Flaggen der queeren Community zeigen die sexuelle, romantische und geschlechtliche Vielfalt.
Die Flaggen der queeren Community zeigen die sexuelle, romantische und geschlechtliche Vielfalt. Foto: CC0 / Pixabay / SatyaPrem
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Liebe ist nicht heteronormativ, es gibt ganz unterschiedliche Möglichkeiten zu lieben. Wen du liebst, was du fühlst, welchem Geschlecht du dich zugehörig fühlst, macht keinen Unterschied. Wir sind alle Menschen, die sein und lieben wollen. Immer mehr Gruppen der queeren Community werden mit eigenen Flaggen sichtbar. Im Folgenden werden einige aktuelle Varianten dieser Flaggen vorgestellt. Alle Flaggen sind als Vorschlag zu betrachten, wurden und werden immer wieder verändert. Die Identifikation mit jenen Flaggen und deren Symbolik ist eine individuelle Entscheidung.

Die Regenbogenflagge

1978 entwarf Gilbert Baker die Regenbogenflagge als Symbol für die queere Community. Harvey Milk, der erste offen schwule Politiker, der in den USA ein politisches Amt begleitete, gab den Anstoß, ein neues Symbol für die schwule Community zu entwerfen. Ein positiv besetztes Symbol, das nicht wie der rosa Winkel an die Verfolgung durch das NS-Regime erinnerte.

Über die Jahre wurde die Flagge immer wieder modernisiert und zum allgemeinen Symbol der queeren Community. In der ersten Version sind noch ein türkiser und ein pinker Streifen vorhanden. Pink war in der damaligen Produktion nicht in großen Mengen herstellbar und türkis wurde, nachdem die Flagge immer populärer geworden ist, gestrichen, um wieder eine gerade Anzahl an Streifen zu erhalten.

In der Flagge hat jede Farbe ihre eigene Bedeutung. Rot steht für das Leben, orange für Gesundheit, gelb für die Sonne, grün für die Natur, blau für Harmonie und lila für Spiritualität.

Aktualisierte Progress-Flag

2017 entwarf Daniel Quasar, ein*e nicht-binäre*r Grafikdesigner*in, eine fortschrittliche Variante der Regenbogenflagge. Diese wurde alsdann um einen Keil in den Farben der Trans-Pride-Flagge sowie braun und schwarz ergänzt.

Braun und schwarz stehen für marginalisierte Personen der Community und spiegeln somit weitere Aspekte der Gemeinschaft wider, so auch BIPoC (Schwarze, Indigene und People of Color). Die Ausrichtung des Keils hin zum Regenbogen soll den noch vor uns liegenden Fortschritt symbolisieren.

Die Progress-Flag wurde sehr gut von der Community aufgenommen. Valentino Vecchietti von Intersex Equality Rights UK hat die Progress-Flag schließlich um das gelbe Dreieck mit lila Kreis ergänzt. Die Inter*Pride Flagge symbolisiert neben der queeren Community, Trans- und BIPoC-Menschen, also ebenso Intergeschlechtlichkeit, um auch diese Sichtbarkeit zu stärken.

Sexuelle Orientierung: asexuell, bisexuell, schwul

Die sexuelle Orientierung beschreibt, zu welchem Geschlecht sich ein Mensch sexuell hingezogen fühlt. Diese Flaggen stehen für einen Teil unterschiedlicher Gruppierungen innerhalb der queeren Community. Asexuell bedeutet, es besteht kein Verlangen nach sexuellen Interaktionen. 2010 wurde die aktuelle Version der asexuellen Pride-Flag vorgestellt. Das Schwarz in der Flagge steht für die Asexualität. Grau steht für das asexuelle Spektrum – damit ist ein Bereich gemeint, in dem sich Menschen wieder finden können, die sich nicht im schwarzen Bereich (asexuell) oder weißen Bereich ((allo)-sexuell) einordnen. Weiß steht demnach für (allo)-sexuell und beschreibt Menschen, die sich zu andern Menschen sexuell hingezogen fühlen. Lila steht für die Gemeinschaft.

Die bi*sexuelle Flagge ist für Menschen in der Community, die romantische und/oder sexuelle Anziehung zu Menschen zweier oder mehrerer Geschlechter haben. Den Entwurf der bi*sexuellen Pride-Flag gibt es seit 1988. Sie wurde geschaffen, um der bisexuellen Community ein eigenes Symbol zu geben und so ihre Sichtbarkeit zu stärken. Pink steht für die gleichgeschlechtliche Liebe. Blau symbolisiert die Liebe zu einem anderen Geschlecht und der Lila Streifen in der Mitte steht für die Liebe zu einem Menschen, unabhängig des Geschlechts.

Die Flagge der Schwulen repräsentiert Menschen, die sich als männlich definieren und sich romantisch und/oder sexuell zu männlichen Personen hingezogen fühlen. Die 7 Streifen der Flagge für die schwule Community sind in Grün- und Blautönen gehalten und tragen – von oben nach unten – folgende Bedeutung: Community, Heilung, Joy (Freude), Gender-Nonkonformität/Nicht-binäre/Trans-Schwule, "Pure Love", Kraft und Diversität.

Sexuelle Orientierung: lesbisch, pansexuell, polysexuell

Die lesbische Flagge steht für Menschen, die sich als weiblich definieren und sich romantisch und/oder sexuell zu weiblichen Personen hingezogen fühlen. Bestehend aus sechs Rot- und Rosatönen, mit einem weißen Balken in der Mitte, tragen die 7 Farben – von oben nach unten – folgende Bedeutung: Gender-Nonkonformität, Unabhängigkeit, Community, besondere Beziehung zu Weiblichkeit, Klarheit und Frieden, Liebe und Sex sowie Femininität.

Für eine pansexuelle Person spielt das Geschlecht oder die Geschlechtsidentität der Partner*in für die sexuelle Anziehung und das Liebesempfinden keine Rolle. Seit 2010 gibt es eine Flagge für die pansexuelle Community. Der magentafarbene Streifen steht für die sexuelle Anziehung zu einer Person, die sich im weiblichen Spektrum befindet. Das Cyan (Türkis/Hellblau) steht für die Anziehung zu einer Person aus dem männlichen Spektrum. Gelb steht für die Anziehung zu nicht-binären Menschen, die sich nicht als männlich oder weiblich definieren. 

Eine polysexuelle Person fühlt sich zu Menschen mehrerer Geschlechter romantisch und/oder sexuell hingezogen. Die Farben sind aus der Flagge für Pan- und Bisexualität entnommen. Pink und Blau stehen wie in der Flagge der Bisexualität für gleichgeschlechtliche Liebe und die Liebe zum andern Geschlecht. Grün symbolisiert die Anziehung zu nicht-binären Menschen.

Geschlechtliche Vielfalt: intersexuell, transsexuell, nicht-binär

Das binäre Bild des Geschlechts ist in unserer Gesellschaft dominierend. Bei diesem wird von zwei Geschlechtern aus gegangen – männlich und weiblich – die sich paarweise gegenüberstehen. Die Realität umfasst aber mehr als diese zwei Geschlechter. Die geschlechtliche Identität beschreibt die Zugehörigkeit zu einem Geschlecht oder auch keinem. Intersexuelle Menschen haben körperliche Geschlechtsmerkmale, die sich nicht als ausschließlich männlich oder weiblich einordnen lassen. Grund dafür können etwa eine Variation der körperlichen Geschlechtsmerkmale zum Beispiel in der Hormonproduktion, dem Chromosomensatz oder den Geschlechtsorganen sein. Die Flagge Intersex-Pride-Flag wählt mit Absicht keine geschlechtsspezifischen Farben, wie etwa pink oder blau. Der lila Kreis auf gelbem Grund soll die Ganzheit von Inter*-Personen darstellen und ihre Ungebrochenheit. Sie steht außerdem als Symbol für körperliche und genitale Selbstbestimmung. 

Trans Personen sind Menschen, die sich nicht oder nicht ausschließlich mit dem Geschlecht, welches ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde, identifizieren. In der Trans-Flagge steht der blaue Streifen für Männlichkeit, das Rosa für Weiblichkeit und weiß für nicht-binär, inter* und trans* Menschen.

Als nicht-binär definieren sich Menschen, die sich nicht als (nur)-männlich oder (nur)-weiblich identifizieren, ihre Geschlechtsidentität lässt sich nicht in der Gegenüberstellung von Mann und Frau beschreiben. In der zugehörigen Flagge steht gelb als geschlechtsneutrale Farbe für Menschen außerhalb der zweigeschlechtlichen Norm. Weiß steht für die Zugehörigkeit vieler oder aller Geschlechter. Lila symbolisiert die Mischung aus weiblich und männlich sowie die Fluidität von Geschlechtern. Schwarz steht für Menschen ohne Geschlecht. 

Geschlechtliche Vielfalt: genderfluid, demigender, agender

Als genderfluid bezeichnen sich Menschen, deren Geschlechtsidentitäten sich in Bewegung finden und sich in unterschiedlicher Häufigkeit ändern können. In der Genderfluid Pride Flagge steht pink für Weiblichkeit, weiß für die Abwesenheit von einem Geschlecht, lila ist die Mischung aus weiblich und männlich. Schwarz beschreibt alle Geschlechteridentitäten außerhalb des binären Systems und blau steht für Männlichkeit.

Personen, die sich nur teilweise mit einem Geschlecht identifizieren können, nennen sich demigender. Die beiden Flaggen stehen für Demiboy und Demigirl, sie bestehen aus 7 Streifen. Weiß steht dabei für geschlechtslos, blau für männlich bzw. rosa für weiblich, und grau für das Geschlechtsspektrum.

Als agender sehen sich Personen, die sich keinem Geschlecht zugehörig fühlen. Die Agender Pride Flagge wurde 2014 entworfen. Schwarz und weiß stehen für das Fehlen eines Geschlechts, Grau beschreibt das Spektrum, also die Zwischenstufen, und grün als Mischung aus pink und blau steht für nicht-binär. 

Romantische Vielfalt: aromantisch, polyamourös, paroromantisch

Die romantische Orientierung beschreibt, zu welchem Geschlecht sich eine Person romantisch hingezogen fühlt, sich verliebt und eine Liebesbeziehung eingeht. Die sexuelle und romantische Orientierung eines Menschen müssen nicht unbedingt übereinstimmen. So kann sich beispielsweise eine pansexuelle Person sexuell zu allen Geschlechtern hingezogen fühlen, aber nur gegenüber einem Geschlecht romantische Gefühle und Liebe empfinden. Menschen, die keine romantische Anziehung zu andern Menschen verspüren, bezeichnen sich als aromantisch. Für ihre Flagge gibt es mehrere Vorschläge. Einer ähnelte zu sehr der Rastafari-Bewegung, eine zweite beinhaltet einen gelben Streifen, was es schwer macht, für Menschen aus dem autistischen Spektrum, die Flagge zu erkennen. Der aktuelle Vorschlag besteht aus 5 Steifen, die folgende Bedeutung haben. Dunkel- und hellgrün stehen für das aromantische Spektrum, weiß für platonische Beziehungen, grau und schwarz für das (a)sexuelle Spektrum.

Polyamourös sind Menschen, die mehrere Menschen zur selben Zeit lieben. Eine der vorgeschlagenen Flaggen für die Polyamorie-Community wurde von Jim Evans entworfen. Blau stet für die Offenheit und Ehrlichkeit zu allen Partner*innen, mit denen eine Person in einer Beziehung ist. Rot steht für die Liebe und Leidenschaft und schwarz für die Solidarität für die polyamouröse Gemeinschaft. Das Pi-Zeichen in der Mitte steht für den Anfangsbuchstaben von "Polyamorie" und ist gold, um die Wertschätzung von emotionalen Beziehungen gegenüber sexuellen zu betonen. 

Paroromantisch bezeichnet Menschen, die sich in Menschen mehrerer Geschlechter verlieben, wobei ihre Gefühle je nach Geschlecht des Gegenübers spezifisch anders sind. Beispielsweise intensiver oder weniger emotional. Die 5 senkrechten Streifen haben folgende Bedeutung: Gelbgrün steht für Bewusstsein und Spiritualität, das Hellgrün für Natürlichkeit der verschiedenen Sexualitäten, das Dunkelgrün beschreibt das aromantische Spektrum, das Hellblau die Menschlichkeit und das Gelb steht für nicht-binäre Geschlechter.

Heterosexuell/Straight Ally

Straight Ally sind Menschen, die sich als heterosexuell und cisgender identifizieren und die queere Community unterstützen wollen. Sie sprechen sich gegen Hass und Diskriminierung aus. Als cisgender werden Menschen bezeichnet, deren Geschlecht, das ihnen bei ihrer Geburt zugewiesen wurde, ihrer Geschlechtsidentität entspricht. 

Die schwarz-weißen Streifen sind die Hetero-Flagge. Das A in den Farben der Regenbogenflagge steht für "Ally", was soviel wie Verbündete*r bedeutet. Die Regenbodenfarben stehen für die queere Community.

LGBTQIA+ ist die Abkürzung der englischen Wörter Lesbian, Gay, Bisexual, Transsexual/Transgender, Queer, Intersexual und Asexual. Das Plus wird als Ergänzung gesehen, die alle weiteren Geschlechtsidentitäten beinhalten soll.

Resümee

Die Flaggen und Nennungen von Gruppierungen stellt nur eine Auswahl dar und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Die Vielzahl an Flaggen und die Feinheit der hier dargestellten Ausdifferenzierung an Identitäten und Zugehörigkeiten kann auf den ersten Blick übermäßig erscheinen. Doch Zugehörigkeit gibt Sicherheit. Menschen kategorisieren ihre Umwelt in dem Versuch, sie überschaubar und greifbar zu machen. Sich in diesen Kategorien und Gruppen wiederzufinden, ist Teil der sozialen Identität.

Für Menschen, die sich nicht mit der gesellschaftlich vorherrschenden Heteronormativität identifizieren können, kann die queere Community ein Ort der Zugehörigkeit sein, der für sie frei von Diskriminierung und Ängsten ist.