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Kopfhörer beim Fahrradfahren: Was sagt das Gesetz? Was ist erlaubt und was verboten?

Immer mehr Menschen fahren gerne Fahrrad und hören gleichzeitig Musik oder einen Podcast über Kopfhörer. Doch ist das erlaubt oder müssen sie sogar mit Bußgelder rechnen? Und welche Alternativen gibt es für Fahrradfahrer? inFranken.de klärt auf.
 
Fahrrad Kopfhörer
Mit Kopfhörern Fahrradfahren: Das sagt das Gesetz Foto: Kevin Philipps/Pixabay.com
  • Kopfhörer auf dem Fahrrad: Was ist erlaubt und was sollten Fahrradfahrer unbedingt vermeiden?
  • Weiterentwicklung von kabellosen Kopfhörern wie Air-Pods könnten dazu führen, dass noch mehr Menschen mit Kopfhörern Rad fahren
  • Knochenschallkopfhörer oder Smartphonehalter als Alternative
  • Die Regeln in anderen Ländern, etwa in Frankreich und Italien

Ob beim Fahrradfahren, dem Spazieren durch die Stadt oder im Auto: Viele Menschen nutzen  Kopfhörer, um den Lieblingspodcast, die Sprachnachricht vom Freund oder die neusten Musikcharts zu hören. Aber: Im Straßenverkehr kann das Tragen von Kopfhörern zu lebensgefährlichen Situationen führen. Doch wie ist das eigentlich mit Kopfhörern auf dem Fahrrad: Was ist erlaubt und was sollten Fahrradfahrer unbedingt vermeiden?

Kopfhörer im Straßenverkehr: Was ist erlaubt

Laut einer Befragung des Deutschen Verkehrssicherheitsrates waren schon im Jahr 2015 rund 19 Prozent der Radfahrer zumindest hin und wieder mit Kopfhörern im Straßenverkehr unterwegs. Bei der Altersgruppe der 18- bis 34-Jährigen war der Anteil der Ohrstöpselträger sogar noch weit höher:  Fast jeder zweite Radfahrer (46 Prozent) trug laut den Studienleitern regelmäßig oder hin und wieder Kopfhörer.

Und auch der ADAC fand 2017 bei einer groß angelegte Aktion heraus, dass fast jeder zehnte Schüler oder Student auf dem Fahrrad Kopfhörer nutzte. Durch die Weiterentwicklung von kabellosen Kopfhörer, wie zum Beispiel die Apple Air-Pods, ist davon auszugehen, dass in Zukunft die Nutzung von Kopfhörern weiterhin steigen wird.

Laut Straßenverkehrsordnung sind Kopfhörer grundsätzlich nicht verboten. Es kommt immer auf die Lautstärke und die mögliche Ablenkung an. Denn wichtig ist: Das Gehör des Fahrradfahrers darf im Straßenverkehr nicht durch technische Geräte beeinflusst werden.

Gehör darf im Straßenverkehr nicht beeinflusst werden

Ob Personen auf dem Fahrrad beim Kopfhörertragen mit einer Strafe rechnen müssen, hängt von der Situation ab. Wenn Verkehrsgeräusche durch die Musik schlecht oder sogar gar nicht wahrgenommen werden und damit die Person den Verkehr behindert, muss sie mit einer Strafe von bis zu 15 Euro rechen. Das kann beispielsweise schon dann der Fall sein, wenn die Musik relativ laut ist oder wenn es sich um Kopfhörer handelt, die Umgebungsgeräusche gezielt abdämpfen. 

Fahrradfahrer mit Kopfhörern drohen bei einem Unfall mit Beteiligung normalerweise eine Teilschuld. Bei schweren Unfällen kann dem Fahrer des Fahrrads sogar die volle Schuld zugesprochen werden, berichtet die Versicherung Allianz Direkt auf ihrer Website. Damit verliert der Versicherte den Anspruch auf Schmerzensgeld und Schadensersatz.   

Knochenschallkopfhörer oder Smartphonehalter als Alternative

Das Problem beim Fahrradfahren mit dem Musikabspielgerät: Mit Kopfhörern im Straßenverkehr kann der Fahrer nicht nur wichtige Signale überhören, sondern er reagiert auch langsamer. Hindernisse können somit nicht immer rechtzeitig ausgewichen werden. Noch genauer: Weil durch die Kopfhörer die meisten Geräusche der Außenwelt ausgeschaltet werden, blockieren sie wichtige Informationen, die unser Gehirn zur Orientierung und Reizwahrnehmung braucht. Das Tragen von Kopfhörern kann dadurch eine echte Gefahr darstellen.

Knochenschallkopfhörer bei Amazon

Für diejenigen, die dennoch nicht auf Musik beim Fahrradfahren verzichten möchten, hat Hartmut Gieselmann vom Fachmagazin "c`t" einen Tipp. Im Gespräch mit der Zeitung "Die Welt" empfiehlt er Knochenschallkopfhörer. Diese liegen nahe dem Ohr direkt am Schädelknochen an und leiten in Form von Vibrationen den Schall zum Innenohr. Das Beste daran: Das Ohr bleibt frei. Es kann somit weiter Außengeräusche inklusive der wichtigen Richtungsinformationen aufnehmen. Durch die mäßige Klangqualität und einer geringen Lautstärke dienen diese Kopfhörer im Vergleich zu konventionellen Kopfhörern vielleicht nicht zum Musikgenuss. Für Gespräche seinen sie aber ausreichend, sagt Gieselmann.

Wer kein Problem damit hat, dass die Umgebung ein Gespräch oder die Musik mithört, kann auch das Smartphone am Fahrradlenker befestigen. Durch spezielle Halterungen oder Schalen am Lenker kann das Smartphone am Fahrrad befestigt werden. Über die Freisprechfunktion kann nun der Fahrer telefonieren. Da jedoch das Umfeld das Telefonat hören kann und Personen sich dadurch belästigt fühlen könnten, ist diese Alternative eher eine Notlösung. Genau den selber Nachteil haben auch kleine Bluetooth-Boxen, die am Lenkrad montiert werden können oder im Flaschenhalter verstaut werden könnten. Diese Geräte während der Fahrt zu steuern könnte auch zu Problemen bis hin zu Unfällen führen.

Andere Länder andere Regeln

Eine weitere Alternative für Kopfhörer könnten Fahrradhelme mit integrierten Lautsprechern und Mikrofon sein. Auch hierbei kommt vielleicht die Klangqualität nicht an herkömmliche Kopfhörer heran, jedoch würden die Helme zum Telefonieren oder Hören von Podcasts vollkommen ausreichen, meint Gieselmann. Bei der Auswahl des Fahrradhelms hat er noch einen Rat: "Ein sicherer Sitz ist wichtiger als Musik im Helm." Deshalb solle er nach Sitz und Passform ausgesucht werden und nicht nach den Multimedia-Funktionen.

Fahrradhelm mit integriertem Lautsprecher bei Amazon

Im Gegensatz zu Deutschland verbieten andere Länder das Tragen von Kopfhörern im Straßenverkehr komplett. Dies ist beispielsweise in Frankreich der Fall. Hier werden bei der Nutzung der Ohrstöpsel 135 Euro Strafgeld fällig. Auch in Italien ist das Tragen der Kopfhörer verboten. Dort wird ein Vergehen sogar mit einem Bußgeld in Höhe von 160 Euro bestraft.

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Kevin Philipps/Pixabay.com