Der Präsident des Bauernverbands ist beim Blick in die Zukunft trotzdem skeptisch und prognostiziert langfristig sinkende Erlöse. So wird beispielsweise der Milchpreis kritisiert, welcher von 60 Cent pro Liter wieder auf 40 Cent gefallen ist. Gleichzeitig steigen die Lohnkosten. Zudem nimmt die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland seit Jahrzehnten ab, was ebenfalls nicht für die Attraktivität spricht. Die Ursachen sind unklar, aber anscheinend setzen sich vor allem Großbetriebe durch. Gleichzeitig wird die Preisgestaltung des Einzelhandels kritisiert, die großen Supermarktketten diktieren die Preise für Obst oder Gemüse. Laut des Thünen-Instituts für Landwirtschaft kommt innerhalb der Wertschöpfungskette immer weniger Geld bei den Betrieben an. Mit Aldi, Edeka, Lidl und Rewe steuern vier Großkonzerne etwa 75 % des deutschlandweiten Lebensmittelmarktes. Die Landwirte fordern, dass die Regierung Einfluss auf die Handelskonzerne nimmt.
Wer geht da eigentlich auf die Straße?
Es besteht die berichtige Sorge, dass sich immer wieder Extremisten unter die protestierenden Landwirte mischen. So haben bei vorangegangen Protesten rechte Parteien und Gruppen aus der Querdenker-Szene zu einer Teilnahme aufgefordert. Die AfD in Thüringen hat zu einem "Generalstreik" gegen "Wohlstandsvernichter" der Bundesregierung aufgerufen.
Darüber hinaus hat ein wütender Mob zuletzt den deutschen Wirtschaftsminister Robert Habeck beim Verlassen einer Fähre behindert. Der Bauernverband distanziert sich klar davon und Trittbrettfahrer sind kaum zu verhindern.
Die Politik sieht derweil mit den Anpassungen eine überproportionale Belastung der Landwirtschaft abgewendet. Gleichzeitig sagt Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne), dass das Ministerium eigene Vorschläge zur Gegenfinanzierung gemacht hat. Die Proteste bewertet er als "über das Ziel hinausgeschossen". Er stellt jedoch auch fest, dass den Bauern jahrzehntelang Dinge versprochen wurden seien, die von der Regierung am Ende nicht eingehalten wurden.
Insgesamt eine angespannte Lage
Die Gesamtsituation muss von verschiedenen Blickwinkeln aus betrachtet werden. Die Regierung befindet sich aktuell auf einem Sparkurs und schränkt daher Subventionen ein. Den landwirtschaftlichen Betrieben geht es aktuell wirtschaftlich gut, jedoch sehen sie sich den Einzelhandelsunternehmen ausgeliefert und langfristig werden die zusätzlichen Belastungen vor allem für kleine Betriebe schwierig zu stemmen sein.
Die Situation bleibt also angespannt und wir können von weiteren Protesten ausgehen.