• Was du als Arbeitnehmer beachten solltest, wenn du fristlos kündigen willst
  • Unter welchen Bedingungen ist eine fristlose Kündigung gerechtfertigt?
  • Fristlose Kündigung: Wann darf dein Chef dich einfach rausschmeißen?
  • Wie du dich erfolgreich gegen einen plötzlichen Rauswurf wehren kannst
  • Du hast selbst keine Lust mehr? - So löst du dich vom Arbeitsvertrag

Vielleicht wird dein Lohn ständig zu spät gezahlt oder du bist du dem Mobbing deiner Kolleg*innen ausgesetzt - Gründe, warum Arbeitnehmer*innen über eine fristlose Kündigung nachdenken, gibt es viele. Andersherum kann es aber auch sein, dass du vor vollendete Tatsachen gestellt wurdest und von deinem Unternehmen eine fristlose Kündigung erhalten hast. Was in diesen besonderen Fällen gilt und welche Rechte und Pflichten Arbeitnehmer*innen und Arbeitgeber*innen haben, erfährst du hier.  

Fristlose Kündigung: Wann dein Chef dich rausschmeißen darf

Eine fristlose Kündigung ist in den meisten Unternehmen eher eine Seltenheit, aber dennoch möglich, wenn sich ein*e Arbeitnehmer*in einen ganz gravierenden Fehltritt geleistet hat. In vielen Fällen geht dem Rauswurf zunächst eine Abmahnung voraus. Diese soll dem oder der Beschäftigten die Chance eröffnen, sich des eigenen Fehlverhaltens bewusst zu werden und dafür Sorge zu tragen, das gleiche Problem nicht nochmal entstehen zu lassen. Allerdings ist es ein weitverbreiteter Irrtum, dass eine Kündigung frühestens nach der zweiten Abmahnung erfolgen kann. Vielmehr kann sich schon der ersten alsbald ein Kündigungsschreiben anschließen und dann lässt sich diese - wenn überhaupt - nur noch durch ein Kündigungsschutzverfahren überprüfen und im besten Fall wieder aufheben.

Grundsätzlich gilt es zwischen einer ordentlichen und einer außerordentlichen Kündigung zu unterscheiden. Bei Ersterer muss sich der*die Kündigende - dies können sowohl Arbeitgeber*in als auch Arbeitnehmer*in sein - an die gesetzliche oder vertraglich vereinbarte Kündigungsfrist halten. Diese liegt bei einem länger als sechs Monate bestehendem Arbeitsverhältnis zwischen vier Wochen und sieben Monaten für das Unternehmen und ist ab dem zweiten Beschäftigungsjahr immer zum Monatsende wirksam. Bei einer Beschäftigungsdauer von mehr als sechs Monaten bis zu zwei Jahren läuft die Frist entweder bis zum 15. oder bis zum Ende des Monats.

Arbeitnehmer*innen können sich generell innerhalb von vier Wochen ebenfalls bis zu den letztgenannten Fristen von ihrem Arbeitsplatz trennen. Abweichend davon kann jedoch auch eine andere Kündigungsfrist im Arbeitsvertrag festgeschrieben sein. Vor der Kündigung gilt es also, diese zu überprüfen. Egal, wer letztlich den Vertrag kündigt, bei einer ordentlichen Kündigung muss kein Grund dafür angeben werden.

Außerordentliche Kündigung nur mit einem wichtigen Grund möglich

Das sieht jedoch bei der außerordentlichen, also fristlosen, Kündigung, anders aus. Hier muss nicht nur gemäß § 626 BGB ein wichtiger Grund vorliegen, sondern dieser muss - zumindest auf Nachfrage - auch klar benannt und mitgeteilt werden. Zu den Gründen, warum ein Unternehmen einen Beschäftigten fristlos kündigen kann, gehören:

  • anhaltende Arbeitsunfähigkeit
  • Arbeitszeitbetrug
  • Sexuelle Belästigung von Kolleg*innen
  • beharrliche Arbeitsverweigerung
  • grobe Verletzung der Treuepflicht
  • Beleidigendes oder tätliches Verhalten gegenüber Arbeitgeber*in

Allerdings haben ebenso Arbeitnehmer*innen das Recht, fristlos zu kündigen. Dies kann zum Beispiel dann der Fall sein, wenn der Arbeitgeber das Gehalt wiederholt zu spät oder gar nicht zahlt oder nicht nur einmal die Genehmigung des Urlaubs verweigert. Auch wenn das Unternehmen etwa Arbeitsschutzgesetze nicht einhält oder anderweitig die Gesundheit der Beschäftigten gefährdet, kann von Arbeitnehmer*innenseite gekündigt werden. Nicht zuletzt dürfen selbstverständlich auch Chef und Chefin ihre Mitarbeiter*innen weder diskriminieren, sexuell belästigen noch mobben. All diese Verhaltensweisen berechtigen auch den*die Arbeitnehmer*in zur fristlosen Kündigung. Diese kann formlos sein, muss jedoch schriftlich erfolgen. Expert*innen für Arbeitsrecht empfehlen Beschäftigten, immer zuerst eine Abmahnung auszusprechen bzw. den*die Chef*in auf das Problem aufmerksam zu machen. Bleibt eine (angemessene) Reaktion aus, kann die fristlose Kündigung folgen.

Rauswurf per SMS oder WhatsApp - ist das erlaubt?

Wenn du als Arbeitnehmer*in eine fristlose Kündigung erhalten hast, solltest du in jedem Fall zunächst prüfen, ob der genannte Abmahnungs- oder Kündigungsgrund überhaupt berechtigt ist. Dies gilt ganz besonders dann, wenn man dir irgendwelche Vorwürfe machen sollte. Wenn diese nämlich völlig aus der Luft gegriffen sind und nicht den Tatsachen entsprechen, solltest du das auf keinen Fall auf dir sitzen lassen. Es ist in diesem Fall besonders wichtig, solchen Anschuldigungen zu widersprechen - und zwar schriftlich. 

Wenn du die Behauptungen sogar einfach widerlegen kannst, dann kannst du mit deiner Darstellung vielleicht sogar gleich den Chef oder die Personalabteilung vom Gegenteil überzeugen. Außerdem dienen dir die Ausführungen später womöglich als Argumentationshilfe für deinen Anwalt, bei einem Prozess vor dem Arbeitsgericht und natürlich auch beim Arbeitsamt.

Schriftlich müssen übrigens auch Abmahnung und Kündigung erfolgen. Es reicht nicht aus, wenn du eine solche Mitteilung per E-Mail, SMS oder als WhatsApp-Nachricht erhältst. Es muss in diesem Fall der gute, alte Postweg sein, andernfalls ist weder das Eine noch das Andere gültig. Ebenso gilt für das Wirksamwerden einer fristlosen Kündigung, dass diese nicht später als in 14 Tagen wirksam wird. Wartet der Arbeitgeber zu lange oder versäumt er es, dir einen Grund zu nennen, dann verliert das Schreiben seine Gültigkeit.

Erhält man nach einer fristlosen Kündigung Arbeitslosengeld?

Fristlose Kündigungen können auch bereits in der Probezeit erfolgen. Aber ob noch ganz frisch im Unternehmen oder nicht: In jedem Fall sollte man einen solchen Schritt gut überlegen. Denn einmal zugestellt, wird die fristlose Kündigung sofort wirksam und kann in der Regel nicht mehr rückgängig gemacht werden. Schließlich würde sich kaum ein Arbeitgeber dazu bereiterklären, jemanden weiter zu beschäftigen, nachdem er die Brücken einmal so abrupt eingerissen hat.

Gerade bei außerordentlichen Kündigungen treten oft noch finanzielle Fragen auf. Kündigt ein*e Arbeitnehmer*in etwa wegen ausbleibender Gehaltszahlungen, lohnt es sich juristische Mittel einzulegen. Den entgangenen Lohn kann man nämlich beim Unternehmen einfordern.

Ob Arbeitnehmer*innen nach einer fristlosen Kündigung Anspruch auf Arbeitslosengeld haben, hängt vom Kündigungsgrund ab. Hat der*die Beschäftigte sich vertragswidrig verhalten und so die Kündigung verschuldet, kann die Bundesagentur für Arbeit eine Sperrzeit verhängen. Auch wenn ein*e Arbeitnehmer*in die fristlose Kündigung selbst eingereicht hat, muss er*sie nachweisen, dass ein wichtiger Grund vorlag, um den vollen Anspruch auf Arbeitslosengeld zu haben. Kann man beispielsweise Beleidigungen oder Mobbing am Arbeitsplatz nachweisen, entfällt die Sperrzeit.

Falls du jedoch eine fristlose Kündigung erhältst, dann lasse dir auf jeden Fall auch schriftlich den Grund dafür nennen. Trifft dieser aus deiner Sicht nicht zu, dann verfasse eine zutreffende Gegendarstellung und sende sie dem Arbeitgeber am besten gleich per Einschreiben

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