In mehreren deutschen Städten kam es bei landesweiten Jugendprotesten zu Ausschreitungen und verletzten Polizisten. Wir liefern einen Überblick zur aktuellen Lage.
Parallel zum friedlichen Protest von Zehntausenden junger Menschen kam es am Abend in mehreren deutschen Städten zu Ausschreitungen. Aus Frankfurt wurden verletzte Polizisten gemeldet, aus Berlin Flaschen-, Böller- und Eierwürfe und aus Hamburg brennende Barrikaden. In mehreren Städten kamen Wasserwerfer zum Einsatz.
Bei einer Demonstration in Berlin-Mitte, nahe den bekannten Hackeschen Höfen, kam es laut Polizeiangaben zu Eier- und Flaschenwürfen. Auch Böller wurden vereinzelt geworfen. Die Polizei in der Hauptstadt rief Demonstranten dazu auf, "sich unbedingt friedlich zu verhalten, keine Pyrotechnik zu benutzen und sich klar und deutlich erkennbar von Gewalttätigkeiten zu distanzieren". Auch in Frankfurt wurden Böller auf Polizisten geworfen. Nach ersten Erkenntnissen des hessischen Innenministers Roman Poseck (CDU) erlitten mehrere Polizisten Verletzungen. "Ein Beamter ist möglicherweise auch etwas schwerer verletzt, aber das bedarf noch der weiteren Aufarbeitung", sagte Poseck.
Landesweite Demonstrationen: Das fordern die Veranstalter
"Man kann nicht mehr von einem komplett friedlichen Verlauf sprechen", sagte ein Polizeisprecher in Bremen. In der Hansestadt wurden Polizeikräfte vereinzelt mit Schlägen und Tritten attackiert. Mindestens ein Müllcontainer wurde in Brand gesetzt. Zu den friedlichen Demonstrationen in mehr als 30 deutschen Städten hatte die Initiative "Gen Z regelt" aufgerufen. Sie fordert mehr Geld für Schulen, Suchthilfe und Psychotherapie, Maßnahmen gegen steigende Lebenshaltungskosten, soziale Gerechtigkeit und mehr Klimaschutz. Die Einführung einer Wehrpflicht lehnt sie ab, ebenso einen Ausbau staatlicher Überwachung.
Die Initiative "Gen Z regelt" sprach nach Rückmeldungen aus zunächst 12 Städten am späten Nachmittag von insgesamt mehr als 68.000 Teilnehmern. Bundesweite Zahlen der Polizei lagen zunächst nicht vor, in einigen Städten fielen sie aber niedriger aus als die Angaben der Veranstalter. Vielerorts blieb es zu Beginn am Nachmittag überwiegend friedlich. Wie viele Menschen am Ende zu den angemeldeten Demos in 34 Städten kommen würden, war unklar. Auf der Homepage von "Gen Z regelt" konnte man mit einem einfachen Mausklick angeben, dabei sein zu wollen. Das hatten bis 16.30 Uhr zwar mehr als 183.900 Menschen gemacht. Die in den Städten offiziell angemeldeten erwarteten Teilnehmerzahlen waren allerdings deutlich niedriger.
In Berlin stand der Protestzug im Kontext mit den bundesweiten Jugendprotesten, war aber nicht Teil der bundesweiten Demos der Initiative "Gen Z regelt". Bei deren Veranstaltung am Brandenburger Tor hatten am Nachmittag Tausende Menschen friedlich demonstriert. Rund 700 Menschen versammelten sich dann am frühen Abend am Rosenthaler Platz. "Wir stellen fest, dass der eine oder andere Teilnehmer bereit ist, Straftaten zu begehen", sagte Polizeisprecher Jörn Iffländer. Der Veranstalter des abendlichen Protestzuges wurde von der Polizei dem linken Spektrum zugeordnet, auch Teilnehmer der propalästinensischen Szene waren vor Ort.
Heftige Proteste in Hamburg
In Hamburg geriet die Lage nach einem weitgehend störungsfreien Verlauf am Nachmittag gegen Abend in der Nähe des Hauptbahnhofs teils aus dem Ruder. So zündeten gegen Ende der Demonstration schwarz gekleidete und teils vermummte Menschen mehrfach Pyrotechnik, rissen Baustellenabsperrungen aus ihren Verankerungen und steckten diese in Brand. Die Polizei schritt ein, trieb die Menge wieder auseinander und setzte teils auch Pfefferspray gegen die Demonstrierenden ein. Im Anschluss wurde die Kundgebung durch die Polizei offiziell beendet.
In Köln sagte die Polizei wegen der Vermummung einiger Teilnehmer und des Einsatzes von Pyrotechnik den Demonstrationszug ab. In Stuttgart hielt die Polizei die Demonstration mehrfach an - weil Demonstranten von der offiziellen Route abwichen, sich vermummten und Pyrotechnik zündeten. Die Organisatoren von "Gen Z regelt" riefen ausdrücklich zu friedlichem Protest auf und lehnen jede Form von Gewalt ab. Auf ihrer Website machten sie deutlich, dass sie keine extremistischen Gruppen und verfassungsfeindlichen Symbole bei ihren Demonstrationen haben wollen.