Rund zweieinhalb Wochen voller Bangen liegen hinter Doris Badel und ihrer Frau aus Würzburg. Würde der 88-jährige Vater von Doris Badel überleben? Der Senior wurde, wie viele weitere Bewohner des Seniorenheims St. Nikolaus in Würzburg, positiv auf das Coronavirus getestet. „Wir hatten wirklich Angst, dass er wegen seiner Vorerkrankungen und des Alters nicht überlebt“, erzählt Doris Badel im Gespräch mit inFranken.de.

Mit der Nachricht, dass ihr Vater an Covid-19 erkrankt ist, ist für die Würzburgerin zunächst „eine Welt zusammengebrochen“. Zu diesem Zeitpunkt machten bereits zahlreiche Negativ-Schlagzeilen rund um das Coronavirus sowie das Würzburger Seniorenheim die Runde. Würzburg gilt seit Ausbruch des Virus als Corona-Hochburg in Franken. In Stadt und Landkreis sind inzwischen 43 Menschen im Zusammenhang mit dem Coronavirus verstorben (Stand 15. April 2020). Die Sorgen der Angehörigen waren dementsprechend groß.  Alleine im St. Nikolaus starben mehr als ein Dutzend Menschen an oder mit dem Coronavirus.

88-jähriger Vater positiv getestet

Die Situation und die vielen Nachrichten machten Doris Badel sehr zu schaffen. „Es war sehr schlimm“, sagt die 60-Jährige. „Immer mehr Fälle wurden bekannt, da machte ich mir schon Sorgen, meinen Vater nicht mehr wiedersehen zu können.“ Während einer „Massentestung“ auf das Coronavirus vor etwa drei Wochen, fiel auch der Coronatest des 88-Jährigen positiv aus. „Die Heimleitung hatte uns telefonisch darüber informiert“, schildert Doris Badel die Situation. 

Auch über das zweite Testergebnis kurz vor Ostern wurde Doris Badel telefonisch informiert. Doch dieses Mal war es nicht der Test, der positiv ausfiel, sondern die Nachricht, über das negative Ergebnis. Hans Badel gilt seit dem Osterwochenende als genesen. Trotz etlicher Vorerkrankungen und seines „wilden Lebens“, wie es seine Tochter nennt, hat der 88-Jährige die Lungenkrankheit überstanden. Für den Senior hätte es nach Angaben seiner Tochter gar keinen zweiten Test gebraucht. „Er fühlt sich gesund hat er am Telefon erzählt. Er wüsste schon was bei dem Test rauskommt“, erzählt Doris Badel. „Er war schon immer positiv und sehr bescheiden“, beschreibt sie ihren Vater. 

Der 88-Jährige lebt inzwischen seit rund zwei Jahren in dem Heim. Er sitzt im Rollstuhl und weist Zeichen von Demenz auf. Bevor der Senior im St. Nikolaus untergebracht wurde, lebte der Mann in Schweinfurt. Als Hans Badel pflegebedürftig wurde und eine häusliche Betreuung nicht möglich war, holten ihn seine Tochter und deren Frau schließlich nach Würzburg. Das Seniorenheim liegt unweit des Hauses, in dem Badels Tochter und Schwiegertochter wohnen. „Wir gehen täglich auf der Gassi-Runde mit den Hunden am Heim vorbei“, erzählt Doris Badel. Trotzdem hatten sie sich etwa fünf Wochen lang nicht gesehen. Bis zum Ostersonntag. Da rief die 60-Jährige ihren Vater an und bat ihn, mit dem Rollstuhl an das Fenster des Flures zu kommen. 

Bewegender Moment nach fünf langen Wochen

„Als er ans Fenster kam und wir ihm von unten zugewunken haben, war das sein sehr bewegender Moment“, erzählt Doris Badel freudig. „Ich hoffe sehr, dass ich ihn bald wieder in die Arme schließen kann.“ Denn auch wenn Hans Badel das Coronavirus überstanden hat, bleibt er zunächst weiter in Isolation. „Er darf sich nur in seinem Zimmer und auf dem Flur frei bewegen“, sagt Doris Badel. „Aber wir telefonieren täglich. Immer wenn er den Hörer abnimmt, ist es eine große Freude.“

Eine Zeit lang war der Senior zu schwach, um zu telefonieren. War zu schwach, ein Wasserglas zu halten. Dennoch hatte Hans Badel Glück. Er hatte vergleichsweise schwache Symptome und musste nicht beatmet oder auf einer Intensivstation behandelt werden. „Er hatte nur leichtes Fieber und ein wenig Halskratzen“, erzählt seine Tochter. „Was genau er da überstanden hat, ist ihm vermutlich nicht klar“, ergänzt Doris Badel. Die 60-Jährige ist vor allem den Pflegern des Seniorenheims extrem dankbar. Die Verantwortlichen seien immer erreichbar gewesen und hätten jederzeit Auskunft über den Gesundheitszustand gegeben. Doris Badel ist sich sicher: „Mein Vater hat nur aufgrund der guten Pflegeleistung im St. Nikolaus überlebt.“