• „Devious-Licks-Challenge“ ist gefährlicher TikTok-Trend
  • Schüler*innen stehlen vermehrt Schuleigentum 
  • Videos rufen auch zu Zerstörung von Schuleigentum auf - auch Brandstiftung ist ein Problem

Sie stehlen Schutzmasken und Desinfektionsmittel aus der Schule und prahlen anschließend online damit: Bereits seit September 2021 kursiert auf der Plattform TikTok die sogenannte „Devious-Licks-Challenge“, bei der Kinder und Jugendliche Schuleigentum klauen. Nun nimmt der sowieso schon fragwürdige Trend aber eine gefährliche Wendung: Immer wieder brechen auf Schultoiletten Brände aus, die von Schülern gelegt, gefilmt und dann online gepostet werden. Auch in Franken musste die Feuerwehr bereits deswegen ausrücken. Bei einem Fall aus Würzburg wird nun ein möglicher Zusammenhang untersucht. Angefangen hat die Challenge mit einem Video des TikTokers „jugg4elias“: In einem Video zieht er aus seinem Rucksack mehrere Corona-Masken, die er laut eigener Aussage aus der Schule gestohlen habe. „Ich hätte wohl eine Maske von zu Hause mitbringen sollen“, betitelte er den Clip, der am 1. September 2021 online ging und nach nur einer Woche 239.000-mal angesehen wurde.

TikTok-Challenge geht viral: Das steckt hinter den "Devious Licks"

Noch mehr Klicks konnte TikToker „dtx.2cent“ verbuchen: Auch er beteiligte sich an der Challenge und präsentierte in einem Video auf seinem Kanal einen vermeintlich aus der Schule gestohlenen Desinfektionsmittelspender. Innerhalb von nur zwei Tagen wurde das Video 7,2 Millionen Mal angesehen. In den folgenden Tagen und Wochen tauchten immer mehr solcher Videos auf, in denen Schüler*innen gestohlene Gegenstände präsentierten, darunter auch Laptops oder Mikroskope.

Doch es blieb nicht nur bei Diebstählen: Mittlerweile wird auf TikTok auch dazu aufgerufen, Schuleigentum zu zerstören oder anzuzünden. Dieser gefährliche Trend hat auch Franken erreicht: Am Mittwoch, 2. Februar 2022, brach in einer Mädchentoilette des Schulzentrums in der Comeniusstraße in Neustadt a.d. Aisch ein Brand aus. Schüler*innen hatten Toilettenpapier angezündet und damit einen Sachschaden von rund 1000 Euro angerichtet. Die Polizei vermutet hier einen Zusammenhang mit der TikTok-Challenge.

Nur einen Tag später wurde die Feuerwehr zu einem Brand in einer Toilette an der Würzburger Maria-Ward-Schule gerufen: Sieben Schülerinnen zwischen zwölf und 14 Jahren wurden dabei verletzt, eines der Mädchen musste ins Krankenhaus eingeliefert werden. Der entstandene Sachschaden liegt im fünfstelligen Bereich. Nun gab die Polizei bekannt, dass es sich auch in diesem Fall um absichtliche Brandstiftung handle, und prüft einen Zusammenhang mit der „Devious-Licks-Challenge“.

Brand an Würzburger Schule: Steckt gefährlicher TikTok-Trend dahinter?

„Es ist nun Gegenstand der Ermittlungen zu hinterfragen, ob eine Verbindung zwischen dem Brand und dem TikTok-Trend besteht“, erklärt Daniel Ruß, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Unterfranken, auf Nachfrage von inFranken.de. Die Polizei sehe zwar keine konkrete Verbindung, da die Vermutung aber beispielsweise in den Medien aufkam, gehen die Ermittler dem Verdacht nach.

Mit der Challenge werde zu Vandalismus und Diebstählen an Schulen aufgerufen, berichtet Ruß. Der Brand an der Würzburger Mädchenschule sei bisher der einzige derartige Fall in Unterfranken. Den Ermittlern sei aber auch der Vorfall aus Neustadt an der Aisch sowie ein ähnlicher aus Hessen bekannt. Der zuständige Sachbearbeiter werde daher eine Zusammenarbeit mit dem Polizeipräsidium Mittelfranken in Betracht ziehen.

Nach dem Brand in Würzburg laufen derzeit Untersuchungen und auch Vernehmungen, Tatverdächtige gebe es allerdings noch nicht. Aber Daniel Ruß betont: „Vorsätzliche Brandstiftung ist eine Straftat, auf die bis zu zehn Jahre stehen.“ Sollten die Schülerinnen den Brand verursacht haben, sind die Beteiligten ab 14 Jahren strafmündig. Auch das Jugendamt müsste dann eingeschaltet werden, erklärt der Polizeisprecher. Einen konkreten Tatverdacht in diese Richtung gebe es allerdings bisher nicht.

Polizei darf Handys nach verdächtigen Inhalten durchsuchen

Die Ermittler sichten TikTok nun nach Posts, die einen Bezug zum Brand an der Maria-Ward-Schule haben. Um einzelne Handys auswerten zu können, müssten aber konkrete Anhaltspunkte vorliegen. „Die Polizei hat aber grundsätzlich die rechtliche Möglichkeit, in Absprache mit der Staatsanwaltschaft Handys zu beschlagnahmen, um darauf nach strafrechtlichen Inhalten zu suchen“, erklärt Ruß das Vorgehen. In diesem Fall wären dies beispielsweise Handyvideos, die die Entstehung des Brandes zeigen.

An Schüler*innen richtet die Polizei klare Worte: „Auf TikTok gibt es sicherlich auch lustige und interessante Challenges. Aber das ist ein Trend, den wir nicht befürworten.“ Die Würzburger Schülerinnen erlitten nur leichte Atemwegsreizungen, doch Ruß ist sich sicher: „Das kann auch anders ausgehen.“ Auch TikTok hat mittlerweile auf den gefährlichen Trend reagiert: Nachdem mehrere Schulen die Diebstähle angezeigt hatten, wurden der Trend und alle damit zusammenhängenden Hashtags auf der Plattform verboten.

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