In der heutigen Gesellschaft geht es häufig um Profit. Nächstenliebe und Hilfsbereitschaft kommen da oftmals zu kurz. Kleine Gesten, wie ein Spaziergang mit dem Hund der Nachbarin, wenn diese krank im Bett liegt, sind keinesfalls selbstverständlich und werden heutzutage eher mit einem Geldschein vergütet als mit einem einfachen - aber von Herzen kommendem - "Dankeschön". Doch eigentlich muss das nicht sein.

Gerade die Betreuung zeitintensiver Tiere - vor allem von Hunden - kommt im hektischen Alltag bisweilen ungewollt zu kurz. Die Gründe dafür sind vielfältig: Überstunden auf der Arbeit oder plötzliche Notfälle, weswegen das Tier eine Stunde länger ohne Futter oder Streicheleinheiten auskommen muss. Ein Würzburger Start-Up-Unternehmen hat jetzt eine App entwickelt, die dieses Problem bekämpfen soll. Dabei wurde ein Netzwerk aus liebevollen Hundebesitzern und Hundeliebhabern geschaffen, von der alle profitieren können. Allen voran natürlich die Hunde selbst.

Patzo-App aus Würzburg: Eine Art Hunde-"Tinder"

Die App nennt sich Patzo  und ist wie eine Dating-Plattform aufgebaut, nur eben für Hunde. Genau genommen, für Hundehalter und ihre Hunde auf der einen und für Hundeliebhaber, die aus verschiedenen Gründen ihrem Wunsch nach einem eigenen Hund nicht nachgeben können, auf der anderen Seite. Wie es zur Entwicklung der Handy-Anwendung kam und alles, was es darüber zu wissen gibt, erklärte uns einer der Gründer - Marcel Wittstadt- in einem Telefoninterview.

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Und so funktioniert Patzo: Nach kostenloser Installation der App muss der Nutzer zunächst einmal sein Profil erstellen. Abgesehen von Wohnort, Alter und Geschlecht wird auch abgefragt, ob man selbst Hundebesitzer ist und wie viel Erfahrung man bereits mit den Tieren gesammelt hat. Die Hundeliebhaber können nun eine Beschreibung zu ihrer Person verfassen und Bilder von sich hochladen. Hundebesitzer wiederum erstellen an dieser Stelle ein Profil für sich selbst und eines für ihren Hund. 

Doch wofür genau ist die App nun eigentlich gut? Hundeliebhaber, die aufgrund von Geldproblemen, zu geringer Wohnfläche, einem fehlenden Garten oder anderer Umstände keinen Hund halten können, müssen so nicht mehr auf die Nähe von ihren Lieblingstieren verzichten. Sie können quasi Paten für Hunde von Besitzerin in ihrer Umgebung werden, die aufgrund von Zeitnot oder anderen Umständen einen Betreuer für ihren Vierbeiner suchen. Das entlastet die Besitzer - und die Hundeliebhaber werden zu glücklichen Paten.

Hundepaten-Matching: So ist die "Tinder"-Funktion in der App integriert

Die Suche nach einer guten Besitzer-Hund-Paten-Kombi funktioniert durch das Matching-Feature, genauso wie bei der bekannten Dating-Plattform "Tinder". "Es ist ein gutes Konzept", erklärt Marcel Wittstadt, einer der Mitbegründer der Patzo-App gegenüber inFranken.de. Zur Erklärung: Die App gleicht die Standorte der Nutzer ab und schlägt basierend darauf Helfer (Paten) in deren Umgebung vor. Auf den Profilen können sie sich dann über die Nutzer informieren und abwägen, welche Person oder Personen sie als Betreuerin für ihren Hund in Erwägung ziehen.

Über einen in der App integrierten Chat können Hundehalter und die potenziellen Paten miteinander schreiben und dann ein erstes Treffen oder einen ersten Spaziergang gemeinsam mit dem Hund ausmachen. "Am besten trifft man sich erstmal in der Öffentlichkeit", empfiehlt Wittstadt, "wie bei Dating-Apps eben auch." So können sich beide Parteien maximal sicher fühlen und mit minimalem Risiko herausfinden, ob sie miteinander harmonieren und ob eine Hundepatenschaft daraus entstehen kann - und im besten Fall sogar eine Freundschaft.

Wie kam es denn eigentlich zu der Namensidee "Patzo"? "Ich versuche mal, nicht zu weit auszuholen", sagt Wittstadt amüsiert und erklärt, dass er bei einem Praktikum in einer anderen Stadt auf ein Graffiti an einer Hauswand stieß, das wie ein unförmiger Hund aussah. Dieses Motiv diente als Inspiration für das Erkennungssymbol der App. "Es hat unserem Logo sehr ähnlich gesehen." Unter dem Graffiti stand etwas geschrieben, das er nur als das Fantasiewort "Patzo" entziffern konnte. Dieser Begriff blieb seitdem in seinem Gedächtnis hängen und so standen Logo und Name bereits fest, bevor die App überhaupt verfügbar wurde.

Erstes App-Konzept für "Patzo" entsteht bereits im Studium

In ihrem Studium für E-Commerce an der FH Würzburg hatten die beiden Freunde und späteren Patzo-Gründer Marcel Wittstadt und Felix Kox die Idee, eine App zu entwickeln, die speziell für Hundefreunde sein sollte. Während einer Studienveranstaltung nahm das Konzept der beiden gebürtigen Franken langsam Gestalt an. Im Jahre 2019 schloss sich dann auch Kox Freund Alexander Weigand dem Gründerteam an. 

Die Handyanwendung sollte Hundehaltern und Hundeliebhabern gleichermaßen dienen und niemand sollte sich finanziell daran bereichern können, wie es auf "normalen Hundesitting-Plattformen" der Fall ist, bei denen "Hundesitting als Dienstleistung" angeboten wird, erklärt der Wittstadt. Er glaube außerdem fest daran, dass die Nutzer der "Patzo"-App noch liebevoller und leidenschaftlicher bei der Betreuung der Hunde vorgehen, als es bei einem vergüteten Job mit dem gleichen Ziel der Fall wäre. Im Vordergrund stehe bei dem Konzept der App lediglich die Liebe zu Hunden.

Die Entwicklung der App war laut dem Mitbegründer "nicht ganz uneigennützig". Er befand sich selbst zu Studienzeiten in einer Situation mit Hundewunsch. Wie in so vielen Fällen, war es auch ihm nicht möglich, sich einen eigenen Vierbeiner anzuschaffen, denn als Student war der Platz nicht gegeben und das Geld recht knapp.

Ein Crowdfunding-Projekt ermöglichte die Entwicklung der Handy-Anwendung

Wenn jedoch Geld eine Rolle gespielt hat, wie war es dann möglich die Entwicklung der App zu bezahlen? Der Mitte-zwanzig-Jährige erklärte uns, dass sie an einem Crowdfunding-Projekt teilnahmen. Sie stellten ihr Konzept vor und erreichten wirklich das Funding-Ziel von 5.000 Euro durch den Verkauf von Abonnements und Merchandise-Artikeln, wie T-Shirts mit dem "Patzo"-Logo darauf. Anfang 2020 konnten dann über 100 Menschen die App testen und Feedback dazu geben. Ab Dezember 2020 war die App dann für Android-Nutzer erhältlich und wenig später konnten sie auch iOS-Nutzer herunterladen.

Außerdem vergrößerte sich das Team auf insgesamt sieben Leute, einschließlich der drei Gründer. Doch wie sieht es während der Corona-Zeiten mit der Arbeitssituation aus? "Wir haben bei einem von uns zuhause gearbeitet", erklärt Wittstadt, "oder in Räumen der Uni, die ein Whiteboard hatten." Inzwischen arbeiten sie pandemiebedingt alle aus dem Home-Office und träfen sich virtuell über Skype.

Bisher finanzieren die Gründer die App komplett "aus der eigenen Tasche". Die Ziele für die Zukunft sind groß: Wittstadt erzählte uns, dass das ganze Team gerne in Vollzeit an der App arbeiten und ein richtiges Gehalt dadurch verdienen möchte. Außerdem würden sie gerne in ein richtiges Büro wechseln.  "Da werden dann bestimmt ein paar Hunde rumtollen", antwortete er auf die Frage, ob dann auch ein heißersehnter Firmen-Hund bei ihnen einziehen solle. Zum erreichen dieser Ziele fehle der App aber noch an Reichweite oder einem Investor, der das Projekt finanziell unterstützt.

Begrenzt auf das Würzburger Umland: Das soll sich bald ändern

Bisher ist die App nur für Leute in einem 30-Kilometer-Radius von Würzburg nutzbar, neue Regionen werden aber laut den Entwicklern in Kürze dazukommen. Etwa eintausend Nutzer hat die App bereits. "Sie soll noch ausgeweitet werden", bekennt Wittstadt, "auf jeden Fall deutschlandweit". Es spreche aber nichts dagegen, die Anwendung auch in ganz Europa oder für Menschen auf der ganzen Welt zur Verfügung zu stellen. Bisher fehlen dem Start-Up-Unternehmen aber die Ressourcen, da der technische Aufwand noch nicht zu bewerkstelligen sei. Eine sofortige technische Ausweitung des Netzwerks auf ganz Deutschland würde zu Problemen mit der App führen, "und wir wollen natürlich keine schlechten Bewertungen erhalten", begründet Wittstadt.

Ausgeweitet wird die App aktuell trotzdem schon: Das Team arbeitet bereits an neuen Features. "Ein Giftköder-Warnsystem", zähle laut Wittstadt dazu und soll bald allen Nutzern zur Verfügung stehen. Das Prinzip ist ganz einfach: App-Nutzer können potenzielle Giftköder auf der Karte markieren, damit andere Nutzer ihre Hunde von dieser Stelle fern halten können. Aber wie erkennt man eigentlich, was ein Giftköder ist? Laut Wittmann können Giftköder vieles sein: Leckerlis, die einfach auf dem Boden liegen, oder in Büsche geworfen wurden oder "Wurststücke, in die jemand Nägel gesteckt hat."

Auch soll es den Nutzern bald möglich sein, hundefreundliche Orte auf der Karte zu markieren. So kann man im Vorhinein auskundschaften, ob man sich auf der Lieblings-Gassi-Strecke auch mit Freunden zum Kaffee verabreden kann und den Hund nicht vor der Tür lassen muss. Aber auch ein Helfernetzwerk für Hundebesitzer in Notfallsituationen sei gerade in der Entwicklungsphase.

Weiteres neues Feature zum Geld sparen: Hundehalter-Notfallsystem

Für Helfer, die bereit dazu sind, Hunde in Notsituationen bei sich aufzunehmen, ist dieses Feature kostenlos. Für Die Hundehalter, die diese Funktion nutzen wollen, fällt eine monatliche Gebühr von 10 Euro an. "Eine Stunde Hunde-Sitting kostet normalerweise schon 10 bis 50 Euro", gab Wittstadt zu bedenken. Bisher war die Inanspruchnahme dieser Dienstleistung die einzige Möglichkeit, seinen Hund während eines Notfalls gut betreut zu wissen. Wenn man also die Notfall-Funktion nur einmal in Anspruch nehme, hätte sich das Geld schon gelohnt.

Das neue Feature funktioniert wie folgt: Wenn sich Hundebesitzer in einer Notsituation befinden und Betreuung für ihren Vierbeiner brauchen, ist es ihnen via App möglich, einen Notfall-Aufruf zu starten. Darauf können sich Helfer in der Umgebung melden und den Hund so lange betreuen, wie die Notsituation andauert. Zusätzliche Kosten fallen hierbei für den Hundehalter nicht an, sondern einzig und allein die 10 Euro monatlich für die Nutzung des Features.

Fazit: "Patzo"-App - für jeden Hundefreund eine gute Idee

Die Patzo-App bietet jedem Hundebesitzer und Hundefreund die Möglichkeit, den Hunden nur das Beste zu geben. Das Konzept, das auf Hundeliebe und Hilfsbereitschaft basiert, ist eine gute Lösung für Hundebesitzer mit einem straffen Zeitplan und ebenso für Hundeliebhaber, die sich situationsbedingt keinen eigenen Hund halten können. Profit spielt dabei keine Rolle. Die App ist leicht zu bedienen und auch gut zu verstehen. Leider ist sie bisher nur im Raum Würzburg optimal nutzbar, aber eine Ausweitung auf ganz Deutschland ist bereits in Planung und auch andere hilfreiche Features sollen bald vom Team in die Anwendung integriert werden.

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