Über 20 Kilometer liefern sich zwei Verdächtige eine rasante Verfolgungsfahrt mit der Polizei. Dabei fallen wiederholt Schüsse. Das sagen die Angeklagten und die Einsatzkräfte vor Gericht dazu.
Update vom 19.10.2026: Prozessbeginn um Schüsse bei Verfolgungsfahrt auf Polizei
Zwei Verdächtige flüchteten in einem Auto, die Polizei rast ihnen nach. Dann lehnt sich der Beifahrer aus dem Fenster und schießt mehrfach auf den Polizeibus, der sie über viele Kilometer durch die mittelfränkische Landschaft verfolgt. So schildern Beamte des Spezialeinsatzkommandos (SEK) vor dem Landgericht in Ansbach den Vorfall am 27. Januar. Wegen versuchten Mordes sind dort zwei Türken angeklagt.
Der 24- und der 25-Jährige sollen laut Staatsanwaltschaft zwei kriminellen Vereinigungen angehören. Eine davon soll eine Untergruppe der "Daltons" sein, die andere mit diesen zusammenarbeiten. Die "Daltons" sind für ihre brutalen Methoden und die Rekrutierung junger Mitglieder über das Internet bekannt.
In Mittelfranken sollen sich die beiden in einer Ferienwohnung nahe des Brombachsees aufgehalten haben, um von dort aus Haschisch zu verkaufen. Ein Spezialeinsatzkommando (SEK) sollte die Wohnung in Absberg durchsuchen, wurde jedoch laut Staatsanwaltschaft von den Verdächtigen entdeckt, die daraufhin zum Auto liefen, um zu entkommen.
Sollte der Anführer sollte flüchten können?
Demnach rammten die Angeklagten mit ihrem Wagen erst den Polizeiwagen, der ihnen den Weg blockierte. Dann rasten sie mit hoher Geschwindigkeit davon - auch, um nach Ansicht der Staatsanwaltschaft dem Anführer der "Daltons"-Untergruppe die Flucht zu ermöglichen. Dieser war zu dem Zeitpunkt mit ihnen in der Wohnung gewesen. Die Flucht endete nach etwa 20 Kilometern in Weißenburg, als das Auto der Verdächtigen mit einem anderen Wagen kollidierte.
Es sei das erste Mal gewesen, dass bei einem Einsatz auf ihn geschossen worden sei, sagte ein SEK-Beamter vor Gericht aus, der an jenem Tag das Zivilfahrzeug gefahren hatte. "In der Situation funktioniert man. Man hatte aber trotzdem Angst um sein Leben."
Ein Schuss traf nach Angaben der Staatsanwaltschaft die Motorhaube auf der Beifahrerseite. "Ich hatte Angst", berichtete ein anderer SEK-Beamter, der nach eigener Aussage von der Rückbank die Schüsse hörte und das Mündungsfeuer sah.
Angeklagter hielt Polizeieinsatz für Anschlag
Der 25-jährige Angeklagte räumte am ersten Prozesstag die Schüsse ein. Er habe damit das Fahrzeug der Verfolger fahruntauglich machen wollen, erklärte er in einer schriftlichen Erklärung, die sein Verteidiger Michael Löwe vor Gericht verlas. "Ich wollte keinen Insassen treffen", hieß es darin weiter.
Beide Angeklagten bestritten, Mitglieder von kriminellen Gruppierungen zu sein. Da es sich um zivile Fahrzeuge gehandelt habe, seien sie nicht davon ausgegangen, dass es die Polizei gewesen sei, die die Straße blockiert und sie dann verfolgt habe. "Ich war überzeugt, dass es sich um einen Anschlag meiner Feinde handelt", zitierte Löwe aus der schriftlichen Erklärung. Sein Mandant werde wegen der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Familie seit Jahren mit dem Tod bedroht und es habe schon drei Mordanschläge auf ihn gegeben.
Auf ihrer Flucht fuhren die beiden Angeklagten laut der Staatsanwaltschaft mit ihrem Auto das erste Stück über einen Rad- und Fußweg, sodass zwei Fußgänger zur Seite springen mussten.
SEK‑Beamte widersprechen Angabe zu Schüssen
Als die Männer eine Straße erreichten, befestigten die SEK-Beamten den Aussagen zufolge das Blaulicht auf dem Dach des zivilen Fahrzeugs und schalteten das Martinshorn ein. Als er die Polizei erkannt habe, habe er nicht mehr geschossen, sagte der mutmaßliche Schütze in seiner schriftlichen Erklärung. Dem widersprachen jedoch die beiden SEK-Beamten vor Gericht. Ihnen zufolge fiel mindestens noch ein Schuss, nachdem sie Blaulicht und Martinshorn aktiviert hatten.
Zum Zeitpunkt des SEK-Einsatzes befanden sich nach Angaben der Ansbacher Staatsanwaltschaft mindestens vier Verdächtige in der Wohnung in Absberg. Bis auf den beiden nun angeklagten Männer gelang den übrigen die Flucht. Es habe bisher keine weiteren Festnahmen gegeben, sagte Heike Klotzbücher von der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth, die die Wohnung von der Polizei hatte observieren lassen.
Update vom 01.10.2026: Schüsse auf SEK - Erhöhte Sicherheit beim Prozess
Die Sicherheitsvorkehrungen im Prozess um die Schüsse aus einem Fluchtauto auf ein Spezialeinsatzkommando (SEK) der Polizei werden verstärkt. Die SEK-Beamten und ein Zeuge würden maskiert ins Gericht kommen, um ihre Identität zu schützen, erklärte die Sprecherin des Landesgerichts in Ansbach, Katrin Brünner. Am 19. Oktober 2026 beginnt der Prozess gegen die beiden jungen Männer aus der Türkei wegen versuchten Mordes.
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft handelt es sich bei den Angeklagten um abgelehnte Asylbewerber. Ermittlungen zufolge haben sie Verbindungen zur organisierten Kriminalität in der Türkei. Die Nürnberger Nachrichten hatten zuvor darüber berichtet.
Wie Brünner weiter ausführte, sollen die SEK-Beamten und der Zeuge bei ihrer Aussage vor Gericht besonders geschützt werden. "Bis zum Zeugenstuhl bleiben sie maskiert und dann wird die Maskierung abgenommen."
Sechsmal auf Polizeiwagen gefeuert
Den zur Tatzeit 23- und 24-Jährigen wird von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen, am 27. Januar 2026 während einer Verfolgungsjagd auf die SEK-Einsatzkräfte geschossen zu haben. Diese hatten eine Ferienwohnung in Absberg (Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen) durchsuchen wollen, in der sich die beiden Angeklagten zusammen mit anderen Personen aufhielten.
Die beiden Männer entdeckten demnach jedoch die Spezialkräfte und flohen in einem Auto. Der 23-Jährige rammte dabei laut Staatsanwaltschaft ein Zivilfahrzeug der Polizei und raste gefolgt von zwei weiteren Zivilstreifen davon. Der 24-Jährige auf dem Beifahrersitz gab während der Verfolgungsfahrt sechs Schüsse auf die Polizeiwagen ab. Die Flucht endete nach etwa 20 Kilometern in Weißenburg, als das Auto der Verdächtigen mit einem anderen Fahrzeug kollidierte.
Die Staatsanwaltschaft vermutet, dass die Schüsse auf die Polizei auch dazu dienen sollten, einem dritten Mann die Flucht zu ermöglichen. Auch dieser soll der türkischen organisierten Kriminalität angehören.
Ursprungsmeldung vom 17.09.2026: Schüsse auf SEK-Beamte - Anklagen wegen versuchten Mordes erhoben
Nach den Schüssen auf ein Spezialeinsatzkommando der Polizei in Absberg im Kreis Weißenburg-Gunzenhausen im Frühjahr hat die Staatsanwaltschaft Ansbach Anklage wegen versuchten Mordes gegen zwei Männer erhoben. Die beiden damals 23 und 24 Jahre alten Türken sollen im Rahmen einer spektakulären Verfolgungsjagd im Januar sechs Schüsse auf die Beamten abgefeuert haben, nachdem diese eine Wohnung in Absberg durchsuchen wollten, wie die Anklagebehörde mitteilte. Fünf Menschen waren verletzt worden.
Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die beiden Männer Mitglieder einer kriminellen Organisation sind. Sie hätten versucht, der Polizei zu entkommen, um nicht wegen früherer Delikte, wie dem Handel mit Betäubungsmitteln, zur Rechenschaft gezogen zu werden. Zudem hätten sie einem noch in der Wohnung befindlichen Komplizen die Flucht ermöglichen wollen. Die Durchsuchung war von der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth angeordnet worden, die bisher keine Angaben zum Hintergrund ihrer Ermittlungen gemacht hatte.
Die Schwurgerichtskammer am Landgericht Ansbach muss nun über die Zulassung der Anklage und die Festlegung eines Termins für eine Hauptverhandlung entscheiden. Bis zu einer möglichen Verurteilung gilt für die Angeklagten die Unschuldsvermutung.
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