Zum dritten Mal fand die Fachtagung "Frauen in der Landwirtschaft", organisiert von den Landfrauen im Bayerischen Bauernverband, statt, diesmal in Bad Königshofen, wo der Tag mit einem gemeinsamen Frühstück im Landhotel Vierjahreszeiten begann. Stellvertretende Kreisbäuerin Margit Ziegler konnte neben zahlreichen Landfrauen auch Bürgermeister Thomas Helbling, stellvertretenden Landrat Josef Demar und den BBV-Kreisobmann Mathias Klöffel begrüßen, die Grußworte sprachen.

In die Praxis ging es mit Referentin Helga Trimborn, ausgezeichnet als Unternehmerin des Jahres 2014/2015, die gemeinsam mit ihrem Mann Albert das Bauerngut Schiefelbusch gegründet und aufgebaut hat. "Wir haben immer geschaut, was der Kunde fragt und uns entsprechend breit aufgestellt", berichtete Trimborn. Anfangs hat sie auf Milchvieh gesetzt und wollte nebenbei weiter in der Erwachsenenbildung arbeiten, aber es kam anders.
Zwillinge stellten sich ein und sie erhielten den Bescheid "Milchquote gleich null". Das war der Tiefpunkt. Dadurch entstand jedoch die Idee, alle Produkte des Hofes selbst zu vermarkten, was sich in der Gegen zwischen Köln und Bonn als richtig erwies. Inzwischen gibt es neben dem großen Hofladen ein Gutscafé, Ferienwohnungen, Eventangebote für Kinder und Erwachsene sowie Tagungsmöglichkeiten.
Zum 110 Hektar großen Bauerngut, um das sich hauptsächlich der Ehemann und einer der Söhne kümmern, gehören Grün- und Ackerland, Waldflächen, Sonderkulturen (Spargel und Erdbeeren) sowie Blumenfelder, die abseits liegen und auch der Werbung dienen. Die vier Kinder sind mehr oder weniger auf dem Hof aktiv, dazu kommen rund 30 Mitarbeiter. 60 Milchkühe gehören zum Tierbestand, dazu 60 schwäbisch-hallische Schweine, die von den Restaurants der Umgebung gefragt sind, 1500 Mastgänse, 200 Puten und 8000 Legehennen in Bodenhaltung mit Freiluftterrasse. Eine straffe Organisation mit Jahres-, Monats-, Wochen- und Tagesplänen stehen hinter dem Erfolg sowie das Leitbild vom nachhaltigen Arbeiten und einem möglichst autarken Hof, auf dem das Tierfutter selbst hergestellt wird.
Ebenfalls aus der Praxis berichtete Monika Schwarz, die gemeinsam mit 40 Frauen den Verein "Kräuterland Baden-Württemberg e.V." gründete und seitdem selbst angebauten Tee in Bioqualität verkauft. Inzwischen hat der Verein 200 Mitglieder. Die Kräuterfrauen bauen das an, was in ihrer Höhenlage und bei der entsprechenden Bodenqualität gut wächst, sammeln auch in zertifizierten Gebieten, trocknen die Erzeugnisse selbst und mischen dann gemeinsam Sorten wie "Lebe wild" (mit vielen Wildkräutern), "Bleib stark", oder "Blühe auf". Die entsprechenden Kenntnisse stammen aus Schulungen (Freiburger Heilpflanzenschule) und Büchern.
Mit wenig Anfangskapital entstand so für viele Frauen ein zweites Standbein und der Verein leistet sich inzwischen eine Geschäftsführerin auf 450-Euro-Basis. 423 Kilogramm Tee wurden 2015 erzeugt und verpackt. "
Wir hatten Ziele und Träume und wussten zum Glück nicht, was auf uns zukommt", berichtete Schwarz. Sie erzählte von unzähligen Anträgen und eingeholten Genehmigungen. "Aber wir hatten auch Glück und es macht uns Spaß." Ein kleineres Projekt, was im Schwarzwald auch gut läuft, ist das Projekt Bauerngartenroute, bei dem jede teilnehmende Landfrau Besucher, die sogar mit Bussen kommen, durch das Anwesen führt, eventuell auch bewirtet, und sie dann zur nächsten Station begleitet. So bleibt die Belastung für jede Einzelne überschaubar.
Zu den Praxisbeispielen kam bei der Fachtagung viel Betriebskunde, die Dr. Anton Bojanovsky von der Andreas-Hermes-Akademie kurzweilig präsentierte. Wie erkenne ich eigene Stärken und betriebliche Ressourcen, wie formuliere ich meine Ziele und mit welchen Instrumenten und wie mache ich die Betriebsentwicklung konkret? Diese und viele weitere Fragen beantwortete der Fachmann. Bei allen Referenten bedankte sich Ziegler mit Produkten aus der Region und lud zum Landfrauentag am Freitag, 4. März, ab 9.30 Uhr, in Strahlungen ein.