• Nach Tötungsdelikt in Nürnberg: Ermittlungen gegen Mert A. laufen weiter
  • "Er begann zu schießen, ohne etwas zu sagen": Überlebender schildert Tathergang
  • "Wurde von seinen Freunden geliebt": Auch Vater des Getöteten äußert sich

Eineinhalb Wochen nach den tödlichen Schüssen in der Nürnberger Südstadt am Montag (24. Oktober 2022) laufen die Ermittlungen zu Mert A. (28) weiter, wie die Pressesprecherin der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth Antje Gabriels-Gorsolke gegenüber inFranken.de erklärt. Am Montag (1. November 2022) hat die türkischsprachige Tageszeitung Hürriyet ein bewegendes Interview veröffentlicht. Hier meldet sich neben dem Vater des Getöteten, der Verletzte zu seiner Beziehung zu A. und dem traumatischen Abend zu Wort.

"Kein Problem, er kann kommen" - wie der Überlebende die Schießerei in Nürnberg erlebte

Was ist genau zwischen den drei Männern an diesem Abend vorgefallen? Der Verletzte, der nach den Schüssen auf die Intensivstation gekommen war, schildert die Augenblicke wie folgt. "Der Abend des Vorfalls war mein Geburtstag. Um uns die Zeit zu vertreiben, gingen B. (Name von der Redaktion geändert) und ich auf dem Basar und am See spazieren, wir aßen und tranken etwas. Als wir 15 Meter von der Wohnung eines Bruders entfernt waren, zu dem wir in Nürnberg immer gingen, sagte B. zu mir: "Mert kommt von der anderen Straßenseite", und ich sagte: "Kein Problem, er kann kommen."

"Sobald Mert in unsere Nähe kam, zog er seine Waffe. Er begann zu schießen, ohne etwas zu sagen", berichtet der Überlebende in der Hürriyet weiter. Laut seinen Eindrücken habe A. B. sofort erschossen. Dem Überlebenden habe er auf Beine und Füße geschossen und einen weiteren Schuss auf den am Boden liegenden B. abgegeben. Der Überlebende habe sich auf den Täter gestürzt, um ihm die Waffe abzunehmen. Die Folge sei ein weiteres Feuer auf beide Beine gewesen. Darüber hinaus betont er, A. nicht gut gekannt zu haben. In der türkischen Stadt Manisa habe er ihn einmal getroffen.

A. habe ihm in Deutschland einen Job in seinem Unternehmen angeboten, woraufhin die drei Männer gemeinsam nach Nürnberg gereist seien. A.'s "streitsüchtige und harte Art" zu sprechen, habe ihn gestört, verrät er in der türkischen Zeitung. Mit Geld habe er nichts zu tun, erklärt der Überlebende seine Sicht des Hergangs. Laut der Hürriyet soll A. von einigen Geschäftsleuten Geld aus Nürnberg und Umgebung erhalten haben, die nicht genannt werden wollten. Ein vorausgehender Streit zwischen den Männern und ihre Beziehung zueinander ist Gegenstand der Ermittlungen (Stand 25. Oktober 2022).

"Wurde von seinen Freunden geliebt" - Vater spricht über getöteten Sohn

Der Vater des getöteten B. sagt im Nachhinein gegenüber der Hürriyet: "Ich stand in ständigem Kontakt mit meinem Sohn. Ich weiß, dass er von seinen Freunden geliebt wurde. Ich hoffe, dass die Polizei den bewaffneten Angreifer bald finden und den Vorfall aufklären kann."

Die Polizei sucht öffentlich nach wichtigen Zeugen und hat dafür ein Überwachungsvideo ausgewertet.

Inzwischen hat die Beerdigung für B. laut Informationen der Bild auf dem Nürnberger Südfriedhof stattgefunden. Seine Witwe erwartet derzeit ihr zweites Kind.