Da sich Dörte bereits gut in Nürnberg eingelebt hat und ihre vertraute Tierpflegerin aus Duisburg dabei war, konnte bereits nach sechs Tagen eine Blutprobe über medizinisches Training genommen werden. Das tiermedizinische Training beruht auf dem Prinzip der positiven Verstärkung, wobei erwünschtes Verhalten belohnt wird. Mit Hilfe dieser Methode und durch das Vertrauen der Tiere zu den Pflegerinnen und Pflegern ist es möglich, solche Untersuchungen auf freiwilliger Basis durchzuführen.
Wissenschaftliche Forschung zum Kommunikationsverhalten
Um mehr über das Kommunikationsverhalten von Delfinen zu lernen, wird die Integration von Dörte in ihre neue Gruppe wissenschaftlich begleitet. Dabei geht es darum, ob sich die Signaturpfiffe (ID-Pfiffe) von Delfinen bei der Migration in eine neue Gruppe verändern. Der Signaturpfiff ist eine Vokalisation, die für jeden Delfin einzigartig ist, ähnlich wie ein Fingerabdruck. „Delfine entwickeln diesen Pfiff früh im Leben und man geht davon aus, dass er ein Leben lang erhalten bleibt. Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass sich dieser Pfiff in Abhängigkeit vom Gemütszustand des Tieres minimal verändert“, sagt Dr. Lorenzo von Fersen, Kurator für Forschung und Artenschutz im Tiergarten. „Da zu erwarten ist, dass eine neue Umgebung und ein Transport diesen Gemütszustand beeinflussen können, sind wir neugierig, inwiefern sich dies in Änderungen des Pfeiftons widerspiegelt.“
Eine Biologiestudentin der Universität Bayreuth sammelte dazu bereits Tage vor dem Transport entsprechende Tonaufnahmen und Verhaltensdaten in Duisburg und führt die Datenerhebung in Nürnberg fort, um mögliche Änderungen des Signaturpfiffes zu dokumentieren. Es sind Forschungen zum Kommunikationsverhalten, die in der Wildbahn nahezu unmöglich sind und das Wissen über Delfine erweitern.
Beitrag zu Forschung und Artenschutz
Delfine in wissenschaftlich geführten Zoos wie Nürnberg und Duisburg sind wichtig für die Forschung und ein Modell für integrierten Artenschutz. Viele Artenschutzmaßnahmen können nur dadurch sinnvoll und nachhaltig umgesetzt werden, weil wichtige Erkenntnisse in Zoos gewonnen und wissenschaftlich aufgearbeitet wurden.
Der Bestand von fast der Hälfte aller Wal- und Delfinarten weltweit ist gefährdet, von den Arten mit einer küstennahen Verbreitung sind es weitaus mehr. „Schutzmaßnahmen im natürlichen Habitat reichen nicht mehr aus, um Arten zu erhalten. Die Haltung von Delfinen in wissenschaftlich geführten Zoos hat gezeigt, dass diese Orte Sicherheit bieten und einen wichtigen Beitrag zum Arterhalt leisten“, so Dr. von Fersen.
Die Haltung und Zucht der Großen Tümmler wird im Europäischen Erhaltungszuchtprogramm EEP unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten koordiniert. Ziel des EEPs ist es, langfristig eine stabile Population außerhalb des natürlichen Verbreitungsgebiets der Tierart aufzubauen. Das EEP für Große Tümmler ist seit 2003 vollständig selbsterhaltend und basiert seither nur noch auf eigenen Nachzuchten.
Von den fast 260 Tieren im EEP sind derzeit mehr als 80 Prozent in Zoos geboren – Tendenz weiter steigend.
Über Dörte
Dörte wurde am 27. August 2011 im Zoo Duisburg geboren. Auch ihre Mutter Delphi kam in Duisburg zur Welt. Ihre Schwester Dolly und ihre Halbschwester Donna sind beide 2007 geboren und kamen im Mai 2014 in den Tiergarten.