Bankgewinne auf Kosten der Kunden? Warum Volksbanken kaum Zinsen zahlen

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Die deutschen Volksbanken schreiben Rekordzahlen – doch viele Sparer gehen dabei leer aus. Warum das so ist und weshalb sich daran so schnell nichts ändern dürfte.

Die deutschen Volks- und Raiffeisenbanken blicken auf ein außergewöhnlich erfolgreiches Geschäftsjahr zurück. Doch während die Institute Rekordergebnisse feiern, profitieren viele Kundinnen und Kunden davon kaum. Vor allem beim Tagesgeld zeigt sich eine deutliche Lücke – und die ist nach Einschätzung von Experten kein Zufall.

Rekordjahr für Banken – Ernüchterung für Sparer

Die genossenschaftlichen Banken haben 2025 trotz wirtschaftlich schwieriger Rahmenbedingungen ein starkes Ergebnis erzielt. Der Jahresüberschuss vor Steuern stieg um gut zehn Prozent auf 9,5 Milliarden Euro. Damit übertrafen die Institute nicht nur ihre eigenen Erwartungen, sondern erreichten auch ein neues Rekordniveau. Für das laufende Jahr zeigt sich die Branche entsprechend zuversichtlich.

Parallel dazu wuchsen auch die Kundeneinlagen weiter. Insgesamt legten Sparerinnen und Sparer rund 925 Milliarden Euro bei Volks- und Raiffeisenbanken an – ein Plus von 3,7 Prozent. Das zeigt: Trotz wachsender Konkurrenz bleibt das Vertrauen vieler Kunden in ihre Hausbank hoch.

Für viele Sparer ist diese Entwicklung jedoch wenig erfreulich. Denn während die Banken ihre Erträge steigern, bleiben die Zinsen auf klassische Sparprodukte – insbesondere Tagesgeld – vielfach auf niedrigem Niveau. Die Diskrepanz zwischen Bankgewinnen und Sparrenditen sorgt zunehmend für Kritik.

Deutliche Zinsunterschiede beim Tagesgeld

Eine umfangreiche Auswertung durch das Vergleichsportal Verivox von mehr als 800 Banken zeigt, wie groß die Unterschiede tatsächlich sind. Vor allem beim Tagesgeld klafft eine deutliche Lücke zwischen regionalen Instituten und überregionalen Anbietern. Während bundesweit verfügbare Banken im Schnitt 1,30 Prozent Zinsen zahlen, kommen Genossenschaftsbanken lediglich auf rund 0,42 Prozent.

Damit erhalten Sparer bei vielen Volksbanken nicht einmal ein Drittel der Zinsen, die anderswo möglich wären. Ähnlich sieht es bei Sparkassen aus, die im Durchschnitt sogar noch etwas darunter liegen. Besonders auffällig ist: Diese Unterschiede betreffen vor allem flexibel verfügbare Anlagen wie Tagesgeld.

Beim Festgeld hingegen – also Anlagen mit fester Laufzeit – sind die Abstände deutlich geringer. Je nach Laufzeit nähern sich die Zinssätze der verschiedenen Bankengruppen an. Der Grund dafür liegt in der Struktur der Produkte: Festgeldzinsen gelten nur für neue Abschlüsse, während Änderungen beim Tagesgeld auch bestehende Einlagen betreffen.

Strategische Zurückhaltung bei den Zinsen

Dass viele Volksbanken vergleichsweise niedrige Tagesgeldzinsen anbieten, ist kein Zufall, sondern Teil einer bewussten Strategie. Anders als Direktbanken stehen sie weniger unter Druck, mit attraktiven Konditionen neue Kunden zu gewinnen. Ihre Stärke liegt in der regionalen Verwurzelung und in langfristigen Kundenbeziehungen.

Viele Kundinnen und Kunden bleiben ihrer Hausbank treu – oft unabhängig von den angebotenen Zinsen. Filialnähe, persönliche Beratung und Vertrauen spielen eine große Rolle. Diese Loyalität ermöglicht es den Instituten, bei den Sparzinsen zurückhaltender zu agieren.

Hinzu kommt das Geschäftsmodell: Volksbanken finanzieren sich stark über Kundeneinlagen und vergeben daraus Kredite, etwa für Immobilien. Steigende Zinsen beim Tagesgeld würden ihre Kosten unmittelbar erhöhen, da sie auch für bereits angelegte Gelder gelten. Um ihre Margen zu stabilisieren, bleiben viele Institute daher vorsichtig.

Kritik an niedrigen Sparzinsen wächst

Verbraucherschützer und Finanzexperten sehen diese Entwicklung kritisch. Sie argumentieren, dass die Banken steigende Zinsen in der Vergangenheit nur zögerlich an ihre Kunden weitergegeben haben – obwohl sie gleichzeitig von höheren Margen profitierten.

Aus Sicht von Experten profitieren die Institute somit doppelt: von stabilen Einlagen und niedrigen Zinskosten. Für Sparer hingegen bedeutet das reale Einbußen, insbesondere in Zeiten höherer Inflation.

Allerdings bleibt ein entscheidender Faktor das Verhalten der Kunden selbst. Solange viele Sparer nicht aktiv nach besseren Angeboten suchen oder ihre Bank wechseln, besteht für die Institute wenig Anreiz, ihre Konditionen anzupassen. Der Wettbewerb spielt sich vor allem zwischen überregionalen Anbietern ab – und dort sind die Zinsen deutlich attraktiver.

Bayern zeigt besonders deutliche Unterschiede

Ein Blick nach Bayern verdeutlicht die Entwicklung noch einmal. Dort zahlt etwa jedes zweite regionale Geldhaus auf Tagesgeld nur minimale Zinsen von maximal 0,25 Prozent. Im Durchschnitt liegen Sparkassen und Genossenschaftsbanken im Freistaat bei rund 0,35 Prozent – und damit sogar unter dem ohnehin niedrigen Bundesdurchschnitt.

Ganz anders sieht es bei überregionalen Banken aus: Mit durchschnittlich 1,30 Prozent bieten sie fast viermal so hohe Zinsen. Auffällig ist zudem, dass Niedrigzinsen fast ausschließlich bei regionalen Instituten vorkommen. Bundesweit aktive Banken sind davon nur selten betroffen.

Die Erklärung dafür liegt erneut im Wettbewerb. Während Direktbanken und überregionale Anbieter aktiv um Kunden werben müssen, können sich viele regionale Banken auf ihre gewachsene Kundenbasis verlassen. Diese gilt als vergleichsweise wenig preissensibel – ein Vorteil, den die Institute gezielt nutzen.

Festgeld als Ausweichoption – aber kein Allheilmittel

Wer sein Geld länger fest anlegt, kann die Zinslücke zumindest teilweise umgehen. Beim Festgeld sind die Unterschiede zwischen den Bankengruppen deutlich kleiner. Je nach Laufzeit liegen die Zinssätze regionaler Banken nur moderat unter denen der Konkurrenz.

Dennoch lohnt sich auch hier ein Vergleich. Höhere Zinssätze können über die Laufzeit spürbare Mehrerträge bringen. Bei einer Anlage von 10.000 Euro sind je nach Angebot Unterschiede von mehreren hundert Euro möglich.

Am Ende zeigt sich: Für Sparer zahlt sich ein genauer Blick auf den Markt mehr denn je aus. Während viele Volksbanken wirtschaftlich glänzen, bleibt die Rendite für ihre Kunden oft hinter den Möglichkeiten zurück. Wer höhere Zinsen erzielen will, muss bereit sein, die eigene Bankwahl zu überdenken.

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