Seit zwei Wochen müssen die Nürnberger nicht mehr von ihrem Fahrrad absteigen, wenn sie über den Hauptmarkt wollen.

Allerdings nur probeweise für ein Jahr - und auch nur auf einem kleinen Teil des Platzes zwischen der Waaggasse und der sogenannten Brautkehre vor der Frauenkirche. "Denn erst, wenn sich die neue Regelung bewährt hat, kann das Ganze zur Dauerlösung werden", findet Daniel Ulrich, der städtische Baureferent.

In Nürnberg ist die Aufhebung des Fahrradverbots auf dem Hauptmarkt keine Lappalie. Die Stadt hat sogar Wissenschaftler der Ohm-Hochschule eingeschaltet, die die einjährige Testphase begleitet. Bereits im Vorfeld der temporären Freigabe sind umfangreiche Voruntersuchungen und Unfallauswertungen durchgeführt worden. Die Wissenschaftler haben auch Befragungen unter Passanten, Radfahrern und Händlern durchgeführt. Die Erhebungen sollen dem Ende des Pilotversuchs wiederholt werden.


"Die Probephase wird unter den Augen vieler kritischer Beobachter stattfinden", ist sich der Baureferent sicher. Deren Bedenken will die Stadt mit einer Geschwindigkeitsbegrenzung für Radler zerstreuen. Auf dem Hauptmarkt gilt Schritttempo für Radfahrer.

Den Nürnbergern jedenfalls scheint die neue Freiheit auf dem Hauptmarkt zu gefallen. "Ich hoffe, dass ich auch im nächsten Jahre über den Hauptmarkt radeln darf", freut sich Maria und tritt in die Pedale. Dass sich die Stadt für Entscheidungen viel Zeit nehme, das sei für die Nürnbergerin nichts neues. Auch Klaus radelt mit seinem Rad auf dem Hauptmarkt. "Ich hole frischen Spargel vom Markt", sagt der überzeugte Radler.

Wenn alle "aweng Rücksicht" nehmen, fürchtet er keine Verkehrsprobleme zwischen Radfahrern und Fußgängern auf dem Hauptmarkt. "Die richtigen Radrowdys haben sich doch früher auch nicht an das Verbot gehalten", ist sich Klaus sicher.