Naja, für die Mittelfeldlegende des Jahrhunderts wird es auf jeden Fall kein normaler Sonntagabend werden. Marek Mintal, das berühmt-berüchtigte Tor-Phantom des 1. FCN, drückt aber nicht Jogis Jungs die Daumen, wie er im Gespräch mit dieser Zeitung verrät.

Er will sich das Spiel "ganz entspannt" mit der Familie zuhause angucken. "In aller Ruhe werden wir das Spiel gemeinsam verfolgen. Wahrscheinlich zusammen mit ein paar Freunden. Ich weiß allerdings noch nicht, ob wir grillen werden. Das werden wir je nachdem entscheiden, wie das Wetter ist."


Mintal drückt den Slowaken die Daumen

Der derzeitige U19-Co-Trainer der Cluberer muss nicht lange überlegen, für wen sein Herz schlägt: "Natürlich freue ich mich auf die Begegnung und drücke den Slowaken die Daumen. Ende Mai gab es ja schon einen Sieg in der Vorbereitung in Augsburg. Aber das Spiel am Sonntag wird unter ganz neuen Voraussetzungen stattfinden. Ich bin auf jeden Fall glücklich, dass die Mannschaft aus der Slowakei die Vorrunde gemeistert hat und eben nun mit Deutschland auf einen der Titelfavoriten trifft."

Mintal hatte selbst schon 45 Mal das Leibchen seines Heimatlandes an, erzielte 14 Tore. Er galt auf dem Feld als unberechenbar, weil er an sich gelernter Mittelfeldspieler war, aber auch als Knipser im Sturm glänzte. "Ich gehe davon aus, dass unsere Mannschaft lange ein Unentschieden halten kann. Und dann kommt es zum Elfmeterschießen. Das ist immer eine schwere Situation, in der vieles passieren kann. Ja vielleicht gibt es ja wieder ein Elfmetermärchen", hofft Mintal mit einem Augenzwinkern.

Neu wäre das nicht, schließlich gab es da ja vor 40 Jahren eine magische Nacht bei der EM 1976, als am 20. Juni der deutsche Stürmer Uli Hoeneß den entscheidenden Schuss in den Himmel von Belgrad jagte und die Mannschaft der Tschechoslowakei plötzlich den haushohen Titelfavoriten besiegt hatte. Ein Trauma, das selbst Hoeneß bis heute nicht verkraftet hat...

Genau solche Momente hat Mintal im Kopf, wenn er an den Sonntag denkt. "So ein Triumph gegen die Deutschen wäre wie ein verfrühtes Weihnachten, denn das Team ist natürlich einer der Aspiranten auf den EM-Titel." Bis heute hält der DFB-Pokalsieger von 2007 immer noch Kontakt zum Team von Trainer Ján Kozák. "Ich kenne von meiner aktiven Zeit noch Betreuer der Nationalmannschaft, mit denen ich telefoniere."

Holt sich Mintal auch aktuelle Infos von seinem früheren Mannschaftskameraden Robert Mak, der von 2010 bis 2014 beim Club gekickt hat? "Mit Robert habe ich leider keinen Kontakt mehr, seit er nach Griechenland zu Saloniki gewechselt ist."

Er bedauert aber, dass die deutsche Elf auf einen tollen Mitteldfeldmotor verzichten muss, der auch schon das Club-Leibchen trug: Ilkan Gündogan. "Es ist tragisch, dass er sich kurz vor der Europameisterschaft verletzt hat. Er ist ein toller Typ und vor allem ein großartiger Fußballspieler, der ein Match mit einem einzigen Pass entscheiden kann."

Trotz des Ausfalls des Noch-Dortmunders hat Mintal jedoch großen Respekt vor dem Können des deutschen Kaders: "Das Team ist sehr ausgeglichen. Die Qualität der Spieler ist in jedem Mannschaftsteil ausgeglichen. So wie bei keiner anderen Mannschaft im Turnier."

Man merkt rasch, wie sehr Mintal immer noch vom Virus Fußball befallen ist. Und er genießt es, in der Franken-Metropole Nürnberg zu wohnen: "Ich habe hier mein Haus gebaut und meine zwei Söhne gehen dort zur Schule." Sogar die Fußballschuhe hat er sich wieder übergezogen - für zwei Einsätze in der Mannschaft von Victoria Erlangen, die er in der Verlängerung mit seinem 3:1 von der A-Klasse in die Kreisklasse geschossen hat. "Das hat mir wirklich großen Spaß gemacht. Doch es wird leider bei den zwei Kurzeinsätzen bleiben, weil ich einfach zu wenig Zeit habe, um mich in dem Verein mehr zu engagieren."

Fakt ist: Sein Herz wird am Sonntag für sein Heimatland und den Star der Slowaken schlagen: Marek Hamsik. "Er hat ein enormes Können und einen guten Charakter." Und Mintal hofft auf einen magischen Sonntag - ganz wie vor 40 Jahren in Belgrad...